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Geldanlage: EU-Kommission kassiert Berater-Provision

von Konrad Daubek

Mit einer neuen Richtlinie will die EU-Kommission Provisionen für Finanzberater verbieten. Verbraucherschützer bejubeln den Vorschlag. Banken müssen sich ein neues Vertriebsmodell ausdenken.

Beratung
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Spätestens seit der Finanzkrise 2008 haben Finanzberater mit einem ramponierten Image zu kämpfen. Falsche Beratung brachte unzählige Kleinanleger um ihr Erspartes. Lehman-Zertifikate lösten eine Welle von Klagen und Prozessen aus, die bis heute andauern. Als „Klinkenputzer“ sind sie verschrien. Und Tests von Verbraucherschützern legten immer wieder die Vermutung nahe, den Beratern gehe es nicht um das Wohl ihrer Kunden, sondern nur um die eigene Provision. 

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EU-Kommission will private Anleger schützen

Jetzt will die EU-Kommission mehr für den Schutz privater Anleger tun und Provisionen für freie Finanzberater verbieten. Einen entsprechenden Entwurf stellte Binnenmarkt-Kommissar Michel Barnier am Donnerstag in Brüssel vor. Mit der Reformierung der Finanzmarktrichtlinie MIFID (Markets in Financial Instruments Directive) soll es für unabhängige Berater ab 2014 keine Anreize mehr geben, Kunden Produkte zu verkaufen, die gar nicht zu ihren Bedürfnissen passen. „Die Krise hat uns unerbittlich vor Augen geführt, wie komplex und undurchsichtig bestimmte Aktivitäten und Produkte geworden sind", erklärte Barnier. „Das muss sich ändern." In Zukunft muss vor der Beratung geklärt werden, ob es sich um einen unabhängigen Berater handelt. Ist das der Fall, darf dieser keine Provision für abgeschlossene Verträge erhalten. Der Kunde muss die Beratung selbst bezahlen.

Verbraucherschützer begrüßen die Initiative. Sie sei ein „Meilenstein für den Verbraucherschutz“ heißt es beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Allerdings bemängeln sie, dass das Verbot nur für unabhängige Berater gilt. "Das Verbot muss für alle Finanzberater gelten, egal ob sie selbständig oder für Kreditinstitute arbeiten", fordert vzbv-Vorstand Gerd Billen. Nicht nur Bankberater sondern auch die Vertriebsmitarbeiter der Versicherungen wären dann vom Provisionsverbot betroffen.

Banken protestieren

 Die Banken in Deutschland halten folgerichtig nichts vom neuen Konzept. Die EU-Kommision dürfe „den Bogen der Regulierung nicht überspannen“, poltert der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken. Er ruft dazu auf, die Anlageberatung und das Wertpapiergeschäft nicht in ihrer Existenz zu bedrohen. Die pauschale Klassifizierung dieser Anlageberatung als „abhängig“ lasse den Bezug zur Praxis vermissen und führe zu Wettbewerbsnachteilen. Der Anleger könne doch selbst entscheiden, welche Form der Beratung er wünsche. Bislang entscheide sich eine verschwindend geringe Zahl der Kunden für Honorarberatung. Kritisch äußert sich auch der Bundesverband deutscher Banken.

13 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 26.10.2011, 16:26 UhrAnonymer Benutzer: MV

    @Magic

    Und zudem sind wir ja ein Volk, das sich immer so herzlich freuen kann, wenn ihm Vorschriften gemacht werden oder Dinge verboten werden. Man fühlt sich dann vermutlich immer irgendwie so geborgen - wie damals bei Mama. "Eigenverantwortung" oder die Korrespondenz zwischen der Zahl der Freiheitsgrade und den Chancen kennen die Deutschen nicht.

    Einfach als Erwachsener sich SELbER einen unabhängigen berater (der vielleicht mehr Geld nimmt?) zu suchen, das geht natürlich nicht - der Deutsche an sich muss zum Jagen getragen werden. beschnullerung durch den Staat wird als notwendige Fürsorge erkannt. Einfach mal die Leidensfähigkeit des bürgers ab zu warten, bis dieser endlich mal seinen Hintern hoch bekommt und sich SELbER kümmert, sich einen vernünftigen Anbieter zu suchen und dabei die Augen auf macht, geht nicht, wo kämen wir hin, wenn der bürger plötzlich lernen würde, kritisch zu denken im bezug auf das eigene Handeln? Der Regierung ist schließlich unsere Mami, und die passt auf!

  • 26.10.2011, 13:22 UhrAnonymer Benutzer: Magic

    Richtig so, wird auch Zeit, dass dieser Umstand endlich umgesetzt wird.

    im momentanen System ist es leider sehr schlecht für den Kunden.

    ich möchte letztendlich auch nicht, dass mein Steuerberater vom Finanzamt und mein Rechtsanwalt vom Gegner bezahlt wird. Aus gutem Grund, denn wie heisst es so schön: Wes brot ich ess, des Lied ich sing usw...

  • 26.10.2011, 01:00 UhrAnonymer Benutzer: MV

    @Hägar Schmidt

    Zitat: "Extremliberale verlangen eine Privatisierung von Polizei und Feuerwehr - wünschen Sie das auch?"

    "Extremliberale" verlangten im 19. Jhd. die Abschaffung der Sklaverei. So was, da kann man ja gleich die Polizei abschaffen, nicht wahr? Was ist eigentlich ein "Extremliberaler"? Hört sich für mich als Wortkonstrukt ähnlich an wie "Extremvergewaltigungsgegner" (der aber auch in JEDEM Fall dagegen ist, diese Spaßbremse...).

    Die Polizei sorgt dafür, dass Sie mit ihrem Vertragspartner Verträge eingehen können und sich der Andere (und Sie) an das Vereinbarte halten. Das Problem in Deutschland ist, dass viele bürger sich keinerlei Gedanken machen, ob ein Gesetz überhaupt "res publica" ist, also jemand anderen als die beteiligten etwas angeht. Wenn morgen ein Gesetz erlassen wird, dass man freitags seine Küche aufzuräumen hat, ich mich darüber aufrege kommt bestimmt ein @pedro daher und unterstellt mir, dass unsere Küche nicht aufgeräumt sei. So sind halt leider viele Deutsche.

    Konrad Daubeck: in der Überschrifft führt das Wort "kassiert" in diesem Zusammenhang u.U. zu Missverständnissen...

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