Anlagestrategie: „Der Sparstrumpf ist keine Lösung“

Anlagestrategie: „Der Sparstrumpf ist keine Lösung“

, aktualisiert 02. Dezember 2011, 15:10 Uhr
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Achim Küssner, Deutschlandchef der Fondsgesellschaft Schroders.

von Jessica SchwarzerQuelle:Handelsblatt Online

Der Schock sitzt tief. Nach dem Börsenabsturz sind viele Investoren noch nicht an die Börse zurückgekehrt. Im Interview erklärt Achim Küssner, Deutschlandchef der Fondsgesellschaft Schroders, warum das falsch ist.

Herr Küssner, wie waren die vergangenen Monate?

Das waren die schwierigsten Wochen und Monate seit sehr langer Zeit – und zwar für unsere privaten wie für unsere institutionellen Kunden, aber auch für uns als Vermögensverwalter. Alle sind verschreckt.

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Und jetzt?

Viele Kunden verharren in Starre. In den Depots hat der Absturz natürlich Spuren hinterlassen, viele Risikobudgets sind aufgebaut. Gerade Institutionellen sind oft die Hände gebunden, weil sie strenge Vorgaben haben. Sie  mussten teilweise in fallende Märkte hinein verkaufen und halten nun hohe Cash-Bestände. Viele werden dieses Jahr wohl auch nicht wieder einsteigen. Das ist natürlich eigentlich Irrsinn, denn man sollte grundsätzlich kaufen, wenn es billig ist.

Dann steigen Sie persönlich also schon wieder ein?

Nein, wir halten uns ebenfalls noch zurück. Zu viele politische Themen sind ungelöst. Kriegen wir die Schuldenkrise in den Griff? Was wird aus dem Euro? Wenn wir allerdings einsteigen, dann bevorzugt in amerikanische Aktien…

…aber auch die USA kriegen ihre Schulden nicht in den Griff.

Das stimmt natürlich. Doch wenn man sich die Unternehmen genauer anschaut, dann sind die sehr robust. Die USA werden als erste wieder aus der Krise herauskommen, auch wenn die Konjunkturdaten derzeit durchwachsen sind.

Die aufstrebenden Schwellenländer haben einen viel geringeren Verschuldungsgrad, wären sie nicht das bessere Investment?

Die Emerging Markets sind interessant, keine Frage. Aber auch ihre Börsen sind keine Einbahnstraße. Die Schwellenländer sind zwar eine treibende Kraft der Weltwirtschaft, aber auch dort ist das Rückschlagpotenzial groß. Langfristig werden wir hier zwar einen Boom sehen, aber kurzfristig können viele dunkele Wolken aufziehen.


Die Strategie Buy & Hold hat ausgedient

Welche Gefahren sehen Sie?

Wir warnen immer wieder vor China. Die Inflationsgefahr ist groß, die Immobilienblase könnte platzen, der Verschuldungsgrad der Banken gibt Grund zur Besorgnis.

Wenn in China eine Bank kippt oder die Immobilienblase platzt, dann wird das aber auch in Europa und den USA zu spüren sein…

Natürlich, die Märkte sind global vernetzt. Und derzeit reagieren die Märkte sehr irrational. Es gibt zu viele Störfaktoren aus zu vielen Richtungen.

Wie sollten Privatanleger auf die Börsenturbulenzen reagieren?

Im Grunde können sie gar nicht reagieren, zumindest nicht schnell genug. Dazu fehlen ihnen die nötigen Informationen, die richtigen Systeme. Wenn sie überhaupt handeln, dann meistens zu spät. Der Sparstrumpf kann aber nicht die Lösung sein.

Ihr konkreter Rat?

Die Strategie „Buy & Hold“ hat ausgedient. Die Welt dreht sich weiter. Es wandelt sich alles viel zu schnell, um ein Portfolio zusammenzustellen und dann für zehn oder zwanzig Jahre liegen zu lassen. Schauen Sie sich den Dax an, seine Zusammensetzung sieht doch heute völlig anders aus als noch in den 80er-Jahren. Die Favoriten wechseln. Für die meisten Anleger ist es deshalb besser, auf einen Fonds zu setzen und die Entscheidungen Profis zu überlassen.

Die wenigsten Profis schneiden aber besser ab als ihr Vergleichindex…

Ich halte nichts von diesen Vergleichen. Der Vergleichsindex als Benchmark ist für den Anleger irrelevant. Er braucht einen Fonds, der seinem Risikoprofil entspricht, der die gewünschte Rendite abwirft. Die Benchmark ist eine Art Nulllinie, man liegt als Fondsmanager darüber oder darunter. Aber es macht doch gar keinen Sinn dieser Nulllinie zuviel Gewicht beizumessen. Das passt auch nicht mehr zu den neuen Produkten.

