
Auf welche Weise könnte nun eine mittels Papiergeld erzeugte Blase platzen? Leider fehlen die richtigen Erfahrungen, um diese Frage zu beantworten. Dafür wird umso mehr über die Exit-Strategie gefaselt, also über das Zurückholen der Überschussliquidität, möglichst ohne bleibende Schäden für die Konjunktur – was man getrost vergessen kann.
Es dürfte so kommen, wie es in den vergangenen Jahren immer wieder war: Irgendein Ereignis, wie 2007 der Kurssturz an der Börse in Shanghai oder 2008 die Pleite von Lehman Brothers, wird eine negative Kettenreaktion auslösen, damit wird Papiergeld in größerem Umfang vernichtet – und durch neues Papiergeld ersetzt, fertig. Dieser Ablauf lässt sich womöglich noch ein paar Mal wiederholen, es sei denn, Uncle Sam wendet eine Art Chapter 11 auf den Staat vorzeitig an und beantragt Gläubigerschutz. Dann ließe sich zwar noch nicht vom Platzen, aber immerhin vom Schrumpfen einer Blase sprechen.
Ackermanns goldene Worte
Vermittelt nicht wenigstens die Geschichte den einen oder anderen Anhaltspunkt, wie das kommende Szenario aussehen könnte? Den einen oder anderen ja, aber mehr nicht. Auf der Suche danach stößt man auf so wundersame Ereignisse wie die Tulpenspekulation in Holland während des 16. Jahrhunderts, die Gründung der Südseegesellschaft zur Sanierung des englischen Staatshaushalts zu Beginn des 18. Jahrhunderts oder die deutsche Hyperinflation Anfang der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts.
Diese unter anderen Bedingungen zustande gekommenen Ereignisse liefern ebenso nur vereinzelt Anschauungsunterricht für heute wie der Crash an der Wall Street 1929 bis 1932 oder das, was man als Blasen in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg bezeichnen könnte: der Absatzerfolg der dubiosen Fondsgesellschaft IOS in den 60er Jahren, die zweistellige Inflation ein Jahrzehnt später, der Beginn der expansiven US-Geldpolitik nach dem Crash vom Oktober 1987, der durch das unsinnige Fördergebietsgesetz angeheizte Bauboom in den neuen Bundesländern zu Beginn der 90er Jahre, die Exzesse am Neuen Markt und an der Nasdaq um die Jahrtausendwende, der spätere Häuserboom in Spanien, in anderen europäischen Ländern und vor allem in den USA, die Zertifikatemanie in Deutschland und – ganz aktuell – das High Speed-Trading (hin und her macht Taschen leer).
Wie tröstlich, dass wenigstens Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann vor Kurzem im Spiegel-Interview eine klare Aussage zu Blasen gemacht hat, die sich zwar auf das Bankgeschäft bezieht, aber verallgemeinern lässt: „Es ist schwierig, Blasen vorab zu erkennen. Ab wann stellen steigende Preise eine Blase dar? Steigen Sie zu früh aus, verlieren Sie Erträge und sind womöglich bald nicht mehr im Geschäft. Reagieren Sie zu spät, erleiden Sie große Verluste.“
Daraus ist für Privatanleger, die nicht den Zwängen der Banker unterliegen, das geldwerte Fazit zu ziehen: Solange Geldanlagen, wie zurzeit in Gold, Silber und anderen Edelmetallen, gut laufen, sollte man nicht zu früh aussteigen. Zumal die Gefahr, zu spät zu reagieren, für flexible Privatanleger mit schneller Entscheidung ungleich geringer ist als für Banker, die auf teilweise langen Entscheidungswegen hohe Geldbeträge bewegen müssen.









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Alle Kommentare lesen09.12.2009, 20:31 UhrAnonymer Benutzer: Rentner
@Nachdenker
Studiere bitte einmal die Notenbankpolitk (FED) von Paul Volcker und die von Greenspan (vor allem in seiner Endphase) und seines Nachfolgers berni. Dann wirst Du mich vielleicht verstehen und nicht mehr so unqualifiziert mich des "Unsinns" bezichtigen.
beide sind die Geldmengenausweitung unterschiedlich angegangen bzw. der eine ist sie faktisch gar nicht mehr angegangen. Dies meinte ich mit 1998 ff. Die intensität hat für mich Aufmerksamkeit erzeugt.............! Wenn Du verstehst was ich meine?
06.12.2009, 13:29 UhrAnonymer Benutzer: Nachdenker
@Rentner
Vielleicht fällt es ihnen ja einfach schwer einzusehen, dass es keine naturgegebenen ewigen Werte gibt. Auch Gold ist kein solcher! Das ganze Herumschwadronieren um Gold als sicher Hafen ist schlicht blödsinn. Schon gar vor dem Hintergrund des aktuell deutlich überhöhten Goldpreises, gemessen am langjährigen Trend. Auch ihre bezugnahme zur Geldmengenausweitung ab 1998/1999 ist schlicht Unsinn. Denn diese begann schon viele Jahrzehnte früher, vor allem wenn man den US-Dollar betrachtet, in welchem ja Gold in der Hauptsache gehandelt wird.
Die Panikmacher und Goldkaufempfehler in der derzeitigen Situation, sehe ich erster Linie als Goldverkäufer die aktuell das Geschäft ihre Lebens wittern und in zweiter Linie als verzweifelte Goldanleger die zu überhöhten Preisen Gold kauften und allmählich zurecht befürchten, dass Gold sich nicht lange in diesen Höhen bewegen werden kann.
Was passierte denn mit dem Silber-"wert", als Frankreich im 19. Jhdt. seine Währung auf Goldbasis umstellte? Und was würde wohl mit den ach so geschätzten Goldwert passieren wenn eine oder mehrer Notenbanken sich heute von Gold verabschieden und sich mal wieder ein neues Metall aussuchen? Wer gibt ihnen denn die Gewissheit, dass solches nicht passieren könnte? Und noch was, wenn irgendwann Gold so bedeutungsvoll werden sollte wie von den Goldtheologen hier erhofft und die Währungen implodieren, seien sie versichert die Staaten werden sich die initiative des Handelns sofort zurückholen. Goldverbot und ähnliches sind dann unweigerlich angesagt, wie hier bereits angesprochen. Also hören sie auf sich mit anderen Goldtheologen eine segensreiche Goldherrschaft herbeizulügen, die es so nie geben wird. Wenn Sie in den Rohstoff Gold investieren wollen, dann geht das sicher auch ohne sich hier eine Scheinbestätigung dafür abzuholen. Geht es nicht, dann sollten sie ihr invest vielleicht nochmal überdenken und auf eine sachliche und mythenlose Grundlage stellen!
06.12.2009, 11:51 UhrAnonymer Benutzer: Rentner
@Siggi40
Sehr guter Kommentar!
Die Derivateblase ist die Mutter aller blasen! Komischerweise wird dagegen kaum etwas gesagt. Der Goldmarkt ist gegen den Derivatemarkt ein AbSOLUTES NiCHTS! Trotzdem ereifern sich die Goldgegner mehr über Gold als Derivate. Vielleicht weil sie diese noch weniger verstehen. Sie sind aber gesichert für unseren Wohlstand gefährlicher!