2800 Euro pro Haushalt: Niedrigzinsen werden für Sparer immer teurer

2800 Euro pro Haushalt: Niedrigzinsen werden für Sparer immer teurer

von Saskia Littmann

Laut Berechnungen der DZ Bank kostete die Niedrigzinsphase jeden Deutschen fast 1400, günstigere Kredite können die Zinseinbußen nicht ausgleichen. Künftig dürfte es noch teurer werden.

Keine Frage, die niedrigen Zinsen haben für Verbraucher in Deutschland Vor- und Nachteile. Gravierender wirken allerdings die negativen Folgen der expansiven Geldpolitik seitens der Europäischen Zentralbank (EZB). Laut Berechnungen der DZ Bank kosteten die Mini-Zinsen jeden deutschen Haushalt in den letzten fünf Jahren rund 2800 Euro, für jeden einzelnen Bundesbürger sind das knapp 1400 Euro. Insgesamt belaufen sich die Einbußen für die Bundesrepublik seit 2010 auf rund 112 Milliarden Euro.

Für die Berechnung wurden Vor- und Nachteile der Nullzinspolitik monetär gegeneinander abgewogen. Im Vergleich zu einem normalen Zinsniveau ergeben sich laut DZ Bank Einkommensverlusten von insgesamt rund 190 Milliarden Euro. Demgegenüber stehen Ersparnisse durch günstigere Kreditzinsen von "nur" 78 Milliarden Euro - in Summe zahlen die Haushalte also drauf.

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So legen die Deutschen ihre Ersparnisse an

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    14% legen ihr Erspartes in Aktien an.

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    19% legen ihr Erspartes in Fonds an.

  • Top 8

    20% legen ihr Erspartes in Festgeld-Konten an.

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    28% legen ihr Erspartes gar nicht an und sparen Bargeld.

  • Top 6

    32% legen ihr Erspartes in Bausparverträgen an.

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    32% legen ihr Erspartes in der Altersvorsorge (z.B. Riesterrente) an.

  • Top 4

    35% legen ihr Erspartes in Lebensversicherungen an.

  • Top 3

    39% investieren ihr Erspartes in Tagesgeldkonten.

  • Top 2

    52% legen ihr Erspartes in Sparbüchern an.

  • Top 1

    57% legen ihr Erspartes in Girokonten an.

Das Minus auf der Einkommensseite resultiert vor allem aus den sinkenden Erträgen aufs Ersparte. "Einkommenseinbußen aus sinkenden Zinsen ergeben sich vor allem bei Anlagen wie Bankeinlagen, Rentenpapieren oder Rentenfonds", schreibt DZ Bank-Volkswirt Michael Stappel in seiner Analyse. Da die deutschen Verbraucher auf klassische Sparprodukte wie Lebensversicherungen oder Sparkonten schwören, sind die Einbußen an dieser Stelle gewaltig. Allein bei Versicherungen summierten sich die Einbußen von 2010 bis 2014 auf 47,5 Milliarden Euro, so Stappel.

Günstige Darlehen gleichen Verluste nicht aus

Das können auch die niedrigeren Kreditkosten nicht ausgleichen. Zwar stehen die Bundesbürger mit rund 1,6 Billionen Euro bei Banken und Sparkassen in der Kreide. Allerdings resultiert ein Großteil davon aus Immobilienschulden. Da diese in der Regel recht langfristig strukturiert sind, zeigen sich die Ersparnisse durch Zinssenkungen oft erst mit "deutlicher zeitlicher Verzögerung", so Stappel. Belastet wird der Krediteffekt zudem durch die gleichzeitig gestiegenen Hauspreise - da klassische Zinsprodukte nicht mehr so hohen Renditen abwerfen, fließt insgesamt mehr Geld in Aktien oder Immobilien.

Die Berechnungen der DZ Bank sind nicht die ersten zu den Kosten der niedrigen Zinsen. Ifo-Chef Hans-Werner Sinn erklärte Ende des vergangenen Jahres, den deutschen Sparern seien seit 2008 bereits etwa 300 Milliarden Euro entgangen. Dabei setzte der ifo-Chef die Erträge in Relation zu den Zinseinnahmen, die Ende 2007, also vor dem Ausbruch der Finanz- und Schuldenkrise, zu erreichen waren.

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Auch die Berechnungen der DZ Bank beruhen auf einem Vergleich zum normalen Zinsniveau. Entscheidenden Einfluss hat daher die Frage, wo dieses Zinsniveau liegt, sofern es solches überhaupt gibt. Dafür teilt Volkswirt Stappel die Zinsentwicklung seit den Fünfziger Jahren bis heute in drei Phasen ein. Zunächst eine Hochzinsphase, getrieben durch die Zeit des Wirtschaftswunders und diverser Umschwünge. Dann folgt von 1998 bis 2008 eine Phase mit moderater Inflationsentwicklung, bevor es dann ab 2009 in die jetzige Niedrigzinsphase geht. Da die zweite Phase "weitgehend frei von außergewöhnlichen Inflationsereignissen und größeren Krisen ist", so Stappel, dient der Durchschnittszins dieser Zeit von 4,2 Prozent für die Analyse als Referenzzins.

Es wird immer mehr

Sorgen bereitet, dass die Zinseinbußen in den vergangenen Jahren immer größer geworden sind. Während es 2010 noch 23,4 Milliarden Euro waren, lag das Minus 2014 schon bei knapp 58 Milliarden Euro. Auch für das laufende Jahr rechnet die DZ Bank mit weiteren Rückschlägen. Gefährlich werden können vor allem Lücken in der Altersvorsorge. "Sollte es bis Ende 2020 dauern, bis das Normalzinsniveau wieder erreicht wird, erleidet ein heute 47-Jähriger bezogen auf das Durchschnittsgeldvermögen kumulierte Zinseinbußen von 4.900 Euro", erklärt Stappel. Dauert die Phase noch fünf Jahre länger bis 2025 wären es demnach sogar 9600 Euro. Zudem bestehe das Risiko, das Ausweichreaktionen auf andere Märkte wie Immobilien- oder Aktien dort zu Überhitzungen führen könnten.

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