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Geldanlage: Sicherheit vor Rendite

von Hauke Reimer und Stefan Hajek

Was droht Anlegern in der Banken- und Staatsschuldenkrise? Die bekannten Geldanlage-Experten Jens Erhardt, Jochen Felsenheimer, Bert Flossbach und Thorsten Polleit sind sich da weitgehend einig.

Geldmanager Flossbach, Ehrhardt, Polleit und Felsenheimer (von links) in Frankfurt Quelle: Oliver Rüther für WirtschaftsWoche
Geldmanager Flossbach, Ehrhardt, Polleit und Felsenheimer (von links) in Frankfurt Quelle: Oliver Rüther für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Meine Herren, bitte erklären Sie uns doch den folgenden Widerspruch: Die Schuldenkrise weitet sich aus, die Ratingagenturen stufen täglich Banken und Staaten herab. Unternehmen berichten von schlechteren Geschäften im dritten Quartal, die Konjunktur bricht ein. Aber die Aktienkurse steigen, der Aktienindex Dax zuletzt sogar auf den höchsten Stand seit zwei Monaten. Wie passt das zusammen?

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Jens Ehrhardt: Viele sagen ja, das sei ein gutes Zeichen: Wenn die Börse auf solche Nachrichten nicht mehr reagiert, sei der Boden erreicht, weil alle schon verkauft hätten. Ich bin da skeptisch. Ich sehe keinen Grund, die Krise schon ad acta zu legen, so nach dem Motto: Aha, die Börse dreht nach oben, sie läuft der Realwirtschaft bekanntlich einige Monate voraus, also ist in einem halben Jahr die Krise vorbei. So einfach ist das nicht. Ich denke, es ist in erster Linie eine technische Gegenreaktion der Aktienmärkte.

Was heißt das?

Ehrhardt: Einige Großanleger wie Fonds und Hedgefonds haben unter dem Druck ihrer Anleger und der Banken, die Anteile zurückgeben oder Kredite zurückgefordert hatten, in ihrer Not Aktien verkauft. Deswegen war der Markt kurzfristig sicherlich überverkauft. Auch die Stimmung ist extrem pessimistisch, so schlecht wie zuletzt im März 2009 und davor 2003...

Bert Flossbach Quelle: Oliver Rüther für WirtschaftsWoche
Bert Flossbach Quelle: Oliver Rüther für WirtschaftsWoche

...im Nachhinein gute Kaufzeitpunkte.

Ehrhardt: Ich denke, diesmal ist mehr Vorsicht angebracht. Ich halte die Erholung der vergangenen zwei Monate nur für eine zwischenzeitliche. Insgesamt sehe ich uns nach wie vor im klaren Abwärtstrend. Alle Erholungen sind vorerst zu schwach, um eine generelle Trendwende einzuläuten.

Bert Flossbach: Das Problem ist: Wir sind dieses Mal nicht in einem normalen Konjunkturzyklus, in dem auf jedes starke Ab ein genauso starkes oder sogar stärkeres Auf folgen muss. Hinter den zyklischen Schwankungen stecken gravierende, strukturelle Probleme, die das Wachstum auf Jahre hinaus schwächen und die Chancen für Anleger verringern werden.

Wo sehen Sie konkret die größten Gefahren für Anleger?

Flossbach: Akut in China. Sollte sich dort die Konjunktur wirklich stark einbremsen, bliebe das nicht ohne Folgen für den Dax.

Jochen Felsenheimer: Mir machen derzeit vor allem die Banken Angst. Alles dreht sich seit Monaten nur um Griechenland, Italien, allgemein die Staatsschulden. Aber wenn ich mir die Kreditmärkte ansehe, dann sehe ich, dass dort die Gefahr eines verheerenden Bankencrashs als mindestens ebenso groß eingeschätzt wird wie die einer größeren Staatspleite.

Woran machen Sie das fest?

Felsenheimer: An den Preisen der Kreditausfallversicherungen, CDS. Sie gelten seit Herbst 2008 als Krisenbarometer, auf das fast alle Marktteilnehmer schauen. Vereinfacht gesagt: Je teurer diese Versicherungen, desto höher schätzt der Markt das Pleiterisiko eines Schuldners ein. Und wenn viele CDS so teuer sind, herrscht sehr viel Angst im Markt. Die CDS für Bankanleihen sind derzeit im Schnitt sogar 20 Prozent teurer als im Herbst 2008, als nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman der Geldmarkt zusammenbrach. Der Stress im Finanzsystem ist schon wieder enorm. Unter diesen Bedingungen ist eine reibungslose Refinanzierung der Banken nicht lange möglich.

Was droht uns da?

Felsenheimer:Wenn wir nicht gegensteuern: Bankenpleiten. Eine neue Finanzkrise. 2008 konnten die Staaten die Banken noch problemlos retten. Nun sind sie selbst in der Schuldenkrise.

Thorsten Polleit: Das ist ein wichtiger Punkt: Banken und Politiker schieben sich ja gerne gegenseitig die Schuld in die Schuhe. In Wirklichkeit sind sie längst wie kranke siamesische Zwillinge; einer steckt den anderen an, aber einer kann auch nicht ohne den anderen leben.