Das müssen Sie erklären…

Neue Produkte – wir nennen sie Variable-Beta-Fonds – sind ganz anders konzipiert als reine Aktienfonds. Die Fondsmanager haben viel mehr Freiheiten, können beispielsweise die Cash-Quote hochziehen oder auf fallende Kurse setzen. Dafür gibt es gar keinen Vergleichindex.

Ist das ein neuer Trend?

Einer von mehreren. Ich sehe derzeit vier Trends am Fondsmarkt.

Der erste Trend…

Das ist ganz klar Multi Asset – also Mischfonds als Basisinvestments. Damit lässt sich das Risiko breit streuen und kontrollieren. Anleger sollten sich die Produkte aber genau anschauen, wir nutzen beispielsweise bis zu zwölf Anlageklassen, die möglichst gar nicht oder nur geringfügig korrelieren. Andere Anbieter haben nur Cash, Aktien und Renten in ihren Fonds und versehen sie trotzdem mit dem Label Multi Asset.


Man sollte nicht jedem Trend hinterherjagen

Das Risiko mag breit gestreut sein, aber Anleger haben in den vergangenen Monaten auch mit Mischfonds Verluste eingefahren.

Das stimmt natürlich. Die Märkte befinden sich in extrem schwierigem Fahrwasser, da bleiben Verluste nicht aus. Auf die Höhe kommt es an. Wir bieten beispielsweise den Schroder Global Dynamic Balanced Fund an, welcher selbst bei Preisrückgängen in allen Anlageklassen den Verlust in einem Zwölfmonatszeitraum auf maximal zehn Prozent begrenzen soll. Aktuell sind es minus 4,5 Prozent und damit deutlich weniger als minus 20 Prozent bei globalen Aktienfonds.

Zehn Prozent Minus – für viele Anleger eine schmerzhafte Vorstellung…

Man muss sich der Realität stellen: Die Börse ist keine Einbahnstraße. Anleger müssen sich knallhart fragen: Wo ihre Schmerzgrenze ist? Wie viel sind sie bereit maximal zu verlieren? Und diese Verluste müssen sie dann natürlich auch aushalten können.

Zurück zu den Trends. Welcher ist der zweite?

Das ist Absolute Return. Viele Anleger wollen ihr Kapital erhalten und dabei gleichzeitig regelmäßige Erträge – das ist Trend Nummer drei – generieren. Der Schroder ISF Emerging Markets Debt Absolute Return beispielsweise setzt auf Schwellenländer-Anleihen und garantiert eine jährliche Ausschüttungsrendite von rund sieben Prozent. Für Anleger ist das ein fest einkalkulierbares Zusatzeinkommen. Sein Ziel, jedes Jahr eine positive Rendite zu erfüllen – Absolute Return also – hat der Fonds in den vergangenen zwölf Jahren fast immer erreicht.

Und Trend Nummer vier?

Das sind die bereits angesprochen neuen Variable-Beta-Fonds , die in viele verschiedene Anlageklassen investieren und auch auf fallenden Notierungen setzen können.

Die richtigen Fonds zu finden, ist für Anleger aber nicht leicht. Es gibt mehr als 6000 Produkte.

Und dabei einem deutlich geringeren Anlagevolumen als in den USA, wo es viel weniger Fonds gibt. Ich rechne über kurz oder lang mit Zusammenlegungen und Schließungen. Produktpflege gehört einfach dazu.

Sie schließen also auch Fonds?

Wir überprüfen unser Portfolio permanent. Es gibt keine Garantie auf die Zukunft, manche Fondskonzepte funktionieren, andere nicht. Manche funktionieren auch zu gut, werden zu groß für ihre Anlageregion. In diesen Fonds nehmen wir dann kein neues Anlagegeld mehr an.

Es kommen aber immer noch Fonds auf den Markt…

Natürlich. Allerdings sollte das mit Augenmaß passieren. Man muss sich fragen, welche Produkte Sinn mache und sollte nicht jedem Trend hinterherjagen. Reputation ist unser höchstes Gut und das sollten wir nicht mit schlechten Produkten beschädigen.

Wie verhindern Sie das?

Neue Fonds durchlaufen einen mehrstufigen Prozess. Wir legen sie in Luxemburg auf, investieren eigenes Geld und schließen sie sofort für Anleger. Dann muss sich der Fondsmanager sechs Monate oder ein Jahr beweisen. Letztendlich entscheidet dann ein Produktkomitee, ob der Fonds auf den Markt kommt. Und glauben sie mir, es passiert oft genug, dass ein neuer Fonds das Komitee nicht überzeugt und abgelehnt wird.

Herr Küssner, vielen Dank für das Interview.

Quelle:  Handelsblatt Online
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