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Anleger-Studie: Deutsche gehen auf Nummer sicher

von Mark Fehr und Saskia Littmann

Durch die Staatsschuldenkrise sind Anleger nicht nur verunsichert, einige legen ihr Geld vor lauter Ratlosigkeit gar nicht mehr neu an. Das zeigt eine aktuelle Umfrage.

Bargeld

In Krisenzeiten ist es sinnvoll, das Portemonnaie voll zu haben. Möglicherweise werden ec-Karten zur Bezahlung nicht akzeptiert, und Geldautomaten spucken kein Geld mehr aus. Sehr Vorsichtige horten das für vier Wochen nötige Bargeld im heimischen Safe. Nach einer Bankpleite müssen die EU-weit vorgeschriebenen gesetzlichen Einlagensicherungstöpfe einspringen. Sie sollen Guthaben von Girokonten, Tagesgeldern und Sparbüchern bis zur Höhe von 100.000 Euro nach maximal 20 Arbeitstagen wieder bereitstellen. Diese Zeit ist zu überbrücken.

Graue Flamme = Sicher bei Bankpleite, fünf rote Flammen = hohes Risiko

Bild: Sebastian_Wolf

Wohin nur mit dem lieben Geld? Das fragen sich offenbar viele Deutsche. Einer Umfrage der österreichischen Walser Privatbank zufolge, die der WirtschaftsWoche vorliegt, wissen rund Dreiviertel der Befragten nicht, wie sie ihr Geld sinnvoll anlegen sollen. Obwohl sie über ausreichend Kapital verfügen, verzichten rund 36 Prozent sogar ganz auf Neuinvestments.

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„Die Studie zeigt, dass die Anleger durch die Staatsschuldenkrise massiv verunsichert sind“, sagt Jürgen Herter, Leiter Private Banking bei der Walser Privatbank. das Meinungsforschungsinstitut YouGov befragte im Auftrag der Walser Bank insgesamt 1000 Investoren.

Grundsätzlich ziehen sich Anleger immer mehr in sichere Anlageformen wie Tages- oder Festgeld zurück. Den Umfrageergebnissen zufolge sind das mit 51 Prozent der Stimmen die beliebtesten Anlageprodukte. Angesichts der niedrigen Zinsen drohen da allerdings schnell negative Renditen. „Geld auf dem Bankkonto zu parken, vernichtet auf lange Sicht Vermögen“, sagt Herter.

Die beliebtesten Anlageprodukte

  • Wer hat gefragt?

    Im Auftrag der österreichischen Walser Bank hat das Meinungsforschungsinstitut YouGov 1000 Anleger nach ihren bevorzugten Anlageformen gefragt. Stand: Oktober 2012.

  • Platz 7

    Spekulative und hochriskante Anlagen wie Optionsscheine schaffen es mit sechs Prozent der Stimmen nur auf den siebten Platz.

  • Platz 6

    Rund elf Prozent der Stimmen bekommen themenorientierte Anlagen wie Zertifikate für Indizes oder einzelne Börsenwerte.

  • Platz 5

    Auf dem fünften Platz landen vermögenserhaltende Anlagen - bei niedrigen Zinsen ist kein Verlust auch ein Erfolg.

  • Platz 4

    Vermögensverwaltende Anlagen wie an der Börse gehandelte Fonds (ETFs) bekommen immerhin 26 Prozent der Stimmen.

  • Platz 3

    Immobilien gehören zu den klaren Favoriten der Anleger. 33 Prozent der Befragten bevorzugen Investments in Betongold.

  • Platz 2

    Gleichauf mit Immobilieninvestments sind Anlagen in Aktien oder anderen Sachwerten wie Gold.

  • Platz 1

    Sicherheit geht vor: Mehr als die Hälfte der Befragten (51 Prozent) bevorzugen Investments in sicherheitsorientierte Anlagen wie Tages- oder Festgeld und festverzinsliche Wertpapiere.

Durch die Flucht in sichere Investments wollten die Anleger ihr Geld schützen, erreichten damit aber das Gegenteil. In sei es in Zeiten von Schuldenkrise und niedrigen Zinsen aber wichtig, den Fokus auf den Erhalt des Geldes zu legen. Sichere und trotzdem gewinnbringende Anlagen sind der Schlüssel zum Erfolg.

Aktien haben es auf den zweiten Platz der Anlage-Beliebtheitsskala geschafft. Die Kurse legten in letzter Zeit kräftig zu, der Dax immerhin um 18 Prozent. Am Markt ließe sich gerade so etwas wie ein „Herdentrieb“ beobachten, sagt Jens Moestrup Rasmussen, Chief Portfolio Manager der dänischen Fondsgesellschaft Sparinvest. Anleger strebten nach vermeintlich „sicheren Häfen“ und das lasse die Kurse der Aktien steigen. Doch obwohl der Kauf von stabilen, dividendenstarken Titeln allerorts als gute Geldanlage angepriesen wird, halten sich offenbar gerade Privatanleger bei Aktieninvestments zurück.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 25.10.2012, 10:27 Uhraj1968

    Sparbuch, Tagesgeld, Bunds und Versicherungen waren schon immer die Lieblingskinder der Deutschen. Früher konnte man darüber nur den Kopf schütteln. Man konnte über die Mickerrenditen lachen und weinen, daß so viele erwachsene Menschen ein Heer von Versicherungvertretern mit Provisionen beglückten. Doch heute? Heute zieht kaum eine Anlageklasse mehr. Selbst die lange stabilen offenen Immobilienfonds werden eingestampft. Sparprodukte bringen eine 0%-Rendite. Aktienmärkte haben 3 schwere Crashs in einem Jahrzehnt produziert - wer hat da noch Vertrauen?
    Wir leben in Zeiten des Anlagenotstandes und der finanziellen Repression. Jeder Sparer muss daraus seine eigenen Schlüsse ziehen.

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