An- und Verkauf von Edelmetallen: Ernüchternde Abschläge gegenüber dem Goldkurs

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An- und Verkauf von Edelmetallen: Wo Goldhändler knausern

Ernüchternde Abschläge gegenüber dem Goldkurs

Ich versuche mein Glück bei einem Juwelier an Düsseldorfs Königsallee. Ein Plakat im Schaufenster macht darauf aufmerksam, dass hier auch Gold angekauft wird. Eine Sicherheitskraft im Anzug öffnet mir die verschlossene Ladentür. Die Mitarbeiterin hinter dem Tresen sucht mit einer Lupe den Stempel im Ring und fragt mich nach meinen Vorstellungen. Ich sage, mir sei klar, dass ich die 500 Euro, die der Ring mal gekostet hat, sicher nicht wiederbekommen werde. Ohne ihn zu wiegen, sagt sie, ich bekäme vielleicht 115 bis 120 Euro für den Ring. Ich solle ihn lieber wieder einstecken.

Das mache ich und trage ihn zu Pro Aurum, einem der größten Goldhändler in Deutschland, der nur ein paar Gehminuten entfernt eine Filiale betreibt. Dort komme ich ohne Klingel und Sicherheitsmann in das Geschäft. Alles wirkt sehr edel und geschmackvoll, die Mitarbeiter tragen alle Anzug und Krawatte. Der Berater, in dessen Büro ich mich setze, begrüßt mich mit festem Händedruck. Den Echtheitstest mit Schieferplatte und Säure macht er als erstes. Dann erst wird gewogen, wieder stehen 9,12 Gramm auf der Anzeige. Ich bin erstaunt, dass diese Waagen offenbar alle präzise geeicht sind und selbst an der zweiten Stelle nach dem Komma keine Abweichungen zeigen.

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Der Goldpreis hat Fahrt aufgenommen. Einiges spricht dafür, dass der Preis für die Feinunze langfristig weiter steigt. Quelle: dpa

Der Berater spricht allerdings nur von neun Gramm brutto und einem Feingoldanteil von fünf Gramm. Den Börsenpreis gibt er auf Nachfrage mit 29 Euro für das Gramm an. Er bietet mir 25,48 Euro pro Gramm, insgesamt 127,80 Euro für den Ring. Gemessen an meinem Börsenkurs ist das ein Abschlag von 4,32 Euro oder 15 Prozent. Außerdem hat der Händler offenbar nur mit 5 Gramm statt mit 5,3 Gramm kalkuliert. Lege ich 5,3 Gramm zugrunde steigen die Abzüge des Händlers gegenüber dem Börsenkurs auf mehr als 19 Prozent. Bislang das schlechteste Angebot, wenn man die grobe Schätzung beim Juwelier ausklammert.

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(Uhrzeit)
Händler-
marge
in € u. %
Ankaufs-
kurs /g.
Angebots-
preis
Rheinische
Scheideanstalt
nein9,12 g5,3 g29,96 €29,96 €
(15 Uhr)
3 € / g.
10 %
27,36 €145 €
Gold Haegerja9,12 g5,3 g29 €29,12 €
(16 Uhr)
3 € / g.
10,3 %
26 €138 €
Juwelier
Fine Art
nein - -- k.A.k.A.k.A.115 bis
120 €
pro aurumja9,12 g5 g29 €29,80 €
(12:30 Uhr)
4,52 €
15,6 %*
(19,4 %)**
25,48 €*
(24,03 €**)
127,40 €
Exchange
Leihhaus
k.A.k.A.k.A.-29,80 €
(13:00 Uhr)
4,33 €
14,5 %
25,47 €135 €
Angeboten wurde ein Ring von 9,12 Gramm, 585er Gold (14 Karat), entsprechend Feingoldanteil von 5,3 Gramm. Getestet wurden die Händlerangebote am 20. und 21. November. Stand: 21. November, Börsenkurse von vwd.; k.A.=keine Angabe; * laut Händlerangabe; ** rechnerisch für 5,3 g Feingoldanteil
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Etwas ernüchtert über die doch deutlichen Abschläge gegenüber dem Goldkurs wage ich einen letzten Versuch beim Pfandleiher. Das Pfandleihaus Exchange nahe am Düsseldorfer Hauptbahnhof beleiht ausschließlich Schmuck, Edelmetallbarren und Münzen sowie hochwertige Uhren. Außerdem kauft das Unternehmen auch Gold an. Ich frage, was ich für Beleihung oder Verkauf des Ringes bekommen würde. Das Ergebnis überrascht: 130 Euro für die Leihe, 135 Euro für den Verkauf. Der Preis ist tatsächlich höher als beim großen etablierten Goldhändler. Angesichts des niedrigen Goldkurses wäre ein Beleihung sogar in doppelter Hinsicht lukrativ: Mehr Bargeld als bei Pro Aurum oder beim Juwelier, dafür aber die Chance, den Ring zurückzunehmen und zu verkaufen, wenn der Goldpreis wieder gestiegen ist. Allerdings ist die Pfandleihe auch mit spürbaren Kosten verbunden. Monatlich fallen 3,50 Gebühren an sowie ein Prozent Zins auf den Darlehensbetrag. Für den Ring wären das insgesamt 4,80 Euro, die monatlich zu zahlen sind. Nach drei Monaten kann der Besitzer des Pfandscheins dann das Pfand wieder auslösen oder die Leihe verlängern.

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