Gbureks Geld-Geklimper: Nervenkitzel mit Silber

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Nervenkitzel mit Silber

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Die neu vorgestellte Silbergedenkmünze mit der Aufschrift "Wir sind ein Volk" anlässlich des 20. Jahrestages der Deutschen Einheit. Sie besteht - wie die bisherigen deutschen 10-Euro-Gedenkmünzen - aus 18 Gramm Sterlingsilber

Kolumne von Manfred Gburek

Der Silberpreis entwickelt sich im Trend wie der Goldpreis, aber unter viel stärkeren Schwankungen. Nur wer Geduld mitbringt, kann auf Dauer gewinnen.

In letzter Zeit fanden es viele Börsenkommentatoren immer langweiliger, jeden zweiten oder dritten Tag auf einen neuen Goldpreisrekord hinzuweisen, zumal in Dollar und nicht in Euro, dessen Anstieg gegen die US-Währung die Freude der europäischen Edelmetallfans trübt. Was also kommentieren, zumal in Anbetracht der monatelangen Dax-Seitwärtsbewegung bei Aktien erst recht Langeweile aufkommt? Silber, denn dessen Preisentwicklung scheint wegen der starken Ausschläge noch viel spannender zu sein als die des Goldes.

Da trifft es sich gut, dass auch die Geschichte dieses Edelmetalls eine Menge Stoff hergibt, vom Gold-Silber-Duell um die Vorherrschaft als Währungsmetall im 19. Jahrhundert bis zum Höhenflug des Preises in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Es ist ja gerade erst gut drei Jahrzehnte her, dass die Hunt-Brüder aus Texas einen Corner ausprobierten, das heißt, Leerverkäufer mit gezielten Börsenaktionen in die Ecke und den Silberpreis dadurch ins Unendliche zu treiben versuchten. Die Aktion misslang zwar schließlich Anfang 1980, aber der Hunt-Mythos lebt nach wie vor.

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Was die Phantasie anregt

Bevor der Corner den Brüdern um die Ohren flog, erreichte das Gold-Silber-Verhältnis, eine unter Edelmetallprofis häufig benutzte Kennzahl, kurzfristig mit zirka 850 zu 50 Dollar, also mit 17, den damals tiefsten Stand. Aktuell bewegt die Kennzahl sich um 60. Das regt die Phantasie vieler Anleger natürlich ebenso an wie die vielen anderen Verhältnisse oder wie die umfangreichen Einsatzmöglichkeiten des Silbers von der schnellen Stromleitung bis zum Umweltschutz. Thorsten Schulte, der auf seiner Internetseite www.silberjunge.de alle erdenklichen Daten zusammenträgt, hat sogar ermittelt, dass allein der Börsenwert des US-Ölmultis Exxon die physischen Silberbestände der ganzen Welt um das mehr als Dreizehnfache übertrifft.

Das Problem der üblichen Börsenkommentatoren in den sogenannten Mainstream-Medien besteht oft darin, dass sie sich zu etwas äußern müssen, was gerade die Aufmerksamkeit besonders vieler Anleger erregt. Da geht es ihnen ähnlich wie den Bankern, die ihre meisten Zertifikate und Fonds just zu dem Zeitpunkt auf den Markt bringen, wenn das Publikum den Erfolg vor Augen hat – leider in der Rückwärtsbetrachtung. Und weil Gold jetzt ausgiebig genug diskutiert und in Bankprodukte verpackt zu sein scheint, nehmen Kommentatoren und Banker sich halt das Silber vor.

Ausdauer gefragt

Gegen die Geldanlage in Silber ist nichts einzuwenden, im Gegenteil, sie verspricht sich später doppelt und dreifach auszuzahlen. Doch dazu bedarf es eines extrem langen Atems und besonders starker Nerven. Zum einen, weil Silberbarren und -münzen im Gegensatz zu ihren Pendants aus Gold der Mehrwertsteuer unterliegen, sodass ihr Wert gemessen am Einsatz erst zu steigen beginnt, wenn die Mehrwertsteuer egalisiert ist. Zum anderen, weil die starken Preisschwankungen sogar für manchen Profi unerträglich werden können.

 Mit ihrem Silber glücklich schätzen können sich solche Anleger, die schon vor Jahren eingestiegen sind und jetzt trotz des volatilen Preises auf einem üppigen Gewinnpolster sitzen. Ihre Nervosität hält sich ganz bestimmt in Grenzen. Doch sie dürften eine verschwindend kleine Minderheit bilden. Dagegen droht die Mehrheit der Anleger, die von Börsenkommentatoren und Bankern gerade zum ersten Mal auf Silber aufmerksam gemacht werden, dann einzusteigen, nachdem der Preis steil nach oben geschossen ist – wie es an der Börse nun mal so üblich ist.

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