
Was ist jetzt für die Geldanlage entscheidend, welche Faktoren bestimmen aktuell die Kurse an den Aktien- und Rentenmärkten, die Preise der Edelmetalle und Rohstoffe am meisten? Ginge es nach der Reaktion der mit deutschen und amerikanischen Aktien handelnden Börsianer, hätte die Antwort am Montag geheißen: in Deutschland die von ifo veröffentlichten Konjunkturdaten unter besonderer Berücksichtigung des Stimmungsindikators, in den USA der Soundso-Index (etwa zum Konsumentenvertrauen, zu den Häuserpreisen, zum Verhalten der Einkaufsmanager in Chicago und so weiter).
Doch schon am Dienstag war das alles Schall und Rauch. Der vor zehn Jahren verstorbene Spekulant und Buchautor André Kostolany hätte wahrscheinlich wieder kommentiert: Psychologie und Liquidität.
Letztere ist zweifellos so reichlich vorhanden, dass sie sich mal über Aktien, mal über Anleihen, mal über Edelmetalle und Rohstoffe, mal über alles auf einmal ergießt. Und wie steht es um die Psychologie, also um die Stimmung und um die Bereitschaft, an den Börsen und Märkten etwas zu riskieren? Im Großen und Ganzen nicht schlecht, aber leider auch nicht gut, unter anderem zu erkennen daran, dass beispielsweise die deutschen und amerikanischen Aktienkurse sich im Rhythmus zwei vor, einen zurück bewegen und im Durchschnitt längst noch nicht die alten Höchststände erreicht haben.
Offenbar dominiert weltweit das Sicherheitsdenken
Was es darüber hinaus zu bedenken gibt, ist, dass die Börsenumsätze weit hinter ihrem hohen Niveau aus den Jahren 2007 und 2008 hinterher hinken – sozusagen Handel unter Ausschluss des breiten Publikums, im Übrigen auch daran zu erkennen, dass deutsche Publikumsfonds beim Volumen zuletzt Einbußen erlitten haben.
Offenbar dominiert unter Anlegern weltweit das Sicherheitsdenken. Es wirkt sich ganz unterschiedlich aus: Zum einen darin, dass Euro-Anleihen erstklassiger Schuldner (Staaten wie auch Unternehmen) unter institutionellen Anlegern nach wie vor populär sind. Zum anderen darin, dass institutionelle und private Anleger weltweit zunehmend in Gold und Silber flüchten.
Schließlich nicht zu vergessen Immobilien, die wenigstens die folgende Randnotiz wert sind: Nachdem sich auch beim breiten Publikum herumgesprochen hat, dass auf Eigentümer von Gewerbeimmobilien harte Zeiten zukommen, entdecken Fondsanbieter die Wohnimmobilien, indem sie sie in immer zahlreichere geschlossene Fonds verpacken und argumentieren, daraus sei eine sichere stetige Rendite zu erwarten - ein weiterer Beleg für das Bonmot, dass Fonds nicht gekauft, sondern verkauft werden, was so viel bedeutet wie: Leuchtet das Verkaufsargument den Anlegern ein (wie in diesem Fall die stetige Rendite), läuft der Vertrieb wie geschmiert.
Doch was treibt die Preise von Gold und Silber in die Höhe, etwa auch das Sicherheitsdenken, obwohl sie schon stark gestiegen sind? Einerseits ja; andererseits nimmt Gold eine höchst brisante Sonderrolle ein, und Silber folgt ihm: China ermuntert seine Bewohner, Gold zu kaufen, und stellt dafür immer mehr staatliche Läden zur Verfügung. Auf diese Weise soll unter anderem vermieden werden, dass die USA die chinesische Zentralbank bezichtigen, ihre Währungsreserven vom Dollar weg und zum Gold hin zu diversifizieren.





