
FrankfurtAllein die Zusätze, die den Deutschen zum Thema Börse einfallen, verheißen nichts Gutes: Von Angst-, Wackel- und Schaukelbörsen ist da gerade in letzter Zeit häufig die Rede. All das steht für Unsicherheit und damit wollen die Anleger hier in der Regel nichts zu tun haben. Kein Wunder, dass sie seit Jahren um Aktien einen großen Bogen machen. Erst recht, seitdem Euro-Krise und hohe Staatsschulden weltweit wie Blei auf den Kursen liegen.
Der Anlegerindikator, mit dem die genossenschaftliche DZ Bank jeden Monat die Stimmung unter Privatanlegern misst, ist gerade auf ein Rekordtief gefallen. Nur noch jeder Fünfte rechnet im kommenden Halbjahr mit steigenden Kursen. "Die europäische Schuldenkrise ist für die meisten Anleger zurzeit das Thema schlechthin", sagt Peter Schirmbeck, der Leiter des Privatkundengeschäfts bei der DZ Bank.
Kein Wunder, dass in einem solchen Umfeld die Zahl derer, die mutig Aktien kaufen, kaum wächst. Seit drei Jahren steigt die Zahl allmählich wieder, trotzdem sind es auch heute noch weniger als in den 90er-Jahren. Dabei war das Wissen über Aktien damals geringer, ebenso wie die Auswahl an Papieren.
Es liegt an den heftigen Kursschwankungen gerade seit Beginn dieses Jahrtausends, die die Deutschen beim Umgang mit Aktien skeptisch werden ließen. In der Hochphase der sogenannten New Economy legten die Kurse der Börsenneulinge aus Branchen wie Internet, Software oder Telekom an manchen Tage im zweistelligen Prozentbereich zu. So sehr, dass breite Bevölkerungsschichten von schier unglaublichen Geschichten über Mitbürger angezogen wurden, die in wenigen Monaten zum Millionär wurden. Als dann im März 2000 alles zusammenbrach, waren viele kurz vorher erst teuer eingestiegen und verloren in den folgenden drei Jahren fast ihren kompletten Einsatz.
Selbst Schwergewichte wie die Deutsche Telekom sind heute noch meilenweit von ihren damaligen Hochs entfernt. Wurden im Jahr 2000 für eine der sogenannten T-Aktien über 100 Euro gezahlt, so sind es heute gerade 8,40 Euro. Ob manch einer, der damals gekauft hat und diese Aktien heute noch hält, in seinem Leben jemals wieder die alten Hochs sehen wird, ist mehr als fraglich.
Durchhalten und nicht jeder Mode hinterher laufen
Bei Aktien gilt es deshalb zuallererst, nicht jeder Modewelle hinterherzulaufen. Häufig springen Anleger in guten und damit weit fortgeschrittenen Börsenphasen noch auf, während sie in günstigen, aber unsicheren Zeiten zu zögerlich sind. Aktuell ist wieder so eine unsichere Situation: "Wir erhöhen taktisch die Aktienquote", sagte kürzlich David Kohl vom Schweizer Bankhaus Julius Bär. Noch erscheint vieles relativ unsicher, jedoch haben sich die Aussichten zumindest geringfügig verbessert, so seine Begründung. Oder anders ausgedrückt: Stehen bei Konjunktur, Unternehmen und Politik alle Ampeln auf Grün, dann hat es jeder gemerkt und die besten Gelegenheiten zum Einstieg sind schon dahin.
So wichtig wie der richtige Zeitpunkt zum Einstieg ist mindestens auch das Durchhaltevermögen, wenn es wie im vergangenen Spätsommer rapide und rational nicht begründbar bergab geht, denn schon im ersten Quartal 2012 kam die Erholung. "Angstverkäufe wie im September 2011 eröffnen attraktive Kaufgelegenheiten", ist sich Matthias Hoppe vom Fondshaus Franklin Templeton sicher. Wer damals im allgemeinen Durcheinander mutig zugegriffen hatte, der wurde mit hohen Kursgewinnen belohnt.
Weit verbreitet ist bei vielen Anlegern auch, immer nur auf die großen Indizes wie Dax, Dow Jones, den Euro Stoxx 50 oder den japanischen Nikkei zu schauen. Wer im Frühjahr 2000 auf Werte aus dem MDax gesetzt hat, der kann sich heute über eine Verdoppelung der Kurse freuen. Noch eine Stufe tiefer, im SDax, betrug das Plus immerhin 50 Prozent. Dass Größe bei Aktien nicht unbedingt ein Indiz für Sicherheit ist, beweisen zahlreiche Dax-Titel. Nicht nur die angesprochene T-Aktie hat in der Vergangenheit vehement verloren, auch die Commerzbank und Infineon haben zuletzt enttäuscht.
Vor deutlichen Verlusten sind zwar auch die Nebenwerte nicht gefeit, viele von ihnen sind jedoch solide deutsche Mittelständler, die noch aus jeder Krise wieder gestärkt hervorgegangen sind. Beste Beispiele sind der Anlagenbauer Krones, der Autozulieferer Leoni oder die Optiker-Kette Fielmann.
Autobauer sind solide aufgestellt
Natürlich gibt es Aktien, die in Krisenzeiten besser gewappnet sind als andere. Das hat zum einen was mit der Konjunkturabhängigkeit des dahinterstehenden Unternehmens zu tun, zum anderen mit dessen finanzieller Ausstattung und zum Dritten auch mit der Größe. Paradebeispiel für Aktien, die in Krisenzeiten resistent sind, sind Fresenius und deren Tochter Fresenius Medical Care (FMC). Die beiden Unternehmen aus dem Gesundheitssektor stellen Produkte her, auf die kein Patient verzichten kann, egal ob gerade Krise ist oder nicht. Dafür müssen Anleger in Kauf nehmen, dass in guten Börsenzeiten diese Aktien weniger gefragt sind als zyklische Werte aus den Branchen Halbleiter, Stahl oder Chemie.
Auch das Wissen über die finanzielle Ausstattung eines Unternehmens hilft, Sturmphasen zu überstehen. Tendenziell sind die Autobauer wie BMW, Daimler und VW sehr solide aufgestellt, auch um die Pharma- und Chemiesparte mit Bayer und BASF muss man sich wenig Sorgen machen.
Auf eines müssen Aktienanleger in Krisenzeiten jedoch gefasst sein: Sacken die Kurse in den Keller, dann geschieht das bei Nebenwerten tendenziell schneller und in größerem Maße als bei den Schwergewichten aus dem Dax. Von denen trennen sich Anleger in der Regel erst dann, wenn sie die kleinen Titel verkauft haben und noch immer keine Wende zum Besseren zu erkennen ist. Umgekehrt gilt jedoch: Dreht sich der Wind an der Börse, dann sind auch die Zuwächse bei den Nebenwerten höher als bei den großen Brüdern und Schwestern. Wer sich all dessen bewusst ist, braucht weniger Scheu vor Aktien zu haben.



















