Anlageverhalten: Je klüger, desto Aktie

Anlageverhalten: Je klüger, desto Aktie

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Ein Börsenhändler an der Frankfurter Börse

Der homo investus scheint entschlüsselt: Je höher der IQ eines Menschen, desto eher kauft er Aktien. Beruf oder Einkommen spielen eine untergeordnete Rolle.

Seit Jahren schon untersuchen Banken und Investmentgesellschaften das rätselhafte Wesen: Den Anleger. Welche Aktien kauft er, wann kauft und verkauft er - und warum haben so wenig Menschen Aktien, wo sich doch so gut Geld damit verdienen lässt. Nun scheint die Antwort gefunden: Die Affinität zum Aktienhandel hängt mit dem Intelligenzquotienten zusammen. Je höher der IQ, desto mehr Aktien. Außerdem streuen Menschen mit einem hohen IQ ihr Risiko stärker. Das sagen jedenfalls finnische Forscher.

Das kuriose an der im Journal of Finance veröffentlichten Studie ist das Objekt: Mark Grinblatt, Matti Keloharju und Juhani Linnainmaa haben nämlich fast 20 Jahre lang das Verhalten von rund 160.000 finnischen Soldaten untersucht. Diese werden bei der Einberufung zum Militär einem Intelligenztest unterzogen. Das Militär hat die Ergebnisse der Tests jetzt für die Forschung freigegeben. Zusammen mit den Daten zur finanziellen Situation und dem Beruf der Soldaten sowie deren Anlageverhalten nach dem Ausscheiden aus dem Militär ergaben sie ein für die Forscher logisches Bild: Wer in jungen Jahren einen hohen IQ hatte, investierte später viel und erfolgreich in Aktien - und das unabhängig von Beruf und Einkommen.

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Zumindest letzteres dürfte allgemein keine allzu große Rolle spielen, wenn man beispielsweise an die Volksaktie der Telekom denkt. Die haben schließlich auch Alt- und Neuaktionäre jeden Alters, Berufsstandes und sicher auch IQs gekauft. Darüber hinaus ist Aktienbesitz Aktienbesitz - egal, ob es sich dabei um fünf oder 5000 Aktien handelt. Ihr Ergebnis untermauern die Forscher mit der recht steilen These, dass Menschen mit einem hohen IQ eher heiraten und Kinder bekommen. Um für deren Zukunft vorzusorgen, würden die Eltern in Aktien investieren. Darüber lässt sich mit Sicherheit trefflich streiten.

Dumme Nicht-Aktionäre?

Unbestritten ist jedenfalls, dass in dieser sehr homogenen Untersuchungsgruppe, die Zahl der Aktionäre bei den Klügsten um rund 20 Prozent höher war als bei denen, mit einem niedrigeren IQ. Zwar heißt es auch, dass Menschen, die die Börse nicht kennen, sich wundern, was dort geschieht. Die Frage ist nur, ob "nicht kennen" mit geringem IQ gleichzusetzen ist. Ein Manager einer amerikanischen Investmentfirma sieht es so, dass "Anleger mit hohem IQ eher bereit sind, Geld an den Finanzmärkten aufs Spiel zu setzen." Zugegeben: Ein Aktiendepot zu bestücken und zu verwalten, ist komplexer als ein Sparbuch. Der Umkehrschluss wäre nämlich, dass Aktienbesitzer klüger sind, als Nichtaktionäre - und das wäre eine durchaus gewagte These.

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Das würde nämlich bedeuten, dass es in Deutschland von rund 80 Millionen Einwohnern nur 4,1 Millionen Menschen mit Grips gibt. So viele hielten nämlich Ende 2011 Aktien. Bei den Amerikanern wäre dagegen jeder Zweite clever. Dort halten rund 50 Prozent der Bevölkerung Aktien. Wenn das nicht zum Nachdenken anregt.

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