
DüsseldorfEin Gewinn von 15 Prozent ist gut – aber es geht noch besser. Wer sich zum Jahreswechsel Commerzbank-Aktien ins Depot legte, kam bis gestern auf 67,5 Prozent. Mit Daimler und BMW wurden es über 30 Prozent.
Diese drei Gewinner zeigen: Anleger spekulieren seit Jahresbeginn auf die Genesung der Banken und vor allem auf eine florierende Wirtschaft. Deshalb profitieren konjunkturempfindliche Aktien wie die Autobauer. Sie hatten in den düsteren August-Wochen 2011, als viele Investoren auf eine globale Rezession spekulierten, am meisten verloren. Auch die nachfolgenden Gewinneraktien mit Zuwächsen von deutlich mehr als 20 Prozent, wie Thyssen-Krupp, Infineon und Volkswagen sind typische Konjunkturaktien.
Der plötzliche Optimismus hat einen realen Hintergrund. In den USA hat sich die Auftragslage für die Industrie verbessert, und das Wachstum des Dienstleistungsgewerbes ist angesprungen. Noch wichtiger: Die Arbeitslosenquote fiel von 8,5 auf 8,3 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren. Befürchtungen, der Binnenkonsum könnte dauerhaft unter der hohen Arbeitslosigkeit leiden, haben sich in Luft aufgelöst.
„Das erste Halbjahr wird besser ausgehen, als die meisten denken“, sagt Jeff Hochman von der internationalen Fondsgesellschaft Fidelity. Seine Botschaft: Die Börsen steigen, weil Anleger auf dem falschen Fuß erwischt wurden. Sie kaufen Aktien, weil die Konjunkturzahlen besser als erwartet ausfallen. „Neu und überraschend ist, dass sich die Situation in Deutschland schon wieder verbessert.“
Denn nicht nur in den USA, auch in Europas größter Volkswirtschaft springt die Konjunktur an. 7000 vom Münchener Ifo-Institut befragte Unternehmen schätzten das dritte Mal in Folge das Klima besser ein als im Vormonat. Dreimal gilt als zuverlässiger Indikator, um eine Trendwende vorherzusagen, dass die kleine Delle aus dem vierten Quartal 2011 bereits überwunden ist.
Hiobsbotschaften bilden die Ausnahme
Und genau damit hatte die Mehrheit an der Börse eben nicht gerechnet. Viele setzten darauf, dass es genauso kommen würde wie 2008/09. Damals folgte auf die Finanzkrise die größte Rezession der Nachkriegsgeschichte. Auch diesmal fürchteten viele Anleger, dass die Schuldenkrise Europa in einen neuerlichen Abschwung reißen würde. Doch davon ist nichts geblieben. Die Unternehmen – immer noch der wichtigste Treiber für die Börsen – senden positive Signale.
Zwar endete in den USA die Serie zweistelliger Gewinnzuwächse – acht Quartale in Folge war dies den Konzernen gelungen. Doch mit diesem Ende hatten Anleger angesichts der hohen Ausgangsposition – die Firmen verdienen inzwischen wieder so viel wie auf dem Höhepunkt des Booms 2006 – ohnehin gerechnet. Viel wichtiger ist, dass Hiobsbotschaften – wie die roten Zahlen des Rohstoffkonzerns Alcoa – die Ausnahme blieben.
Dasselbe erwarten Anleger auch für die Dax-Konzerne. In Deutschland hat die Bilanzsaison gerade erst begonnen. Die meisten Unternehmen machten zuletzt keine Abstriche an ihren hohen Erwartungen. BASF-Chef Kurt Bock etwa hat seine Langfristprognosen erhöht. SAP-Chef Jim Hagemann Snabe registrierte zuletzt „viel Schwung in den Unternehmen“ – wovon SAP mit Softwareaufträgen profitieren dürfte. Die Auftragsbücher der Walldorfer sind prall voll. Daimler bewies gestern, dass die hohen Erwartungen auch erfüllt werden: Der Autobauer verdiente unter dem Strich sechs Milliarden Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr – so viel wie noch nie.
Die Sorge aus 2011, dass dem Boom der Absturz folgt, mündete 2012 in der Hoffnung: Der Boom setzt sich fort. Zwar nur mit stagnierenden Gewinnen. Doch das bedeutet eine ganze Menge: 2011 verdienten die 30 Dax-Konzerne rund 75 Milliarden Euro. Wiederholen sie dies, dann fahren sie das zweitbeste Ergebnis in der Firmengeschichte ein. Darauf spekulieren Anleger im Moment.








