Anlageberater: "Ein Provisionsverbot ist kein Allheilmittel"

ThemaKapitalmarkt

InterviewAnlageberater: "Ein Provisionsverbot ist kein Allheilmittel"

von Martin Gerth

Rechtswissenschaftler Karl-Georg Loritz kritisiert weisungsabhängige Bankberater und kurzsichtige Manager von offenen Immobilienfonds, fordert mehr Freiheit für Fondsprodukte und schärfere Regulierung bei  Fondsverwaltern.

WirtschaftswocheOnline: Herr Loritz, das EU-Parlament hat die Provisionsregeln für Vermittler verschärft. Ursprünglich stand sogar ein Provisionsverbot zur Diskussion.

Karl Georg Loritz: Ein Provisionsverbot wäre kein Allheilmittel. Es gibt Möglichkeiten, es zu umgehen. Zudem entsteht Abhängigkeit nicht nur durch Provisionen. Entscheidend ist, in welchem Verhältnis der Berater zum Produktgeber steht. Ein Fondsinitiator könnte beispielsweise am Finanzvertrieb beteiligt sein. Diese Beziehung muss offengelegt werden.

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Wären Honorarberater nicht die besseren Ansprechpartner für Anleger?

Honorarberatung an sich ist gut. Bei Anlegern mit geringen Ersparnissen und kleinen Investments ist sie nicht kostendeckend. Bisher nutzen vor allem vermögende Anleger die Honorarberatung.

Die übrigen landen beim Bankberater, der empfiehlt, was sein Chef vorgibt.

Diese Misere, die glücklicherweise nicht die Regel ist, bekommen Sie nicht mit Gesetzen in den Griff. Der Wettbewerb muss die Banken dazu zwingen, anlegergerecht und wirtschaftlich optimal zu beraten. Verletzungen der Aufklärungspflichten oder Fehlberatung müssen Gerichte ahnden.

Sind die überhaupt in der Lage, komplexe Finanzprodukten zu beurteilen?

In Deutschland gibt es bei den meisten Amts- und Landgerichten leider keine auf Kapitalanlage spezialisierten Richter oder Kammern. Viele Richter kommen zum ersten Mal mit komplizierten Finanzprodukten in Berührung. Das führt zu einer großen Bandbreite an Entscheidungen über ähnliche Sachverhalte und zu Fehlern. Oft fließen, wenn das Fachwissen fehlt, persönliche Befindlichkeiten und negative Erfahrungen von Richtern mit ein. Mal muss die Bank Schadenersatz zahlen, mal nicht.

Sind die Erfolgsaussichten einer Klage in den USA generell größer?

Spektakuläre Fälle mit hohen Schadensersatzsummen erwecken diesen Eindruck. Allerdings gilt dies bei Prozesse um Kapitalanlagen nur für vermögende Anleger, die sich die teuren US-Anwälte leisten können.

Das Finanzministerium schiebt derzeit das Kapitalanlagegesetzbuch an. Hegdefonds, Immobilienfonds, geschlossene Fonds und Private Equity sollen ein einheitliches Regelwerk bekommen.

Was ich in dem Gesetzentwurf gelesen habe, war wenig überzeugend. Anstatt Anlageprodukte zu reglementieren, hätte der Gesetzgeber die Manager der Fonds stärker regulieren sollen.

Der Entwurf ist entschärft worden. Offene Immobilienfonds bleiben erlaubt.

Bei einem Verbot hätte der Gesetzgeber auch die noch bestehenden Portfolios schließen müssen, sonst wäre das Gesetz schon deshalb verfassungswidrig gewesen. Er hält diese Produkte nicht für so gefährlich, als dass er Anleger davor schützen müsste.

Aber mehr als ein Dutzend offene Fonds musste abgewickelt werden.

Aber nicht, weil das Produkt gefährlich ist. Anbieter haben unkontrolliert Geld eingesammelt, Manager sind unnötige Risiken eingegangen. In einige Standorte haben sie so viel Geld gepumpt, dass die Preise durch die Decke gingen. Hier hätte man ansetzen sollen.

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Alleingänge helfen wenig, weil sich die Händler Plattformen in anderen Ländern suchen. Zudem hat der außerbörsliche Handel, der sich jeder Kontrolle entzieht, enorm an Bedeutung gewonnen. Und Insellösungen ohne Briten und Amerikaner machen keinen Sinn.

Karl-Georg Loritz, 59, leitet die Forschungsstelle für Unternehmenssteuer- und Kapitalanlagerecht der Uni Bayreuth. Er arbeitete zuvor als Richter und im Bayerischen Finanzministerium

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