Geldanlage: Sicherheit vor Rendite

Geldanlage: Sicherheit vor Rendite

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Geldmanager Flossbach, Ehrhardt, Polleit und Felsenheimer (von links) in Frankfurt

von Hauke Reimer und Stefan Hajek

Was droht Anlegern in der Banken- und Staatsschuldenkrise? Die bekannten Geldanlage-Experten Jens Erhardt, Jochen Felsenheimer, Bert Flossbach und Thorsten Polleit sind sich da weitgehend einig.

WirtschaftsWoche: Meine Herren, bitte erklären Sie uns doch den folgenden Widerspruch: Die Schuldenkrise weitet sich aus, die Ratingagenturen stufen täglich Banken und Staaten herab. Unternehmen berichten von schlechteren Geschäften im dritten Quartal, die Konjunktur bricht ein. Aber die Aktienkurse steigen, der Aktienindex Dax zuletzt sogar auf den höchsten Stand seit zwei Monaten. Wie passt das zusammen?

Jens Ehrhardt: Viele sagen ja, das sei ein gutes Zeichen: Wenn die Börse auf solche Nachrichten nicht mehr reagiert, sei der Boden erreicht, weil alle schon verkauft hätten. Ich bin da skeptisch. Ich sehe keinen Grund, die Krise schon ad acta zu legen, so nach dem Motto: Aha, die Börse dreht nach oben, sie läuft der Realwirtschaft bekanntlich einige Monate voraus, also ist in einem halben Jahr die Krise vorbei. So einfach ist das nicht. Ich denke, es ist in erster Linie eine technische Gegenreaktion der Aktienmärkte.

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Was heißt das?

Ehrhardt: Einige Großanleger wie Fonds und Hedgefonds haben unter dem Druck ihrer Anleger und der Banken, die Anteile zurückgeben oder Kredite zurückgefordert hatten, in ihrer Not Aktien verkauft. Deswegen war der Markt kurzfristig sicherlich überverkauft. Auch die Stimmung ist extrem pessimistisch, so schlecht wie zuletzt im März 2009 und davor 2003...

Bert Flossbach Quelle: Oliver Rüther für WirtschaftsWoche

Bert Flossbach

Bild: Oliver Rüther für WirtschaftsWoche

...im Nachhinein gute Kaufzeitpunkte.

Ehrhardt: Ich denke, diesmal ist mehr Vorsicht angebracht. Ich halte die Erholung der vergangenen zwei Monate nur für eine zwischenzeitliche. Insgesamt sehe ich uns nach wie vor im klaren Abwärtstrend. Alle Erholungen sind vorerst zu schwach, um eine generelle Trendwende einzuläuten.

Bert Flossbach: Das Problem ist: Wir sind dieses Mal nicht in einem normalen Konjunkturzyklus, in dem auf jedes starke Ab ein genauso starkes oder sogar stärkeres Auf folgen muss. Hinter den zyklischen Schwankungen stecken gravierende, strukturelle Probleme, die das Wachstum auf Jahre hinaus schwächen und die Chancen für Anleger verringern werden.

Wo sehen Sie konkret die größten Gefahren für Anleger?

Flossbach: Akut in China. Sollte sich dort die Konjunktur wirklich stark einbremsen, bliebe das nicht ohne Folgen für den Dax.

Jochen Felsenheimer: Mir machen derzeit vor allem die Banken Angst. Alles dreht sich seit Monaten nur um Griechenland, Italien, allgemein die Staatsschulden. Aber wenn ich mir die Kreditmärkte ansehe, dann sehe ich, dass dort die Gefahr eines verheerenden Bankencrashs als mindestens ebenso groß eingeschätzt wird wie die einer größeren Staatspleite.

Woran machen Sie das fest?

Felsenheimer: An den Preisen der Kreditausfallversicherungen, CDS. Sie gelten seit Herbst 2008 als Krisenbarometer, auf das fast alle Marktteilnehmer schauen. Vereinfacht gesagt: Je teurer diese Versicherungen, desto höher schätzt der Markt das Pleiterisiko eines Schuldners ein. Und wenn viele CDS so teuer sind, herrscht sehr viel Angst im Markt. Die CDS für Bankanleihen sind derzeit im Schnitt sogar 20 Prozent teurer als im Herbst 2008, als nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman der Geldmarkt zusammenbrach. Der Stress im Finanzsystem ist schon wieder enorm. Unter diesen Bedingungen ist eine reibungslose Refinanzierung der Banken nicht lange möglich.

Was droht uns da?

Felsenheimer: Wenn wir nicht gegensteuern: Bankenpleiten. Eine neue Finanzkrise. 2008 konnten die Staaten die Banken noch problemlos retten. Nun sind sie selbst in der Schuldenkrise.

Thorsten Polleit: Das ist ein wichtiger Punkt: Banken und Politiker schieben sich ja gerne gegenseitig die Schuld in die Schuhe. In Wirklichkeit sind sie längst wie kranke siamesische Zwillinge; einer steckt den anderen an, aber einer kann auch nicht ohne den anderen leben.

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