Aktien: Familienunternehmer unglücklich über neue Bilanzregeln

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Aktien: Familienunternehmer unglücklich über neue Bilanzregeln

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Pizza-Produktionsstraße: Familienunternehmen wie Dr. Oetker beklagen sich über neue Bilanzierungs-Vorschriften

von Heike Schwerdtfeger

Die neuen Bilanzierungsregeln bringen Unternehmen wie Oetker, Haniel oder Burda in die Bredouille. 70 Unternehmen beklagen hohen Aufwand und entfallene Bilanzvorteile.

Wenn Familienunternehmen ihre Buchhaltung optimieren möchten, dann geht es nicht immer um Steuersparmodelle. 70 Unternehmer, darunter Oetker, Haniel, Heraeus, Burda, Freudenberg und Werhahn gründeten 2006 die Vereinigung zur Mitwirkung an der Entwicklung des Bilanzrechts für Familiengesellschaften (VMEBF). Der eingetragene Verein soll die speziellen Interessen familiengeführter und nicht börsennotierter Unternehmen bei der Bilanzerstellung bündeln.

Die neu berufenen Vereinsvorstände Michael Reuter (Chef-Bilanzierer von Haniel), Santokh Advani (Marquard & Bahls) und Axel Schade (Heraeus) beschäftigen sich aktuell mit dem neuen Rechnungslegungsstandard zur Leasing-Bilanzierung, der ab 2019 in Kraft tritt und mit dem bilanzielle Vorteile des Leasings entfallen werden. Die Chefbilanzierer der Familienunternehmen, die in Deutschland immerhin 250 Milliarden Euro erwirtschaften und 1,2 Millionen Mitarbeiter beschäftigen, sind mit der Neufassung des IFRS 16 nicht glücklich.

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Der ebenfalls neu berufene Vereinsvorsitzende Andreas Janssen bemängelt den hohen Aufwand für die Unternehmen, sieht aber nur wenig Nutzen, weil der Standard Hintertüren offen lasse. „Wer Leasing-Verträge weiterhin nicht bilanzieren möchte, schließt Laufzeiten von maximal zwölf Monaten mit niedrigen Leasing-Raten ab und begleitet das Geschäft mit Service-Verträgen.“

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Neue Bilanzregeln für Dax-Konzerne. Quelle: imago

Eigentlich wollte der Standardsetzer in London mit den Veränderungen in der Bilanzierung der Leasingverhältnisse bei Leasingnehmer und -geber erreichen, dass die Bilanzen aussagekräftiger werden und auch die Leasingverbindlichkeiten des Leasingnehmers in der Bilanz auftauchen. Tatsächlich werden dadurch aber auch Leasingverträge beim Leasingnehmer bilanziert, die wirtschaftlich gesehen eher einer Nutzungsüberlassung als einer Finanzierungstransaktion entsprechen. Zudem bilanziert der Leasing-Geber weitestgehend wie bisher.

Für kapitalmarktorientierte Familienunternehmen bedeutet das, sie müssen ab 2019 alle Leasing-Verträge inventarisieren und separat beurteilen, um ihre Bilanzen standardkonform zu erstellen. Ändern können werden sie daran allerdings so schnell nichts. Bis die Hintertüren geschlossen werden könnten, dauert es mindestens bis 2025. Denn so lange dauert es erfahrungsgemäß, bis bestehende Mängel in IFRS-Regeln geändert werden.

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