Anlagestratege Asoka Wöhrmann: "Steuerentlastung gibt Bürgern größere Spielräume"

InterviewAnlagestratege Asoka Wöhrmann: "Steuerentlastung gibt Bürgern größere Spielräume"

von Heike Schwerdtfeger

Der führende Stratege der Deutsche Asset&Wealth Management, Asoka Wöhrmann, erwartet ein langsames, aber kontinuierliches Wirtschaftswachstum. Dafür müssten die Notenbanken viel, die Politiker noch mehr tun.

Wirtschaftswoche: Herr Wöhrmann, Sie raten der Bundesregierung, die Steuern zu senken. Liegt Ihnen nichts an der niedrigen Staatsverschuldung?

Wöhrmann: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble macht seine Sache sehr gut, er muss die Haushalte im Griff behalten. Aber ich setze darauf, dass eine Steuerentlastung den Bürgern wieder größere Spielräume gibt. Das ist vor allem bei niedrigeren und mittleren Einkommen der Fall. Diese sollten entlastet werden. Zudem sollte der Staat seine Infrastrukturausgaben erhöhen. Ich fahre ständig von Ostwestfalen nach Frankfurt und darf auf Brücken oft nur 80 Stundenkilometer fahren, weil sie marode sind. Da muss investiert werden, ebenso wie in die Digitalisierung. Sonst verlieren wir irgendwann den Anschluss.

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Aber mal ehrlich, wenn Sie Weihnachtsgeld bekommen, geben Sie dann alles aus und gehen sie tatsächlich mehr einkaufen?

Ich habe vier Kinder. Wünsche gibt es da immer genug – als noch viel wichtiger als Konsum würde ich aber Investitionen in die Zukunft erachten. Als Anleger müssen uns viel mehr Gedanken machen, wie wir unser Geld in Zukunft anlegen wollen. Auf lange Sicht brauchen wir hier deutlich mehr Mut für Aktien.

WirtschaftsWoche-Investmentgipfel Können die Märkte noch ohne billiges Geld?

Das billige Geld der Notenbanken wirkte auf die Märkte wie eine Droge. Kommt das Ende einem Entzug gleich? Und w elche Folgen hat das für Anleger? Darüber diskutierten die Experten auf dem WirtschaftsWoche-Investmentgipfel.

Investmentgipfel 2014 WirtschaftsWoche Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche

Sie erwarten, dass der Dollar stark bleiben wird und sich sogar noch auf den Kurs von 1,20 steigen oder sogar Eins zu Eins zum Euro notieren könne. Wie lange lassen sich denn die Amerikaner gefallen, dass ihre Währung so stark wird und darunter die US-Exportwirtschaft leiden könnte?

Das ist ein wechselseitiges Spiel zwischen den USA und Euroland. Ich erwarte, dass die Amerikaner derzeit alles tun, um die Eurozone wieder in Tritt zu bringen. Damit es hier Wirtschaftswachstum gibt. Da wird es viel Rhetorik geben, da wird es auch aus dem US-Senat böse Kommentare geben, aber ich erwarte, dass sie es einige Zeit mittragen werden. Problematischer habe ich es bei der Bank of Japan erlebt. Sie hat im Jahr 2002 mal sehr schnell Yen auf den Markt geworfen um ihn zu schwächen, das war damals ein Schock. Aber die Amerikaner werden nicht so brutal agieren, vielleicht verbal zwischendurch, aber nicht mit massiven Maßnahmen.

Die Peripherieländer Portugal, Spanien, Griechenland, Zypern sind derzeit aus den Schlagzeilen. Bleibt es dort ruhig?

Wir feiern gerade 25 Jahre Mauerfall, wir sehen selbst, wie lange es dauert, ein System zu verändern und wie viel Geld nötig ist. Die Peripherie-Probleme werden uns noch lange beschäftigen. Die Europäische Zentralbank wird die Länder stützen, eventuell auch mit weiteren Maßnahmen wie dem Anleihenankauf. Da sind viele Möglichkeiten, fest steht aber, dass Deutschland stets helfen muss und die Aktionen unterstützen muss. Dazu ist auch die Unterstützung der Bundesregierung nötig, sie darf nicht unter dem Druck, der etwa von manchen Parteien gegen den Euro aufgebaut wird, einknicken. Italien und Frankreich machen mir Sorgen, wenn sie es nicht schaffen, politisch einige Veränderungen durchzusetzen.

Wie sieht Ihre aktuelle Anlage-Positionierung aus?

Ein ausgewogenes Portfolio würde ich zu rund 40 Prozent mit Aktien aus Industrieländern bestücken, zu vier Prozent mit Schwellenländer-Aktien, bei Anleihen wäre ein Drittel Staatsanleihen, fünf Prozent Unternehmensanleihen und drei Prozent Schwellenländerzinspapiere. Alternative Anlagen wie etwa Immobilien, Infrastrukturinvestments oder Hedgefonds-Strategien bekämen einen Anteil von zehn Prozent, Rohstoffe ein Prozent. Etwa sechs Prozent blieben liquide geparkt.

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