
Mit dem Begriff Blase ist es wie mit vielen anderen Ausdrücken der Finanzsprache, mit Sachwert und fairer Wert, Value und Growth, spekulativ und konservativ: Je häufiger sie verwendet werden, desto weniger sagen sie aus. Zurzeit bemühen Banker und Börsianer, Analysten und Journalisten den Blasenbegriff besonders gern für Staatsschulden und Geldmengen, Unternehmensanleihen und Rohstoffe, Immobilien in China und Gold weltweit. Aber was ist eine Blase?
Zum Beispiel ein Luftballon, den man so lange aufbläst, bis er peng macht und platzt. Diesen Vorgang auf die Märkte zu übertragen, erfordert zweifellos viel Phantasie, die man sich lieber für die Erforschung der wahren Zusammenhänge aufsparen sollte. Dazu nur zwei Beispiele:
Die wieder seit Monaten, mit größeren Unterbrechungen sogar seit fast drei Jahrzehnten anhaltende Flucht in solide Staats- und Unternehmensanleihen entspringt dem Sicherheitsbedürfnis vieler Anleger, sonst wären sie ja nicht bereit, sich dafür mit Minizinsen abzufinden. Besteht hier die Blase etwa darin, dass die betreffenden Staaten und Unternehmen sich über Gebühr verschulden?
Chapter 11 für die USA?
Nicht, wenn sie solider wirtschaften als andere. Daraus folgt, dass Blase ein relativer Begriff ist. Man könnte auch sagen: Ein Bläschen, das bei Anleihen mal hier (wie vor Jahren in Argentinien) und mal da platzt (wie zuletzt in Osteuropa). Eine allgemeine Anleihenblase gibt es dagegen nicht – es sei denn, eine weltweite Währungsreform steht direkt vor der Tür und der Wert aller Anleihen sinkt schlagartig. Dazu braucht es allerdings noch einige Zeit.
Über die Modalitäten einer solchen Währungsreform wird unter dem Stichwort Bretton Woods II immerhin schon heftig debattiert. Börsenhändler Dirk Müller, der mit seinem Buch Crashkurs die Bestsellerlisten gestürmt hat, denkt dazu über die folgende Initiative des amerikanischen Staats nach: Schuldenschnitt wie bei US-Unternehmen (etwa zuletzt bei der Opel-Mutter General Motors), die Gläubigerschutz nach Chapter 11 des amerikanischen Insolvenzrechts beantragen, und die Schulden von Uncle Sam wären auf ein erträgliches Maß zurückgeführt.
Doch das ist im Zeitalter der Globalisierung eine knifflige Aufgabe, denn der US-Dollar ist neben Gold die größte internationale Währungsreserve. Hier kommt neben den OPEC-Ländern, die auf hohen Dollar-Beträgen sitzen, vor allem China ins Spiel, dessen Reserven in erster Linie aus der US-Währung bestehen und laut World Gold Council nur zu 1,9 Prozent in Gold angelegt sind. Und da fabulieren diverse Kommentatoren – spätestens, seit der Goldpreis die Marke von 1200 Dollar übersprungen hat – schon von einer Goldblase. Dümmer geht’s nimmer.
Auch hier gibt es eine Relativitätstheorie: Der Goldpreis wird in US-Dollar, Euro, Schweizer Franken, und vielen anderen Währungen gemessen, nicht zuletzt in chinesischen Renminbi. In allen wichtigen Währungen der Welt steigt er seit Monaten, und das ziemlich kräftig. Doch das ist längst noch keine Blase. Papierwährungen als Messlatte zu nehmen, heißt nämlich den Bock zum Gärtner zu machen. Denn sie lassen sich beliebig vermehren, was zuletzt am fast senkrechten Anstieg der weltweiten Überschussliquidität zu erkennen war. Bilden sie eine Blase? Auf jeden Fall kann man eher von einer Papiergeld- als von einer Goldblase sprechen.














