Aktienstrategie: Das Ende der Wachstumsfantasie

Aktienstrategie: Das Ende der Wachstumsfantasie

, aktualisiert 30. November 2011, 13:57 Uhr
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Ein Wertpapierhändler an der Deutschen Börse: Analysten senken reihenweise ihre Gewinnerwartungen für deutsche Firmen.

von Ulf SommerQuelle:Handelsblatt Online

Entgegen der Hoffnung vieler Anleger bedeutet selbst eine mögliche Lösung der Schuldenkrise noch keine neue Hausse bei Aktien. Vielmehr signalisieren die Dax-Gewinnprognosen, dass es weiter abwärts geht.

DüsseldorfWenn das keine mutige Prognose ist: „Ich gehe davon aus, dass wir in eine ’Schlussphase’ der Krise eintreten“, sagt Andrew Wells von der internationalen Fondsgesellschaft Fidelity. Seine Argumentation lautet: Deutschland dürfte schon bald einer Lockerung der Geldpolitik, das heißt dem ungebremsten Ankauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank zustimmen. Nicht aus Überzeugung, sondern weil schon bald nichts anderes mehr den Bestand der Euro-Zone und der Gemeinschaftswährung sichern kann.

Gut möglich, dass Anleger solch eine Kehrtwende der Deutschen zumindest als Ende der Schuldenkrise feiern würden und mit kräftigen Gewinnen an den Aktienmärkten rechnen könnten. Für eine Erholung sprechen auch die starken Erträge und die niedrige Börsenbewertung der Unternehmen. Die 30 Dax-Konzerne kosten nur noch das Neunfache dessen, was sie in diesem Jahr verdienen werden. Das sind knapp 40 Prozent weniger als im historischen Mittel. Um „fair“ bewertet zu sein, müsste der Dax bei über 8000 Punkten stehen.

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Aber: Die Börse handelt nicht die Gegenwart, sondern spekuliert auf die Zukunft. Der niedrigen Bewertung stehen Abschwungszenarien gegenüber. „Das schwache Gewinnwachstum dürfte einen stärkeren Kurssprung verhindern“, sagen die Experten der DZ-Bank.

Reihenweise senken die Analysten der internationalen Finanzhäuser derzeit ihre Gewinnschätzungen für die deutschen Firmen, weil sich die Weltwirtschaft abschwächt. In nur drei Monaten haben sie die 2012er-Nettogewinnschätzungen für die Lufthansa um durchschnittlich 54 Prozent, für den Chiphersteller Infineon um 38 und für den Stahlproduzenten Thyssen-Krupp um 30 Prozent gesenkt. Durchschnittlich fielen die Gewinnprognosen bei den 30 Dax-Konzernen um 12,4 Prozent. Solch einen Absturz gab es zuletzt im Herbst 2008 – im Vorfeld der größten Rezession der Nachkriegsgeschichte. Nur für zwei Unternehmen, SAP und FMC, hoben die Analysten ihre Schätzungen leicht an.

Die Unternehmen nähren die Skepsis. Monatelang perlte die Schuldenkrise an ihnen ab – doch das ist Vergangenheit. Der Autozulieferer Schaeffler warnte, dass die Schuldenkrise mit ihren Turbulenzen an den Kapitalmärkten das Wirtschaftswachstum nachhaltig zu beeinträchtigen drohe. VW-Chef Martin Winterkorn signalisierte im Handelsblatt, dass 2012 ein schwieriges Jahr werden dürfte. Der Chiphersteller Infineon prognostizierte geringere Umsätze und Margen. Infineon und Lufthansa verhängten einen Einstellungsstopp.


Frühindikatoren nähren die Skepsis

„Die Weltwirtschaft steuert, wenn die Frühindikatoren recht behalten, mehr und mehr auf eine Rezession zu“, sagte der Chefvolkswirt der Privatbank M.M.Warburg, Carsten Klude. Komme es dazu, müssten die Gewinnprognosen der exportstarken deutschen Konzerne weiter gesenkt werden.

Die konjunkturellen Frühindikatoren nähren die Skepsis. Ob Europa, Südamerika oder der wichtige Wachstumsmarkt China – überall fallen die Erwartungen drastisch. In Deutschland konnte der vielbeachtete Ifo-Index nach vier Rückgängen in Folge im November zwar geringfügig zulegen. Doch eine Trendwende nach oben sehen die Experten nicht, sondern nur eine kurze Gegenbewegung nach dem kräftigen Sinkflug.

Der stetige Abwärtstrend der drei deutschen Konjunkturindizes – Ifo, ZEW und Sentix – verheißt weiteres Abwärtspotenzial an den Aktienmärkten. Richtig ist zwar, dass sich die Aktienmärkte nicht erst in einem beginnenden Aufschwung, sondern schon am Wendepunkt zwischen Rezession und Aufschwung erholen. Das zeigte sich im Frühjahr 2009, als die Börsen auf dem Höhepunkt der Rezession schwungvoll durchstarteten.

Vergangene Zyklen haben nach einer Analyse der Helaba gezeigt, dass der zeitliche Vorlauf des Aktienmarkts gegenüber dem Konjunkturverlauf eher geringer als größer geworden ist. Während der Dax im langjährigen Durchschnitt seit 1965 rund vier Monate vor dem Ifo-Geschäftsklima-Index sein Tief erreicht hatte, drehten die deutschen Standardwerte in der Krise 2003 und 2009 nahezu zeitgleich mit dem Ifo-Index nach oben.

Auf die jetzige Situation gemünzt bedeutet das: Wer davon ausgeht, dass sich die Konjunktur und der Ifo-Index in den nächsten Monaten weiter abschwächen und ihr Tief noch nicht erreicht haben, sollte mit einem Einstieg an der Börse noch warten. „Da die Konjunkturstimmung vermutlich erst im ersten Quartal 2012 ihren Boden finden wird, bleiben Aktien anfällig“, resümiert die Helaba.

Ein Test der September-Tiefs erscheint den Experten viel wahrscheinlicher als ein nachhaltiger Kursanstieg.

Quelle:  Handelsblatt Online
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