
New YorkAn den Märkten gegen den Strom zu schwimmen, ist gewöhnlich eine gefährliche Angelegenheit. Aber wenn man wie Warren Buffett auch längere Durststrecken aushalten kann, dann ist das eine hochprofitable Strategie. Das belegen einige der spektakulären Wetten von „Uncle Warren“, wie der 81-jährige Milliardär und zweitreichste Mann der Vereinigten Staaten von seinen Bewunderern gerne genannt wird. Gestern ließ über einen seiner Anlagestrategen ausrichten, was er von Anleihen des Staates Frankreich hält: nichts. Der Markt wird zeigen, ob Buffett recht behält. In der Vergangenheit hat der weltbekannte Investor jedenfalls (fast) immer Recht gehabt.
BNSF
So sagte er im Jahr 2010 inmitten der Finanzkrise voraus, dass sich Amerikas Wirtschaft und seine Traditionsbranchen zügig wieder erholen würden. Mit dieser optimistischen Einschätzung stand er damals ziemlich allein da. Und der zweitreichste Mann der USA ließ seinen Worten auch Taten folgen. Für fast 30 Milliarden Dollar investierte er in die US-Eisenbahngesellschaft BNSF. Tatsächlich setzte bald eine zwar moderate, aber doch stetige Erholung ein. Diese geht zwar bislang am Arbeitsmarkt vorbei, aber viele Firmen laufen mit weniger Mitarbeitern blendend. Die Folge: Die nicht börsennotierte BNSF fuhr im Jahr 2011 einen Rekordgewinn von 2,9 Milliarden Dollar ein.
Euro-Staatsanleihen
Extrem skeptisch ist Buffett, was die Zukunft des Euros betrifft. In ihrer jetzigen Form und der aktuellen Zahl an Mitgliedern sei ein Fortbestand der Euro-Zone nur schwer vorstellbar, sagte er kürzlich. Die Krise sei seit zwei Jahren absehbar gewesen. Deshalb habe man damals den größten Teil der Bestände an italienischen, spanischen und französischen Anleihen verkauft. Damit vermied Buffett vermutlich riesige Verluste.
IBM
Im vergangenen November verkündete Buffett, er habe fast elf Milliarden Dollar in den unter vielen Anlegern als langweiliges Unternehmen verschrienen IT-Giganten IBM investiert. Er lag damit richtig, wie sich mittlerweile herausgestellt hat. Mit dieser Position hat er inzwischen einen Buchgewinn von einer Milliarde Dollar eingefahren. Zuletzt kaufte Buffett sogar weitere Aktien zu.
Wells Fargo
Seit 2005 kauft Buffett in unregelmäßigen Abständen Aktien der nach Bilanzsumme viertgrößten US-Bank. Lange stand Wells Fargo von der Westküste, die fast kein Investment-Banking betreibt, im Schatten der Wall Street. Aber seit der Krise hat sich die Aktie besser geschlagen als die der Konkurrenz. Mitten in der Finanzkrise stockte Buffett seine Beteiligung um 586 Millionen Dollar bei einem Kurs von 19,67 Dollar auf. Heute steht die Aktie mit gut 34 Dollar satte 73 Prozent höher. Wells Fargo und IBM sind die größten Beteiligungen Buffetts an börsennotierten Firmen – hinter seinem Lieblingskonzern Coca-Cola. Er hält Aktien im Wert von fast 16 Milliarden Dollar an dem Brausehersteller. Hier ist er hinter der Dividende her, die seit 50 Jahren kontinuierlich gesteigert wurde. Auf Buffett entfielen 2011 378 Millionen Dollar der Coca-Cola-Dividende. Das ist ein satter Gewinn von fast zwölf Dollar die Sekunde vor Steuern.
„Eine dämliche Investition“
Conoco
Tröstlich ist, dass Buffett zuweilen die gleichen Fehler begeht wie viele Kleinanleger. Überzeugt von einem Trend, steigt man gerne dann ein, wenn die Kurse ihren höchsten Punkt bereits erreicht haben. Das passierte ihm etwa bei der Aktie des Mineralölkonzerns Conoco. Hier stieg er knapp vor Ausbruch der Krise teuer ein. Dann aber brach der Ölpreis drastisch ein und mit ihm auch der Kurs des Unternehmens. 2009 nannte er diese eine „dämliche Investition“.
Goldman Sachs
Richtig lag er mit der unpopulären Entscheidung, in Bankenaktien zu investieren. Er half der US-Investmentbank Goldman Sachs in der Krise mit hochverzinsten Krediten aus, die ihn jede Sekunde 15 Dollar reicher machten. Goldman beeilte sich denn auch, das Geld zurückzuzahlen. Aber Buffett ist derzeit ähnlich erfolgreich bei der Bank of America, die ihn – wie damals Goldman – zuletzt dringend als Ankerinvestor brauchte.
Kommunalanleihen
Es ist also meistens gut, auf Buffetts Prognosen zu hören. Seine letzten Warnsignale betreffen amerikanische Kommunen. Während der Markt deren Anleihen insgesamt immer noch als nahezu ausfallsicher ansieht, wendet er sich von ihnen ab. Vor einigen Wochen wurde bekannt, dass er Versicherungsverträge für Kommunalanleihen in Milliardenhöhe aufgelöst hat. Diese hätten ihm bei Zahlungsausfällen von Städten massive Verluste beschert. Er rechnet damit, dass die Zahl der Insolvenzen in diesem Bereich noch deutlich steigen wird. Allein im Juli erklärten sich drei Städte Kaliforniens bankrott, weil sie von Pensionslasten erdrückt wurden. Wenn Buffett mal wieder den richtigen Riecher hatte, werden städtische Pleiten bald steigen.



















