Agrar-Spekulation: Das Geschäft mit dem Hunger

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Agrar-Spekulation: Das Geschäft mit dem Hunger

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Die Chicago Board of Trade ist die größte Rohstoffbörse der Welt. Dort startete 1848 der organisierte Handel mit Terminkontrakten.

von Martin Gerth und Frank DollQuelle:dpa

Banken und Hedgefonds stehen unter Verdacht, mit ihren Wetten Getreide teurer zu machen. Doch Spekulanten sind nur Trittbrettfahrer. Sie verstärken Trends, springen aber schnell wieder ab. Bevölkerungswachstum, Biosprit und Wetter treiben Preise stärker. Wie Anleger hier profitieren – ohne mit Lebensmitteln zu zocken.

Den finanzkrisengeplagten Banken kommt das Thema gelegen wie ein Gerstenkorn im Auge: „Die Investmentbanken und damit auch Sie persönlich tragen Mitschuld daran, dass Menschen in den ärmsten Ländern der Welt Hunger leiden und am Hunger sterben“, hat Thilo Bode, Chef der Verbraucherorganisation Foodwatch, an Josef Ackermann geschrieben. Der Deutsche-Bank-Chef spielt auf Zeit, lässt bis Januar prüfen, ob er das Geschäft mit Kontrakten auf Weizen oder Mais einstellen will.

Andere Banken ducken sich weg, seit Bode „Hände weg vom Acker, Mann!“ skandiert. „In diesem schwierigen Umfeld wollen wir uns zur Debatte um Agrarspekulationen nicht äußern“, heißt es bei der Commerzbank. Bankintern wird von einem Maulkorb für Rohstoffexperten des Kreditinstituts gesprochen.

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„Unser Haus hat aus ethischen Gründen weltweit damit aufgehört, Derivate auf Agrarrohstoffe anzubieten“, sagt Grégoire Toublanc, Chef des Zertifikategeschäfts der französischen BNP Paribas. „In der moralischen Diskussion mit der Politik können wir derzeit nur verlieren“, heißt es bei der Fondsgesellschaft Lupus Alpha.

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Foodwatch-Chef Thilo Bode kritisiert den Anteil der spekulativen Wetten an den Agrarbörsen.

Sündenbock Spekulant

Spekulanten, die mit Agrargütern an der Börse handeln, sind zum Sündenbock für steigende Lebensmittelpreise geworden – vor allem für die Politik. Ganz vorn dabei: Nicolas Sarkozy. „Wenn wir dagegen nichts tun, riskieren wir Hungerrevolten in den armen Ländern und schlimme Folgen für die Weltwirtschaft“, warnt Frankreichs Präsident. Ziehen die Preise von Reis, Zucker oder Mais an, zeigen die Regierenden reflexartig auf die bösen Spekulanten.

Dabei sichern sich Bauern und Agrarhändler seit Jahrhunderten mit Termingeschäften ab. Schon im Mittelalter wurden ganze Schiffsladungen verhökert, obwohl die Waren noch monatelang auf den Ozeanen schipperten, bevor sie den Hafen erreichten; wenn sie nicht vorher Piraten oder Unwettern zum Opfer fielen.

1848 gründeten Getreidehändler das Chicago Board of Trade (CBOT), die weltgrößte Börse für Agrarrohstoffe. Produzenten verkaufen hier eine fixe Menge zu einem zukünftigen Zeitpunkt und festem Preis, Händler oder Spekulanten halten dagegen.

Heute werden an der Börse Kontrakte über Millionen von Tonnen Agrargütern gehandelt – Monate bevor die Mähdrescher zur Ernte ausrücken. Der Börsenkonzern CME, der die CBOT 2007 übernahm, setzt jährlich Agrar-Terminkontrakte im Wert von etwa 100 Billionen Dollar um. Angesichts einer weltweiten Weizenernte im Wert von 560 Milliarden Dollar klingt das enorm hoch.

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