Umlaufrendite fehlinterpretiert

Die hier beschriebenen Zustände verheißen zwar mit Blick in die kommenden Jahre nichts Gutes, werden aber zurzeit an den Märkten – ebenfalls unter Umkehrung der Kausalität – offenbar wie folgt interpretiert: Die Umlaufrendite deutscher Bundesanleihen, also der Emissionen der in Europa führenden Wirtschaftsmacht, ist nach einem heftigen Rückgang in den vergangenen Monaten auf gerade mal etwas über 2 Prozent gefallen; folglich könne alles gar nicht so schlimm sein. Diese Fehlinterpretation beruht auf dem Trugschluss, das viele in die Bundesanleihen fließende Geld diene der langfristigen Anlage. In Wahrheit haben es die Profianleger jedoch zum überwiegenden Teil für die Liquiditätshaltung vorgesehen.
Ausblick: Nur nicht langfristig binden
Um die deutschen Staatsfinanzen ist es – auch jenseits der Finanzspritzen zugunsten der Gesetzlichen Rentenversicherung, der Bundesagentur für Arbeit, zugunsten maroder Banken und Euro-Länder - nicht gerade gut bestellt. Diesen Eindruck vermittelt jedenfalls ein weiterer Blick in den neuen Bundesbank-Bericht. Denn dort heißt es, das deutsche Steueraufkommen sei im ersten Quartal 2010 gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal um 4,8 Prozent auf 111,2 Milliarden Euro gesunken. Dazu noch eine kleine Randbemerkung: Die 2009 eingeführte Abgeltungsteuer, von der man seinerzeit in Berlin – trotz ihrer Fehlkonstruktion – wahre fiskalische Wunder erwartet hatte, brachte im ersten Quartal 2010 nur noch 6,8 Milliarden Euro ein, ein Minus von 21,8 Prozent zum gleichen Vorjahresquartal.
Nach aktueller Faktenlage spricht nichts dafür, dass die großen westlichen Schuldnernationen auch nur einen Bruchteil ihrer Hausaufgaben gemacht haben könnten. Im Gegensatz zur untergeordneten Behörde BaFin finden sie nicht einmal eine faule Ausrede, um ihr Schweigen zu wichtigen Fragen zu begründen. Stattdessen reden Regierungen und Institutionen am liebsten um den heißen Brei herum, oder sie lenken mit vermeintlichen Rettungspaketen und Versuchen zur Einführung einer globalen Finanztransaktionssteuer von den eigentlichen Problemen ab. In solchen Phasen ist es für Anleger das Beste, die bisherige Entwicklung einfach in Gedanken fortzuschreiben und sich möglichst nicht langfristig zu binden. Was den zuletzt genannten Punkt betrifft, empfiehlt sich hin und wieder auch ein Blick in die Veröffentlichungen der Bundesbank. Die schrieb mit ihren typischen, wohl abgewogenen und dennoch klaren Worten beispielsweise in ihrem Finanzstabilitätsbericht vor einem haben Jahr zum Thema Lebensversicherungen: „Insbesondere in der längeren Perspektive baut sich eine schwierige Konstellation auf.“
Die bisherige Entwicklung fortzuschreiben, das bedeutet bis auf Weiteres: niedrige Renditen der Bundesanleihen, aber Gefahr von starken Ausschlägen nach oben (wie 2009 und Anfang 2010), Schaukelbörsen bei Aktien, weitere Versuche der Großspekulanten, den Euro gegen den Dollar nach unten auszuspielen, damit verbunden Verteuerung von Importen, was zusammen mit den zeitweise kräftig steigenden Rohstoffpreisen zum Anstieg der Inflationsraten in Europa führt, und Fortsetzung des Aufwärtstrends der Edelmetallpreise.









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Alle Kommentare lesen28.05.2010, 23:39 UhrAnonymer Benutzer: ToleaKarpov
Mein bescheidener Vorschlag lautet: sofortige Einfuehrung eines Gesetzes gegen Kreditoren, die absichtlich einem Debitoren Geld leihen, in voller Kenntnis dass der letztere seine Schulden nicht zahlen kann. ill-will crediting. Das ist kein business, das ist Mord.
28.05.2010, 17:07 UhrAnonymer Benutzer: Mumpi
Es gibt ein einfaches Mittel gegen die Schuldenkrise:
Wer Schulden (egal ob es sich um Arbeitsleistung, Miete oder einen Kredit handelt) nicht zahlt sollte nicht anders behandelt werden, wie ein Dieb - und je nach Summe mehr oder weniger hart bestraft werden. Dies sollte für Menschen, für Politiker (Steuerverschwendung ist auch Diebstahl) und für ganze Nationen gelten. EiN GESETZ... Millionen ehrliche Menschen wären die Gewinner !
28.05.2010, 14:23 UhrAnonymer Benutzer: Easterling
Es ist die Tatsache, Kernkompetenz, Stanortvorteil. beliebige Maschienen, die bestellt wurden abgesehen von bewertung und Emotionen.
Was die bewertungen angeht, gehört das Patent sowie die Erfahrung der Massenanwendung sicher den Franzosen sowie auch zahlreichen Patente für viele moralisch zweifehlhafte "Technologien" den Engländern/Amerikanern.