_

Gbureks Geld-Geklimper: Gold steigt, Inflation steigt später

Kolumne von Manfred Gburek

Den einen erscheinen die Edelmetallpreise schon zu hoch, für die anderen setzen sie erst noch zum großen Sprung nach oben an – eine grundsätzliche Betrachtung mit Überraschungseffekten.

Goldschmuck in Mumbai, Indien: Quelle: REUTERS
Goldschmuck in Mumbai, Indien: Während der Hochzeitssaison steigt schon traditionelle die Nachfrage nach Gold, trotz der gestiegenen Preise Quelle: REUTERS

Goldpreis am Dienstag zwischenzeitlich wieder mal auf einem neuen Hoch (jedenfalls in Dollar), Silberpreis fast auch, dann am Mittwochnachmittag mitteleuropäischer Zeit ein kleiner Preissturz - allmählich gewöhnt man sich daran. Ebenso an die Bankstudien, deren Autoren die Preisprognosen bei solchen Gelegenheiten gern schnell nach oben oder nach unten anpassen, bevor jemand merkt, dass sie mit ihren bisherigen Prognosen total daneben lagen. So weit der erste Eindruck vom jüngsten Höhenflug der Edelmetalle mitsamt Rolle rückwärts.

Anzeige

Der zweite Eindruck: Verfolgt man regelmäßig die repräsentativen Kommentare zur Entwicklung der Edelmetallpreise, etwa beim auf Gold und Silber spezialisierten Internetdienst kitco.com, fällt auf, dass sie in den vergangenen Monaten als Begründung für verschiedene Preisausbrüche nach oben immer häufiger auf „safe haven“ verwiesen haben: Gold als sicherer Hafen. Und der dritte Eindruck: Die öffentliche Wahrnehmung des nach oben gerichteten Preistrends nimmt schlagartig ab, sobald eine Krise – wie die griechische – angeblich bewältigt ist oder sobald die Konjunktur an Fahrt zu gewinnen verspricht, sodass Anleger sich wieder mehr den Aktien statt den Edelmetallen zuwenden könnten.

Null Zinsen, also lieber Gold

Alles Halbwahrheiten. Die wahren Ursachen des nun schon seit fast zehn Jahren anhaltenden Aufwärtstrends sind vielfältig; im Übrigen haben sie sich im Lauf dieser langen Zeit immer wieder verschoben. Hier nur einige Beispiele: War es zuerst die Vereinbarung der führenden Zentralbanken, ihre Goldverkäufe zu begrenzen, so tauchten später zunehmend Edelmetallfonds als Goldkäufer auf. Mit dem wachsenden Reichtum Chinas kam ein großer Nachfrageschub von dort, während das Land nebenbei an Südafrika, Australien und den USA vorbei zum führenden Goldförderer der Welt aufstieg. Aus Indien, wo nur wenig Gold gefördert wird, stammt permanent eine hohe Nachfrage.

Seit die Zinsen im Keller sind und Staatspleiten drohen, machen Anleger weltweit die folgende Rechnung auf: Nominalzins – Inflation = Realzins = Null. Also legen sie lieber Gold in den Tresor als Geld auf die hohe Kante. Europäer und Amerikaner üben sich darin noch nicht allzu lange. Dagegen sind Inder und Bewohner vieler anderer Länder mit relativ hohen Inflationsraten seit jeher gewohnt, durch den Goldkauf der Inflation zu trotzen. Und je reicher solche Schwellenländer im Vergleich zu den traditionellen Industrieländern werden, desto stärker bestimmen sie die Edelmetallpreise.