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6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 26.10.2011, 14:18 UhrAnonymer Benutzer: Profit

    @AJ: Mag ja sein. Aber warum soll man für so läppische Vorschläge auch noch eine "Management-Gebühr" und "Ausgabeaufschlag" bezahlen? Die Depotgebühren bei einer bank sind doch Peanuts dagegen! Die "Analysen" der Herren kann ich mir auch selbst zusammenreimen. ich erinnere daran, daß in ihren "Empfehlungen" bisher kaum die Anlageklasse "Unternehmensanleihen" vorkam. Vor allem die geldpolitischen Aussagen von Polleit sind mittlerweile ziemlich langweilig. Wer hat ihm den Professorentitel verschafft? Er überzeugt mich am allerwenigsten.

  • 26.10.2011, 12:54 UhrAnonymer Benutzer: AJ

    Die Jungs sind Vollprofis und im Gegensatz zu Politikern, die beruhigen und bank- und Versicherungsvorständen, die ihre Produkte an den Mann bringen wollen, wissen die Herren, wovon sie reden. Geldanlage ist das tägliche Geschäft.
    Wer so große Vermögen verwaltet, der muß vorsichtig und weitsichtig agieren. Die Kunden erwarten schließlich, daß sich ihr Vermögen nicht in Luft auflöst. Das können sie erleben, wenn sie bei der Commerzbank, Sparkasse oder einem anderen Geldinstitut ihr Geld anlegen. Dort wird ihr Portfolio so oft umgeschichtet, bis kein Geld mehr da ist.
    Sicher konnte man in den letzen 3 Jahren in vielen Assetklassen Geld verdienen (Gold, Aktien, Corporate bonds, Rohstoffe!). Aber der vorsichtige investor nutzt solche Spekulationen auf sehr kurzfristigen Horizont nur als Hebel. in der heutigen Zeit der globalen Unsicherheit gibt es kaum Anlagen, die in ihrer jährlichen Rendite die Teuerungsrate, Steuer und Kosten schlagen. Konservative Anlageformen wie Sparbuch, Tages- und Festgeld, bundeswertpapiere, KapitalLV oder offene immobilienfonds führen zu Verlusten. Deswegen stellt sich die Frage: Was tun? Und die vorgeschlagene Streuung ist nun mal nicht die schlechteste ...

  • 26.10.2011, 00:40 UhrAnonymer Benutzer: Morgen verkaufen SPD/GRÜNE Deutschland!

    SPD und GRÜNE stimmen morgen GEMEiNSAMEM EFSF-Hebelentwurf mit CDU zu!

    Özdemir wird wohl mit feuchten Vizekanzler-Träumen gelockt.

    bei SPD gibt's für alle Vision Großer Koalition und:
    1. für OST-Landesfürsten doch keine SOLi-Eindampfung
    2. für Arnold paar Kasernen weniger die wegrationalisiert werden
    3. Nahles wird mit Mini-"bankenabgabe", als Transaktionssteuer umgetauft, gelockt
    4. Schulz kriegt nach SPD-Zustimmung zum EU-EUdSSR-Streich EU-Parlamentspräsidenten
    5. CDU hält weiter still, dass DE-Untergang durch Finanzderegulierung unter Eichel/Steinmeier/Schröder/Asmussen AUSGELÖST wurde, als Ackermann mit DEUTSCHEN bANKEN schon 02/2003 bei Schröder auf der Matte saß, um bAD bANK zur Entsorgung von 300 Mrd Euro bANK-Schrottpapiere zu fordern!

    So zieht Omerta-Untergangskaravane weiter, nun wieder historisch von "innigen Verantwortung" zustimmend ergriffen!

    Mit der Freigabe des 211 Mrd EFSF-Rahmens zur freien Ausgestaltung durch Haushaltsausschuss wird der ohne Öffentlichkeit auf bis 4.400 Mrd Euro aufgepumpt (10% Vers/Garantie)!

    Mit EFSF-HEbELUNG legalisieren sie ganzen CDS-/Zweckgesellschafts-Zirkus der investmentbanken und geben so endgültig Anspruch auf Welt rettende Regulierung der Untergangsmonster auf!

    Weiterhin geben sie so Europa quasi zum Ausverkauf an China und bRiCs über besicherte Anleihen frei, so dass Europa dafür bald "offenherzig" zusehen muss, wie China EU u.a. mit Autokopien überfluten wird und WTO-Marktwirtschaftsstatus bekommt, mit dem sie noch ungehindeter Welt mit Exporten fluten kann!

    Dazu nach US-Wunsch zu G20 weiter massiv EZb-QE-Geldvermehrung, -Anleiheaufkäufe und banken-/Vers.-Rekapitaliserung trotz deren 30 biO Euro Aktiva!

    ALSO:
    TOTALER und AbSOLUTER Kniefall vor US-FiNANZOLiGARCHiE und den EU-Postdemokraten, nur um warme beiratssitze/beraterverträge auf dem Weg zur EUdSSR der vollinsolventen Steuergeldumverteiler abzuräumen!

    Namentliche Würdigung ist ihnen sicher!

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