Geldanlage: EU-Kommission kassiert Berater-Provision - Seite 2

Geldanlage: EU-Kommission kassiert Berater-Provision

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Honorarberater reiben sich die Hände

Die Honorarberater in Deutschland indes reiben sich die Hände. „Für unser Vergütungsmodell ist die Gesetzesnovelle natürlich ideal", sagt Dieter Rauch, Geschäftsführer des Verbunds Deutscher Honorarberater. Wichtig sei aber, dass die Richtlinie in Deutschland auch ordentlich umgesetzt wird. Wenn die Berater von ihren Auftraggebern nun plötzlich auch ein Honorar bekämen, sei nichts gewonnen. Außerdem sorge allein ein Verbot der Provision nicht für gute Beratung. Nur wenn die Richtlinie ohne Schlupflöcher umgesetzt werde und feste Standards für die Qualifikation der Berater vorhanden seien, führe die Richtlinie zum eigentlichen Ziel, dem Schutz privater Anleger. Viele Banken und Versicherungen müssten ihr Geschäftsmodell für den Vertrieb dann komplett überdenken - auf dem Beratermarkt würde sich einiges ändern. "Ich glaube dass es zu einer massiven Marktbereinigung bei den freien Finanzberatern kommen wird, was zu einem besseren Verbraucherschutz führt. Nur gut qualifizierte Berater werden auf Dauer honoriert und können überleben", sagt Rauch.

Für Versicherungsmakler bleibt alles beim Alten

Honorarberater stellen Kunden eine feste Vergütung in Rechnung, meist gegen einen Stundensatz von 100 bis 200 Euro. Dafür erstatten sie den Kunden bisher sämtliche Provisionen, die sie von Fondsanbietern oder Versicherern für die Vermittlung kassieren. Die neue Regelung gilt allerdings nicht für Versicherungsmakler. Für Berater dieser Branche bleibt alles wie gehabt. „Das von der Europäischen Kommission vorgeschlagene Vergütungsverbot betrifft nur Wertpapierfirmen in Bezug auf die Anlageberatung über Finanzinstrumente. Die Vermittlung von Versicherungen unterliegt nicht der MIFID und ist entsprechend auch nicht von dem vorgeschlagenen Vergütungsverbot betroffen“, triumphiert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Hochfrequenzhandel soll stärker kontrolliert werden

Mit der Überarbeitung der MIFID-Richtlinie will die EU-Kommission die europäischen Börsen strikteren Kontrollen unterziehen. Der computergesteuerte Hochfrequenzhandel soll teilweise eingeschränkt werden, um sekundenschnelle Preisausschläge zu vermeiden. Die außerbörslichen Geschäfte (Over-the-Counter-Handel) sollen stärker kontrolliert werden.

Bis private Anleger ihrem Finanzberater vollkommen vertrauen können, dürften allerdings noch einige Jahre vergehen. Der Kommissionsvorschlag muss jetzt vom Europäischen Parlament und dem Europäischen Rat abgesegnet werden, bevor er von den nationalen Parlamenten zu Recht und Gesetz gemacht wird.

13 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 26.10.2011, 16:26 UhrAnonymer Benutzer: MV

    @Magic

    Und zudem sind wir ja ein Volk, das sich immer so herzlich freuen kann, wenn ihm Vorschriften gemacht werden oder Dinge verboten werden. Man fühlt sich dann vermutlich immer irgendwie so geborgen - wie damals bei Mama. "Eigenverantwortung" oder die Korrespondenz zwischen der Zahl der Freiheitsgrade und den Chancen kennen die Deutschen nicht.

    Einfach als Erwachsener sich SELbER einen unabhängigen berater (der vielleicht mehr Geld nimmt?) zu suchen, das geht natürlich nicht - der Deutsche an sich muss zum Jagen getragen werden. beschnullerung durch den Staat wird als notwendige Fürsorge erkannt. Einfach mal die Leidensfähigkeit des bürgers ab zu warten, bis dieser endlich mal seinen Hintern hoch bekommt und sich SELbER kümmert, sich einen vernünftigen Anbieter zu suchen und dabei die Augen auf macht, geht nicht, wo kämen wir hin, wenn der bürger plötzlich lernen würde, kritisch zu denken im bezug auf das eigene Handeln? Der Regierung ist schließlich unsere Mami, und die passt auf!

  • 26.10.2011, 13:22 UhrAnonymer Benutzer: Magic

    Richtig so, wird auch Zeit, dass dieser Umstand endlich umgesetzt wird.

    im momentanen System ist es leider sehr schlecht für den Kunden.

    ich möchte letztendlich auch nicht, dass mein Steuerberater vom Finanzamt und mein Rechtsanwalt vom Gegner bezahlt wird. Aus gutem Grund, denn wie heisst es so schön: Wes brot ich ess, des Lied ich sing usw...

  • 26.10.2011, 01:00 UhrAnonymer Benutzer: MV

    @Hägar Schmidt

    Zitat: "Extremliberale verlangen eine Privatisierung von Polizei und Feuerwehr - wünschen Sie das auch?"

    "Extremliberale" verlangten im 19. Jhd. die Abschaffung der Sklaverei. So was, da kann man ja gleich die Polizei abschaffen, nicht wahr? Was ist eigentlich ein "Extremliberaler"? Hört sich für mich als Wortkonstrukt ähnlich an wie "Extremvergewaltigungsgegner" (der aber auch in JEDEM Fall dagegen ist, diese Spaßbremse...).

    Die Polizei sorgt dafür, dass Sie mit ihrem Vertragspartner Verträge eingehen können und sich der Andere (und Sie) an das Vereinbarte halten. Das Problem in Deutschland ist, dass viele bürger sich keinerlei Gedanken machen, ob ein Gesetz überhaupt "res publica" ist, also jemand anderen als die beteiligten etwas angeht. Wenn morgen ein Gesetz erlassen wird, dass man freitags seine Küche aufzuräumen hat, ich mich darüber aufrege kommt bestimmt ein @pedro daher und unterstellt mir, dass unsere Küche nicht aufgeräumt sei. So sind halt leider viele Deutsche.

    Konrad Daubeck: in der Überschrifft führt das Wort "kassiert" in diesem Zusammenhang u.U. zu Missverständnissen...

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