Geldanlage: Wie Sie Ihr Vermögen vor der Inflation retten

Geldanlage: Wie Sie Ihr Vermögen vor der Inflation retten

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Ölbohrung

von Hauke Reimer, Christof Schürmann, Stefan Hajek und Frank Doll

Die Verbraucherpreise ziehen an, getrieben von Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln, Rohstoffen und Energie. Mit welchen Aktien Anleger ihr Depot jetzt inflationsfest machen, welche Anleihen sie auch angesichts steigender Zinsen noch kaufen können.

Wenn Mathias Seidler an seiner Hamburger Tankstelle vorfährt und der Diesel, den er in seinen Mercedes-Kombi pumpt, mal wieder teurer geworden ist, findet er das keineswegs nur ärgerlich. Seidler ist zwar auch Autofahrer, vor allem aber Vorstandschef und Großaktionär des Cloppenburger Fahrradherstellers Derby Cycle. Anfang Februar will er seine Firma an die Börse bringen.

Der Zeitpunkt ist klug gewählt; ein wichtiger Teil der Aktien-Story, die Seidler derzeit den Investoren verkauft, sind Elektrofahrräder: komfortable High-Tech-Geräte, mit denen auch Anzugträger künftig ins Büro rollen sollen – wenn ihnen der Sprit für den SUV oder Familienkombi endgültig zu teuer geworden ist. „Die Energie für 100 Kilometer mit dem E-Bike kostet weniger als sieben Cent“, schwärmt Seidler. Die Energiepreisinflation – Diesel wurde 2010 um rund ein Fünftel teurer – hilft dem Fahrradbauer. 44.000 Elektroräder hat er vergangenes Jahr verkauft, dieses Jahr sollen es über 50.000 werden.

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Auch für private Anleger hat die wieder aufkeimende Inflation zwei Seiten. Steigende Teuerungsraten belasten einerseits das Haushaltsbudget und entwerten das Ersparte, das zu Magerzinsen auf Festgeldkonten und Sparbüchern geparkt ist: Bei 1,2 Prozent Zins und 2,2 Prozent Inflationsrate verliert das Vermögen pro Jahr ein Prozent reale Kaufkraft. Hauskäufer aber profitieren, weil ihre Schulden sich entwerten. Und steigende Preise bringen für Unternehmen, die diese an ihre Kunden weiterreichen können, auch höhere Umsätze und Gewinne. Bei moderat steigenden Inflationsraten bieten sich Anlegern mit ausgewählten Aktien daher Chancen. Sollte die Inflation später galoppieren, bieten Aktien neben Gold die beste Möglichkeit, das Vermögen zumindest zu bewahren. Festverzinsliche Anlagen wie Festgeld und Anleihen hingegen sind die klassischen Verlierer bei anziehender Geldentwertung.

Vor allem lang laufende Papiere mit fixem Zinssatz verlieren bei steigender Inflation, weil sich ihr Zins und die zurückzuzahlende Summe real, also nach Abzug der Inflationsrate, entwertet. Bei Zinspapieren sollten Anleger neben der Bonität deshalb auch die Laufzeit genauer im Auge behalten. Nur wenige Anleihen bieten jetzt noch eine annehmbare Verzinsung, die die Inflationsrate bis Ende der Laufzeit schlägt – bei vertretbarem Pleite-Risiko (siehe Tabelle).

Rückkehr der Angst

Öl läuft gut, Schnaps weniger

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Seit die Notenbanken zur Bekämpfung der Finanz- und der nachfolgenden Staatsschuldenkrise Staatsanleihen aufgekauft und damit die Geldmenge gefährlich aufgebläht haben, ist die Inflationsangst zurück in den Köpfen der Anleger. Nun bekommen die Inflationssorgen neue Nahrung, ausgerechnet von einem, der sie bisher kleingeredet hatte: EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sagte vor Kurzem, die Zentralbank müsse die Preissteigerung nunmehr „sehr genau im Auge behalten“.

