Geldanlage-Beratung: Wenn Banker die Verbraucherschützer testen

Geldanlage-Beratung: Wenn Banker die Verbraucherschützer testen

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Ein Verbraucher wählt einen passenden Versicherungsvertrag aus

Verbraucherschützer überprüfen regelmäßig die Beratungsqualität von Banken. Nun hat eine Volksbank aus Bayern den Spieß umgedreht – und selbst eine Testkundin losgeschickt, zur Verbraucherzentrale München. Mit überraschendem Ergebnis.

Getarnte Testkunden stellen Bankangestellte auf die Probe – eigentlich sind das die Waffen der Verbraucherschützer, um schlechte Beratung nachzuweisen. Eine kleine Genossenschaftsbank in Bayern hat nun einmal den Spieß umgedreht – und eine verdeckte Ermittlerin zur Beratung in eine Verbraucherzentrale geschickt.

„Ich habe ja nichts gegen Testkäufe, die müssen ja sein“, sagt der Chef der Genossenschaftsbank, der lieber anonym bleiben will. Doch oft würden alle Geldinstitute einfach über einen Kamm geschoren. „Wenn wir unsere Kunden tatsächlich so über den Tisch ziehen würden, dann wäre es das gewesen. Wir haben ja nur unsere Region“, sagt er. Deshalb wollte er seinen Leuten zeigen, dass sie besser sind, als ihnen nachgesagt wird – und schickte eine junge Bankberaterin zur Verbraucherzentrale München.

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Die Testkäuferin wurde schlecht beraten

Eine kostenpflichtige Anlageberatung sollte sie testen. Das kostet dort 90 Euro für 90 Minuten. Mit dem Ergebnis war die junge Bankkauffrau genauso unzufrieden wie sonst die Verbraucherschützer mit vielen Banken: „Das hätte bei uns ein Azubi im ersten Lehrjahr besser gemacht“, gab sie zu Protokoll.

Einer ihrer Kritikpunkte: Ihr Berater empfahl ihr, ihren Bausparvertrag aufzulösen, mitten in der aktuellen Niedrigzinsphase und obwohl sie in naher Zukunft einen Hausbau plante. Vielleicht lag das daran, dass der Berater der Verbraucherschutzzentrale den von ihr ausgefüllten Analysebogen über ihre Vermögenslage und Anlageziele nicht beachtet hatte. Das warf die Bankerin ihm jedenfalls vor.

Fragt man in der Verbraucherzentrale München nach, dann räumt der Sprecher ein, dass es so ein Gespräch, wie es von der Bankkauffrau geschildert wurde, nicht geben sollte. „Wir können uns aber nicht vorstellen, dass der Analysebogen nicht verwendet wurde“, sagt er. Denn eigentlich sei das Routine. Den konkreten Fall kenne er nicht. Wie auch? Ein Beratungsprotokoll gab es dazu nicht. Gesetzlich ist das auch nicht Pflicht.

Doch das ist für die Bankbranche nicht einsichtig, zumal die Verbraucherschützer die Finanzbranche regelmäßig wegen fehlender oder mangelhafter Beratungsprotokolle rügt. „Wenn ich mich zum Mahner machen will, dann sollte ich selbst auch Vorbild sein“, sagt Rainer Mellis, der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Düsseldorf-Neuss. Sein Institut hat bei einem Test des Deutschen Instituts für Servicequalität sehr gut abgeschnitten.

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