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kolumne Gbureks Geld-Geklimper: Schnäppchenjagd mal so, mal anders

Kolumne von Manfred Gburek

Das Deflationsgespenst geht um. Doch Politiker und Notenbanker werden es einfangen. Warum Anleger jetzt geduldig sein sollten.

Manfred Gburek
Manfred Gburek

Man mag gegen die Bild-Zeitung einwenden, was man will, aber eines muss man ihr lassen: dass sie mit der Schlagzeile auf Seite eins meistens den Nagel auf den Kopf trifft. So auch am 9. Oktober mit „Größter Preis-Sturz aller Zeiten“. Wer erst gar nicht weiter las, war damit in dem Bauchgefühl bestätigt, dass die Preise auf breiter Front fielen – schließlich lieferten sich Aldi, Lidl, Penny & Co. gerade allerlei Preisschlachten.

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Und wer in den vergangenen Monaten beispielsweise durch die Frankfurter Einkaufsstraßen flanierte, stellte fest, dass solche Schlachten nicht nur unter den Lebensmittelhändlern stattfanden. So bot die Ladenkette More for Less Herrenhemden und -hosen in brauchbarer Qualität für zehn Euro und Seidenkrawatten für fünf Euro an. Der angeschlagene Warenhauskonzern Karstadt unterbot zur selben Zeit auch noch diese Schnäppchen mit 50 Prozent Rabatt auf bereits herabgesetzte Ware, was die Preise für Hemden zum Teil unter zehn Euro und die für Seidenkrawatten unter fünf Euro purzeln ließ.

Ist das etwa schon die Deflation, vor der Politiker und vor allem Notenbanker zittern, weil sie eine Preisspirale nach unten in Gang setzt, die am Ende immer mehr Unternehmen in die Pleite treibt? Oder wird die Auslese unter den Händlern dazu führen, dass die Überlebenden von ihnen später umso höhere Preise durchsetzen und damit die Inflation in Gang bringen können? Wer feine Lebensmittelläden wie das Edeka-Flaggschiff im Frankfurter Ostend oder noch feinere Boutiquen entlang der Goethestraße in der Frankfurter Innenstadt aufsucht, wird eines Besseren belehrt. Denn dort sind die Preise schon hoch, die Qualität in der Regel auch und das Publikum eher qualitäts- als preisbewusst. Diese Beobachtung spricht indes nicht für steigende Preise, sondern dafür, dass die feinen Einzelhändler eine andere Käufersicht bedienen als die Läden, die ihre Waren zum Teil verramschen.

Aldi und Armani

Spannende Frage: Wird die gehobene Käuferschicht ihren Flaggschiffen und Boutiquen treu bleiben oder wird sie sich zu den Schnäppchenjägern gesellen? Schließlich ist es unter den Reichen der Republik nicht mehr verpönt, Lebensmittel bei Aldi zu kaufen und Anzüge von Armani zu tragen, wenn auch nicht beides zur selben Zeit. Doch es hieße, die Mentalität der meisten Reichen zu verkennen, würde man ihnen unterstellen, bei Lebensmitteln und Klamotten eher auf Schnäppchen- als auf Qualitätsjagd zu gehen. Das unterscheidet sie von dem Teil der Armen, die vor allem auf Schnäppchen aus sind, sei es mit oder ohne Beachtung der Qualität. Und dann gibt es noch einen anderen, offensichtlich stark zunehmenden Teil der Armen, denen jegliche Sensibilität in Bezug auf Preise und Qualität verloren gegangen ist. Sie kaufen Lebensmittel und Bekleidung ebenso gedankenlos – und oft zu teuer - ein, wie sie mit ihrem Mobiltelefon umgehen. Am Ende geraten sie in die Privatinsolvenz.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.10.2009, 14:11 UhrDas bewegt die Welt de

    Die Notenbanken wollen die inflation und brauchen diese auch sonst kippt das System aus den Latschen. Und wenn ich an der Stelle sitze wo ich Geld bis zum abwincken selbst herstellen kann also unbegrenzt bin dann erreiche ich auch eine inflation. Es ist nur eine frage der Zeit und eine frage wo sie sich als erstes bemerkbar macht. Aber sie wird kommen davon kann man zu 100% aus gehen. Und wenn sie kommt wird sie fewaltig sein. Man darf auch nicht auf die gefälschten inflationzahlen der Politik herein fallen. Geschönt und wissentlich falsch berechnet sind sie.
    Hier die wahre inflation.
    inflation = Geldmengenwachstum - Wirtschaftswachstum
    in Zahlen
    inflation = 11% - (-5%)
    Ergibt eine inflation von gut 16% und die wird kommen. Momentan staut sie sich nur auf. Wir haben auch keine Deflation wie uns so mancher vorgaukel will sonder Desinflation also rückgehende inflationsraten das ist aber was anderes als Deflation. bei einer richtigen Deflation müsste die gesamt Geldmenge zurück gehen. Tut sie das nein. Sie steigt wie oben beschrieben um 11% Geldmengenwachstum. Deflation sieht anders aus. Das einmal Produkte billiger werden hat mit Deflation gesamtwirtschaftlich nichts zu tun. Auch in einem boom können Preis mal sinken. Wegen erhöhtem Wettbewerb neuen Technologien Produktivitätsvortschritt und und und. Also das Deflationsgespennst ist tot und ein irrglaube.
    Wer sich wirklich mal informieren will der sollte hier mal nachlesen.

    Vorallem alle MUST READ Artikel.
    http://das-bewegt-die-welt.de

  • 15.10.2009, 16:32 Uhrlingupingu

    "Wenn Politiker und Notenbanker, wie zu erwarten, die erwähnte Deflationsspirale um jeden Preis verhindern werden..."...

    ...wollen... :-) Versucht man in Japan jetzt schon seit fast 20 Jahren, erfolglos. inflation ist hohe Geldmenge UND hoher Geldumlauf. Dummerweise ist der Durchschnittsamerikaner bankrott, genauso wie der der brite, Spanier, ire, isländer, (viele) Osteuropäer etc.
    Menschen ohne bonität Geld zu leihen, erfüllt den Tatbestand der Untreue.
    Man sieht auch jetzt schon: Die Übermasse an Liquidität bringt zwar die Finazmärkte schier zum Platzen, der gesamte Nichtfinanzsektor aber läuft eher trocken, weil die Marktteilnehmer völlig überschuldet sind oder die Unternehmen auf grotesken Überkapazitäten hocken.
    ich wage keine Prophezeiung. Vielleicht werden auch wirklich die Pseudoassets der "Masse" (v.a. immo) erneut bonitätsgenerierend aufgeblasen. in Japan allerdings hat das nicht geklappt und das lag dort NiCHT (entgegen der landläufigen Propaganda) an "falscher" Politik (zu späte Zinssenkungen etc.) sondern schlicht daran, dass die Vermögenswerte der Japaner nicht mehr zu retten waren.

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