Der Grund: Die offizielle Inflationsrate im Euro-Raum ist auf 2,2 Prozent gestiegen. Das klingt harmlos und ist „erst mal nur die Rückkehr zur Normalität, denn Inflationsraten von unter zwei Prozent, wie in den vergangenen Jahren, sind historisch die krasse Ausnahme“, sagt Alfred Roelli, Sprecher Anlagestrategie bei der Genfer Banque Pictet.

Doch es dürfte nicht das Ende des Preisauftriebs sein; Volkswirte und Unternehmer befürchten in den kommenden Jahren eher Inflationsraten von vier bis sechs Prozent. Kein Wunder, dass viele Anleger zu hastigen Gegenmaßnahmen greifen, besonders auf dem Immobilienmarkt: „Die erste Reaktion wohlhabender Privatanleger auf Inflation ist fast immer ein Immobilienkauf; Häuser und Wohnungen haben einen unzerstörbaren Ruf als Schutz vor Geldentwertung“, sagt Hartwig Webersinke, Finanzwissenschaftler an der FH Aschaffenburg. Folge: Die Preise in den guten Lagen der Ballungszentren sind inzwischen selbst mehr oder weniger inflationär. „Eine vernünftige Nachsteuerrendite lässt sich mit vermieteten Immobilien bei Preisen von bis zur 30-fachen Netto-Jahreskaltmiete nicht mehr erzielen“, sagt Webersinke.

Um Aktien hingegen machen die meisten Anleger noch immer einen Bogen. „Eigentlich läge es nahe, sich bei beschleunigter Geldentwertung am Produktivkapital der Unternehmen zu beteiligen“, meint Roelli. Denn mit Aktien kaufen Anleger einen Sachwert – und die Chance, über nominal steigende Umsätze und Gewinne die Inflation wenigstens auszugleichen. Doch die Zahl der deutschen Aktionäre sank in den vergangenen Jahren ständig, zuletzt auf 3,9 Millionen, das sind weniger als halb so viele Aktienanleger wie 2000 – trotz zunehmender Inflationssorgen. „Zu schmerzhaft“ seien wohl die Verluste im Crash vor nicht einmal zehn Jahren gewesen, sagt Webersinke.

Gute Anleihen sind selten

„Auch Großanleger wie Versicherer“, sagt Markus Taubert, Leiter Private Banking der Berenberg Bank, „sind noch immer unterinvestiert in Aktien und überinvestiert in Zinspapieren.“ Diese „deutlichen Schieflagen in den Depots“ dürften nur sehr langsam korrigiert werden – und bilden somit Potenzial für Aktien. Festgeld-Fans sollten ihre Scheu vor Aktien ablegen. Mit den derzeitigen Niedrigzinsen auf täglich verfügbare Guthaben von durchschnittlich 1,12 Prozent ist selbst eine sehr moderate Inflationsrate nicht mehr zu kompensieren. Sollten die Zentralbanken auf die Preissteigerungen mit steigenden Leitzinsen reagieren, was noch längst nicht ausgemacht, aber auch nicht ausgeschlossen ist, würden Banken die höheren Zinsen nur teilweise und mit großer Verzögerung an die Anleger weitergeben: Zinssparer müssten in jedem Fall kräftige Kaufkrafteinbußen hinnehmen.

Viel gepriesen wurden daher zuletzt inflationsgeschützte Anleihen. Steigen die Preise, erhöht sich der niedrige Grundzins der Anleihe um die Inflationsrate. Die reale Rendite – also die nominale Rendite minus die Inflation – bleibt am Ende konstant. Allerdings sind inflationsgeschützte Papiere eine Anlage mit Tücken. So sind die Papiere an synthetische Preisindizes gekoppelt, die nicht eins zu eins die Inflation mit allen Preissteigerungskomponenten abbilden. Bei galoppierender Inflation sind sie zudem häufig vom Gläubiger kündbar. Und wie alle Anleihen unterliegen auch inflationsgeschützte Bonds dem Pleiterisiko des Emittenten. So haben Investoren mit einer inflationsgeschützten Anleihe Italiens seit Mitte Oktober acht Prozent verloren; Anleger haben offensichtlich mehr Angst vor einer Staatspleite Italiens als vor Inflation.

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