Adam Fergusson: „Wir gießen immer neues Öl ins Feuer“

Adam Fergusson: „Wir gießen immer neues Öl ins Feuer“

, aktualisiert 16. Dezember 2011, 09:02 Uhr
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Adam Fergusson.

von Ingo NaratQuelle:Handelsblatt Online

Der bekannte Inflationshistoriker Adam Fergusson erklärt im Interview mit dem Handelsblatt, warum er an Notenbankern und Politikern zweifelt, die die europäische Schuldenkrise mit neuen Schuldenprogrammen angehen.

FrankfurtHerr Fergusson, welche Vermutungen über den weiteren Fortgang der Schuldenkrise lässt der Blick in die Geschichte zu?

Adam Fergusson: Die Geschichte lehrt uns: Alle Regierungen wollen irgendwann von ihren Schulden nichts mehr wissen. Sie entwerten sie über Inflation. Sogar die D-Mark, die viele Menschen heute als Stabilitätshort ansehen, hat seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts 90 Prozent ihrer Kaufkraft verloren. Dazu reicht eine Inflation von zwei oder drei Prozent jährlich. Wenn man es so und damit etwas sarkastisch betrachtet, muss man doch sagen: Alle Schulden werden zurückgezahlt.

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Sollten wir vom Ansatz „Schulden bekämpfen durch noch mehr Schulden“ abgehen?

Unbedingt, das sollten wir. Bisher bekämpfen wir das Feuer, indem wir Öl hinein gießen. Man will mit Zwischenlösungen Zeit kaufen, heißt es oft. Aber Zeit wofür? Als Bürger könnte ich mich wehren. Inflation ist schließlich nichts weiter als eine Steuer, die mich als Bürger belastet. Das hat John Maynard Keynes zum ersten Mal vor fast einem Jahrhundert so beschrieben. In den Weimarer Zeiten der Hyper-Inflation ist die Geldentwertung schnell außer Kontrolle geraten.

Gibt es eine Alternative zu diesem Weg in die Transferunion?

Langfristig ist der Weg in die Fiskalunion der einzige Weg, wenn die Eurozone erhalten werden soll. Wahrscheinlich braucht man dazu einen neuen Vertrag. Mit den geltenden Grundlagen ist das nicht möglich. Aber ein neuer Vertrag benötigt angesichts der Lage zu viel Zeit. Das starke Deutschland hat hier zwei Wünsche: stabiles Geld und Europa zusammenhalten. Doch der erste Punkt scheint ein Problem zu sein.

Wie bewerten Sie die Rolle der EZB als Monetisierer der Staatsschulden?

Es ist gegen die Verträge. Die Menschen haben schon das Vertrauen in Politiker, Banker und Staaten verloren. Jetzt beginnen sie vielleicht auch das Vertrauen in ihr Geld zu verlieren. Wenn die EZB Staatsanleihen aufkauft, dann senkt sie damit den Druck in diesen Ländern, ihre Wirtschaft durch die Finanzen zu reformieren. Griechenland und Spanien beispielsweise wären nicht unter Druck, wenn die EZB keine Bonds der Länder kaufen würde. Die Gefahr ist einfach: Die Länder werden entlastet und machen einfach so weiter wie bisher.


„Der Euro wird in dieser Form nicht erhalten bleiben“

Welche Zukunft hat der Euro?

In der einen oder anderen Form wird er erhalten bleiben – nur in der bisherigen nicht. Vielleicht kommen wir zu einer Hart-Euro-Zone und einer Weich-Euro-Zone. Eines ist klar: Wir können die Griechen nicht zu Deutschen machen oder umgekehrt.

Ist höhere Inflation in der Zukunft unvermeidlich?

Inflation ist der einzige Ausweg. Die Frage ist nur: Wann kommt sie und wie hoch wird sie sein. Es wird sich auch die Frage stellen, ob sie kontrollierbar ist. In den 70er Jahren hatten wir in Großbritannien Geldentwertung von bis zu 20 Prozent jährlich. Nur die harten Sparprogramme von Margaret Thatcher konnten das Problem lösen. Inflation ist übrigens kein Eurozonen-Problem, es ist ein globales Ereignis.

Schulden sind gleichzeitig Vermögen bei einem Dritten. Sind wir deshalb in einer Vermögenskrise?

Schlechte Schulden sind kein Vermögen.

Was kann man dem Anleger unter diesen Voraussetzungen empfehlen?

In Zeiten hoher Inflation suchen die Menschen sichere Häfen. Sie konzentrieren sich auf Gold, Kunst, Land, sichere Währungen, preiswerte Aktien. Im schlimmsten Fall wie 1923 in Deutschland durfte man kein Geld halten. Es wurde sofort ausgegeben, trieb die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, damit die Inflation. Der Euro ist noch recht stabil. Und so lange die Menschen das Vertrauen in ihn behalten, wird es auch so bleiben. Um die Frage zu beantworten: Ich würde des Kapitalserhalts wegen auf sichere Währungen und Sachwerte setzen.

Adam Fergusson (79), ist britischer Journalist und war zeitweise Abgeordneter im EU-Parlament. Berühmt wurde er mit seinem Buch „When Money dies“, das schon 1975 erschien und die deutsche Hyper-Inflation während der Weimarer Zeit 1923 beschreibt. Das Werk war zeitweise ausverkauft; Interessenten zahlten während der Finanzkrise bis zu 1 000 Dollar auf der Onlineplattform Ebay. Kultstatus errang Fergusson auch, weil der Superinvestor Warren Buffett ihn und sein Buch häufiger erwähnte.

 

 

Quelle:  Handelsblatt Online
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