Abgang von Bill Gross: Keiner ist unentbehrlich

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Abgang von Bill Gross: Keiner ist unentbehrlich

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Bill Gross hat seinen Posten bei Pimco verlassen.

von Heike Schwerdtfeger

Verlässt ein Starmanager ein Fondshaus, ziehen Anhänger des Stars oft viel Geld aus den Fonds ab. Das sorgt kurzfristig für Turbulenzen, bedroht aber ein Fondshaus wie Pimco nicht. Was Anleger jetzt beachten sollten.

Es gibt wenige weltbekannte Fondsmanager. Bill Gross ist einer von ihnen. Er ist der Gründer und war 43 Jahre das Gesicht des kalifornischen Anleihenmanagers Pimco.

Der schmächtige Mann mit dem großen Kopf und eher zarter Stimme hat einen Ruf wie Donnerhall. Wenn Bill Gross sprach, wurde das am Rentenmarkt fast so aufmerksam verfolgt wie Äußerungen von US-Notenbankchefs oder den EZB-Chefs. Er hat im Markt, aber auch in der Pimco Zentrale selten ein Blatt vor den Mund genommen und seinen Launen freien Lauf gelassen. Fehleinschätzungen nagten nicht am Image des Bondkönigs.

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So hatte er etwa 2003 schon die Bond-Hausse für beendet erklärt und immer wieder an den US-Staatsanleihen gezweifelt, deren Kurse sich aber dann doch wieder gut entwickelten. Aber einzelne Flops verhinderten nicht, dass die kalifornische Fondsgesellschaft mit knapp 2000 Milliarden Dollar so viel Geld vor allem in Anleihen verwaltet wie kein anderes Fondshaus.

Neulinge mit Erfahrung

Jetzt hat er seinen Platz als Fondsmanager bei Pimco gegen einen Job beim Konkurrenten, dem US-Fondshaus Janus, getauscht. Sein Abgang schickte die Aktie des Pimco-Mutterhauses Allianz sechs Prozent auf Talfahrt, weil die Allianz schon einen Großteil ihrer Gewinne bereits der Vermögensverwaltungssparte verdankt und hier Pimco lange die Cash-Maschine war.

Die Allianz hat jetzt das Risiko, dass Pimco nach dem Abgang von Gross massiv an Volumen einbüßen könnte, wenn Kunden nicht von der Expertise der Nachfolger überzeugt werden können. Die von Bill Gross gemanagten Pimco Total Return-Strategien wird ein Trio aus Scott Mather, Mark Kiesel und Mihir Worah übernehmen. Scott Mather ist schon lange bei Pimco und wird in einem Fondsmanagervergleich vom britischen Haus Citywire mit der Bestnote für Fondsmanager bewertet.

Dass sich Kunden nach Fondsmanagerwechseln abwenden, kennen andere Fondshäuser auch: Fidelity verlor Milliarden, als ihr europäischer Aktienstarmanager Anthony Bolton einst ging, im vergangenen Jahr verließ Graham French den M&G Global Basics und der schrumpfte. Fondsverkäufer, die an Umschichtungen ihrer Kunden verdienen, raten im Fall eines Fondsmanagerwechsels häufig zu einem neuen Produkt – nicht immer lohnt sich der Wechsel.

Denn ein Fondsmanager ist selten Einzelkämpfer, sondern vor allem in großen Gesellschaften von einem Tross von Analysten und Co-Managern umgeben, die ihm die besten Ideen liefern, aus denen er dann auswählen kann. Gross hatte sechs Stellvertreter, die für verschiedene Märkte zuständig waren und die für ihre Bereiche auch nach außen aufgetreten sind. Zudem hat er viele Talente um sich gescharrt - und die wollen irgendwann auch weiterkommen und nicht nur Zuarbeiter sein. Dass ein Bill Gross unentbehrlich sein sollte, wäre ein Wunder.

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Quelle: dpa

Einstiger Verkaufshit „managed by Pimco“

Auch in Deutschland verkauften sich Rentenfonds eine Zeit lang sehr gut, wenn sie den Stempel „managed by Pimco“ trugen. Als die Dresdner Bank Mitte der Nullerjahre begann, Pimco-Fonds zu verkaufen, sammelte sie rasch Milliarden Euro ein. Das für deutsche Anleger angebotene Schwesterprodukt des von Bill Gross gemanagten Fonds, der Pimco Gis Total Return Bond, war einst 3,4 Milliarden Euro schwer. Aber er rangierte in Performancevergleichen häufiger mal auf den hinteren Plätzen.

Nach dem Abgang des anderen prominenten einstigen Pimco-Gesichts, des früheren Investmentchefs Mohamed El-Erian, geriet Pimco im Frühjahr 2014 mächtig in die Kritik. Es entstand das Bild eines Unternehmens, in dem ein cholerischer und allmächtiger Bill Gross den Ton angibt und das durch abfließende Anlegergelder geschwächt ist.

Fondsmanager des Hauses beschwichtigten damals: Klare Ansagen und deutliche Worte gibt es doch in jedem Unternehmen mal, meinte etwa die 38-jährige Fondsmanagerin Eve Tournier gegenüber der WirtschaftsWoche. Sie ist bei Pimco Chefin des europäischen Unternehmensanleihenteams und verantwortlich für 12 Milliarden Dollar.

Im vergangenen Jahr zog die gebürtige Französin von der Pimco-Zentrale im kalifornischen Newport Beach nach London, um näher am europäischen Markt zu sein. In London hatte sie auch schon zuvor bei der Deutschen Bank und JP Morgan gearbeitet. Tournier sagte auch, dass sie bei anderen Stationen auf ihrem Berufsweg selten eine so ausgeprägte Diskussionskultur erlebt habe wie bei Pimco. „Jeder kann bei uns seine Ideen mit harten Fakten vortragen und wird dazu sogar ermutigt. Das ist schon etwas ganz Besonderes.“

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