Anlageberatung: Deutsche meiden Honorarberater

Anlageberatung: Deutsche meiden Honorarberater

Es ist paradox: Die Privatanleger wünschen sich unabhängige Beratung, wollen aber keine Honorarberater bezahlen. Die satte Provision für die hauseigene Bank ist dagegen scheinbar in Ordnung.

Dass sich Anleger mitunter seltsam verhalten, ist nicht neu. Sie wollen in der Regel maximale Sicherheit bei maximaler Rendite - sollte das nicht möglich sein, machen sie Abstriche bei der Sicherheit oder investieren gleich gar nicht mehr. Spätestens seit 2008 fürchten sie sich außerdem vor dem gierigen Banker, der sie mit Absicht falsch berät und ihnen hochspekulative Produkte unterjubelt, nur um dann die dicke Provision einzustreichen. Die Erfahrung aus der Finanzkrise gibt ihnen in diesem Punkt ja auch recht.

Was Verkäufer in der Finanzbranche verdienen

  • Rangliste

    Die folgenden Euro-Beträge für verschiedene Produkte von Versicherungen, Banken, Bausparkassen und Fonds wurden anhand üblicher Provisionssätze und marktgängiger Anlagesummen berechnet. Die Rangliste liefert einen Anhaltspunkt über die Bedeutung der jeweiligen Provisionsart für Vermittler.

    Quelle: www.monero.de, Vermittler, Finanzunternehmen, eigene Berechnungen

  • Platz 10

    Sachversicherung
    11,25 Euro für einen 1-Jahresvertrag in der Haftpflichtversicherung

  • Platz 9

    Sachversicherung   
    45 Euro für einen 1-Jahresvertrag in der Hausratversicherung

  • Platz 8

    Krankenzusatzversicherung
    90 Euro für eine Zahnzusatzversicherung

  • Platz 7

    Sachversicherung
    200 Euro für einen Fünf-Jahresvertrag in der Hausratversicherung

  • Platz 6

    Bausparvertrag
    325 Euro für einen Vertrag mit einer Bausparsumme von 25.000 Euro

  • Platz 5

    Fondsanlage
    450 Euro für ein Investment mit einer Anlagesumme von 10.000 Euro

  • Platz 4

    Lebensversicherung 
    1440 Euro für einen Vertrag mit einem Monatsbeitrag von 100 Euro, Laufzeit 30 Jahre

  • Platz 3

    Immobilienfinanzierung
    1500 Euro für einen Vertrag mit einer Kreditsumme von 200.000 Euro

  • Platz 2

    Krankenversicherung
    2100 Euro für eine PKV-Vollversicherung mit einem Monatsbeitrag von 350 Euro

  • Platz 1

    Unternehmerische Beteiligungen
    3000 Euro für einen geschlossenen Fonds mit einer Anlagesumme von 30.000 Euro

Aber anstatt sich an unabhängige Honorarberater zu wenden, die eben nicht nach dem für sie profitabelsten Produkt schielen, bleiben sie bei ihrer Hausbank. Die Kosten von durchschnittlich 150 Euro für eine Beratung sind vielen offenbar zu viel. Bei der Direktbank Comdirect, die zusammen mit der Quirin Bank und Cortal Consors zu den führenden Anbietern von Honorarberatung in Deutschland gehört, gibt es sogar eine Art Beratungsabo: Die Kunden zahlen monatlich 0,05 Prozent ihres Anlagevolumens, mindestens 24,90 Euro. Dafür wird ihnen unabhängige Beratung garantiert. Trotzdem nutzen nur 2000 der rund 800.000 Kunden der Direktbank die Honorarberatung.

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Was muss im Protokoll drinstehen?

  • Angaben über den Beratungsanlass

    Seit dem 1. Januar 2010 muss die Bank ein Protokoll über jede Anlageberatung erstellen. Darin muss stehen, wer um die Beratung gebeten hat. Wollte der Kunde einen Termin, hat der Berater ein Gespräch vorgeschlagen? Auch ob der Berater auf Wunsch seines Arbeitgebers bestimmte Produkte ansprechen soll, muss unter diesem Punkt aufgeführt sein.

  • Dauer

    Der Berater muss vermerken, wie lange das Gespräch gedauert hat.

  • Investorenprofil

    Im Protokoll muss stehen, wie groß das Vermögen des potenziellen Kunden ist, ob er Schulden hat und falls ja, wie hoch sie sind. Außerdem gehört hinein, wie hoch das Einkommen ist.

  • Kundenwünsche

    Damit dem risikoaversen Investor nicht hochspekulative Papiere angedreht werden und es nachher heißt, man hätte von nichts gewusst, gehören die Kundenwünsche ins Protokoll: Welche Risikoneigung hat der Investor, wie viel Rendite will er – und: wie hat der Berater die Entscheidung beeinflusst. Wer wenig Risiko und wenig Rendite will und abschließend ein Pendant der Lehman-Zertifikate kauft, wurde höchstwahrscheinlich falsch beraten.

  • Empfehlungen

    Alle Produkte, die ein Banker empfiehlt, müssen im Protokoll aufgeführt sein, auch wenn der Investor sich dagegen entscheidet. Außerdem müssen die Gründe, die laut Berater für ein Produkt sprechen, aufgelistet werden.

Dass Leistung - auch eine Beratungsleistung - kostet scheint nicht in die Köpfe hineinzuwollen. Bei den großen drei lassen sich laut einer Erhebung des Anlegermagazins Börse Online insgesamt 12.000 Kunden kostenpflichtig beraten. Wenn man davon ausgeht, dass in Deutschland 81,73 Millionen Menschen leben (Quelle: Weltbank) und vier Prozent davon Aktien haben, hätten die deutschen Honorarberater immerhin rund 3,3 Millionen potentielle Kunden.

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Hinzu kommen noch all jene, die Fondsanteile, Zertifikate, Anleihen, Derivate und sonstige Produkte besitzen. Doch auch bei den 1700 freien Honorarberatern bleibt der große Andrang aus. Damit Anleger trotzdem nicht irgendwelcher Provisionsgier zum Opfer fallen, wollte sich Brüssel ursprünglich bis zum 26. Oktober 2012 auf die Finanzmarktrichtlinie MiFID II einigen. Diese sieht vor, dass sich Berater entscheiden müssen, ob sie sich als ab- oder unabhängig bezeichnen. Wer sich das Schild "unabhängige Anlageberatung" an die Tür hängen möchte, darf keine Gebühren oder Provisionen von Anbietern von Finanzprodukten annehmen. Wegen Unstimmigkeiten wurde die Entscheidung allerdings vertagt. Wenn die Anleger Glück haben, kommt die Regelung im November. So lange müssen sie selbstständig entscheiden, wie viel ihnen unabhängige Beratung wert ist.

ked

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