Was Inflation so alles sein kann

Die Inflation ist ohne Zweifel an sich ein Kaufmotiv für Gold (und Silber). Aber welche Inflation? Zur Auswahl stehen unter anderem: ein aus den Inflationsraten der wichtigsten Länder der Welt bestehender Index (nicht praktikabel), der harmonisierte europäische Verbraucherpreisindex (veraltet), die Preisentwicklung eines individuellen Waren- und Dienstleistungskorbs (bezogen auf einen bestimmten Privathaushalt, also realistisch, aber leider nicht repräsentativ), das in den Zentralbanken und beim Internationalen Währungsfonds heiß diskutierte Inflationsziel (ein Fall für Psychiater), die gefühlte Inflation (nicht rechenbar), die trabende oder galoppierende Inflation (exponentiell und deshalb ebenfalls nicht rechenbar) bis zur Hyperinflation (extremer Sonderfall) und die Inflationserwartungen (einerseits individuell-subjektiv, andererseits als Massenphänomen die Vorstufe zur trabenden und galoppierenden Inflation).

Zu diesem Artikel
25 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 26.09.2010, 18:37 UhrAnonymer Benutzer: a.lembek

    hallo,
    ich bezweifle, dass Gold und Silber wirklich vor heftigen besitz-verlusten von Privatleuten schützen. Wenn bei einem Finanzcrash
    z.b. die Aktienkurse in den Keller rauschen, sind institutionelle wie private Anleger gezwungen, Gold zu verkaufen, um liquide zu bleiben. Und damit folgt der Goldkurs den Aktienkursen mit wenig Zeitverzögerung nach. Dann kann ich doch gleich Aktien kaufen, weil die ja auch ein Sachkapital darstellen. Oder wie? Oder was?

  • 19.09.2010, 21:40 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt

    Die Erfahrung zeigt, dass der Staat gerne inflationsschübe selbst auslöst. Der Umstieg auf den Euro hat im b2C-Markt 100% inflation gebracht. Dagegen sind die b2b-Preise entweder konstant geblieben oder sogar gesunken (teils um bis zu 30%). Alles nominell.

    Und immer, wenn neue Gebühren oder Steuern eingeführt werden, steigen die b2C-Preise überproportional. Das ist das wahre Übel und einfach unerträglich: der Staat treibt die inflation gegen seine eigenen bürger.

    Runter mit den Steuern, dann wird die inflation im Schach gehalten. Das wird natürlich nie passieren :-(

    P.S. und übrigens, der Soli soll doch bitte endlich abgeschafft werden!

  • 19.09.2010, 16:31 UhrAnonymer Benutzer: Dagobert Duck

    @Goldfreund
    Genau! Gerade die Goldgegner suchen jede sich bietende Gelegenheit einer sachlichen Diskussion aus dem Wege zu gehen bzw. Nebenkriegsschauplätze aufzubauen.

    Darum nochmals: Es geht mir vor allem um die breite Masse, die schon x-mal in der Geschichte von den Mächtigen des Papiergeldsystems bzw. des herrschenden Geldsystems um die Früchte oft lebenslanger Arbeit gebracht wurden. Dieses Elend geht in der Geschichte stets unter und die Drahtzieher machen danach weiter wie vorher. Einfach dies studieren, dann werden wir mit Sicherheit einen Konsens finden. Oder dies im EiFER nicht ausblenden.

    Und wenn jemand wegen den Produktionsbedingungen ein Goldverbot fordert, habe ich ein Störgefühl (verpasste Rallye). Denn dann müsste er ein Silber-, Platin- und Palladiumverbot ebenso einfordern. Er müsste schlicht den bergbau verbieten. Man könnte noch weitermachen. Nein, ein Goldverbot ist Nonsens. Man müsste die Produzenten sanktionsbewehrt weltweit zwingen, die Arbeitsbedingungen zu verbessern - und dies mit Polizeigewalt. Dies ist die Lösung und nicht ein Goldverbot.

    @Entenhausener
    ich erlaube mir, darauf hinzuweisen, dass in Entenhausen nicht rumgegackert wird. Dies machen Hühner nicht Enten. Kleiner Joke zum Abschluss!

Alle Kommentare lesen

Blogs

Kurze Erholung läuft
Kurze Erholung läuft

Bei 6200 gelingt dem Dax eine Stabilisierung. Sie kann die Notierungen bis in den Juni hinein steigen lassen. ...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.