
Zurzeit häufen sich die Kursprognosen von einem Jahresende zum nächsten. Sie sind nichtssagend und deshalb überflüssig. Denn ob Dax, Dow Jones, Zinsen, Dollar oder Gold in einem Jahr höher oder niedriger notieren werden als heute, sagt rein gar nichts über die für Anleger viel wichtigeren Schwankungen dazwischen aus. Das heißt, gemessen an 365 Jahrestagen, besitzen solche Prognosen nur ein Dreihundertfünfundsechzigstel an Aussagekraft. Ähnlich verhält es sich mit Prognosen bis zum 17. März, 4. August, 22. November oder zu irgendeinem anderen Tag im Jahr 2010. Auch die unter Prognostikern verbreiteten Kursbandbreiten gehören in die Kategorie überflüssig.
Wer Geld anlegt, ist indes gezwungen, sich über die kommende Entwicklung an den Kapital-, Devisen-, Rohstoff- und sonstigen Märkten Gedanken zu machen. Aber wie und wo beim Denken ansetzen? Am besten durch das Verfolgen verfügbarer relevanter Daten dort, wo sich Fragen aufdrängen, und durch eigene Überlegungen, die daraus folgen. Ein einfaches Beispiel: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble plant für 2010 eine Neuverschuldung des Bundes in Höhe von 85,8 Milliarden Euro, wobei der Löwenanteil auf das Konto der starren Ausgaben für Arbeit und Soziales draufgehen wird, das alles überwiegend finanziert durch neue Anleihen.
Trotzdem peilt die Umlaufrendite für Bundesanleihen gerade wieder ihren Tiefststand vom vergangenen Februar an. Der Preis für die Aufnahme neuer Schulden bleibt also extrem niedrig (gemessen an der aktuellen Umlaufrendite unter drei Prozent), obwohl er in Erwartung immer höherer Schulden steigen müsste. Darüber nachzudenken, lohnt sich, wie die folgenden Überlegungen zeigen.
Was wird aus Anleihen und Aktien?
Bundesanleihen gelten derzeit – noch – als Hort der Sicherheit, weshalb sie bei Banken und Rentenfonds beliebt sind. Dafür nimmt man Renditen unter drei Prozent in Kauf. Sollen doch die Griechen, Iren, Italiener, Spanier und die anderen Mitglieder der Euro-Zone mit ihren höheren Renditen bleiben, wo der Pfeffer wächst. Bis jetzt ist dieses Kalkül aufgegangen. Aber wird es auch noch aufgehen, wenn Deutschland den Griechen, Iren usw. beispringen muss, um den Euro als Gemeinschaftswährung zu retten?
Oder wenn der Haushaltsposten des Bundes für Arbeit und Soziales nicht die für 2010 geplanten 146,8 Milliarden Euro verschlingt, sondern wegen höherer Arbeitslosigkeit 200 Milliarden Euro? Oder wenn Banken und Rentenfonds ihre Bundesanleihen auf den Markt zu werfen beginnen? Oder wenn für diese beiden wichtigen Anlegergruppen Unternehmensanleihen zu einer immer lukrativeren Alternative werden? Oder wenn die Europäische Zentralbank, eventuell im Einklang mit ihrer amerikanischen Schwester Fed, die Drohung mit dem Exit wahrmacht, also die überschwappenden Geldmengen wieder einzusammeln beginnt?
Anleihemärkte beobachten
Zu solchen und ähnlichen Fragen werden die Märkte Antworten finden, mit großer Sicherheit schon 2010. Anleger bleiben also – egal, wie und wo sie investiert sind - gut beraten, den Anleihemärkten ihre ganze Aufmerksamkeit zu schenken und bereits jetzt entsprechend zu handeln. Das bedeutet zunächst, Bundes- und andere Anleihen mit Restlaufzeiten über zwei Jahren peu à peu in Tagesgeld umzuschichten, auch wenn die Renditen hier zunächst zum Abgewöhnen sein werden. Rentenfonds verfolgen eine andere Strategie, die brisant zu werden droht: Sie setzen zunehmend auf Unternehmensanleihen. Allein 2009 haben sie hier ein Zigfaches im Vergleich zu den Vorjahren investiert. Was ein Schlaglicht auf Aktien wirft.








