Anlegerschutz: Wo Ölinvestoren Verluste tatenlos ertragen müssen

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Anlegerschutz: Wo Ölinvestoren Verluste tatenlos ertragen müssen

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Welche Risiken Anleger in Gas- oder Ölprojekten kennen sollte

von Martin Gerth

An Öl- und Gasförderprojekten können sich Anleger meist über geschlossene Fonds oder weniger regulierte Vehikel beteiligen. Was jeder wissen sollte, der sich an Öl- und Gasprojekten beteiligen will.

Bis Juli 2013 haben Emissionshäuser Geld für Öl- und Gasprojekte meist über geschlossene Fonds in Form einer Kommanditgesellschaft eingesammelt. Anleger haben als Kommanditisten über Gesellschafterversammlungen Mitspracherechte. In der Praxis üben die Anleger diese Rechte meist nicht selbst aus, sondern übertragen diese auf einen Treuhänder, der die Fonds eigentlich im Interesse der Anleger kontrollieren soll. Oft jedoch stehen sich der Treuhänder und das Emissionshaus personell oder geschäftlich nahe. Es kommt daher häufig vor, dass die Treuhänder zugunsten des Emittenten entscheiden.

Der Verfall des Ölpreises kommt beim Verbraucher an

  • Warum werden Benzin und Diesel plötzlich billiger

    Das liegt im wesentlichen am Preisrutsch für Rohöl. Der Ölpreis hat sich jahrelang weitgehend in einem Preisband zwischen 100 und 115 Dollar für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent bewegt. Diesen Korridor hat der Preis Anfang September verlassen und ist im Oktober nochmals kräftig abgestürzt, auf nur noch 85 Dollar. Die subjektive Wahrnehmung der Autofahrer, dass Benzin und Diesel immer teurer werden, wird von den Daten seit 2012 nicht mehr gedeckt.

  • Wie konnte es zu dem Preisrückgang beim Rohöl kommen?

    Auf der Angebotsseite ist reichlich Öl vorhanden. „Die Reaktion der Produzenten lässt auf sich warten“, sagt der Hamburger Energieexperte Steffen Bukold. Saudi-Arabien, das innerhalb des Opec-Kartells sonst die Feinsteuerung des Marktes übernommen hat, will nicht allein seine Produktion kürzen. Dahinter steht ein Kampf um Marktanteile in Asien, wo für die Opec-Staaten die einzig wachsenden Absatzmärkte für ihr Öl liegen. Die Nachfrage nach Öl verläuft wegen der verhaltenen Weltkonjunktur zudem flau und kann den Preis nicht stützen.

  • Werden wegen des niedrigen Ölpreises nun Ölförderanlagen abgestellt?

    Das ist mittelfristig denkbar, geht aber nicht so schnell. Manche Förderanlagen könnten unrentabel werden, wenn der Ölpreis noch weiter fällt und dauerhaft niedrig bleibt. Ob es dazu kommt, ist noch nicht absehbar. Zudem bekommen viele Förderländer - auch Russland - bei einem Ölpreis deutlich unter 100 Dollar ein Problem mit der Finanzierung ihres Staatshaushalts. Bislang allerdings liegt der durchschnittliche Ölpreis für 2014 immer noch bei 106 Dollar, nach 109 im Vorjahr. Das ist für die Ölländer noch kein schlechtes Jahr.

  • Ist der gesunkene Rohölpreis voll bei den Endverbrauchern angekommen?

    Nach dem Energiepreis-Monitor der European Climate Foundation sind die Preise für Energierohstoffe währungsbereinigt im September um 1,2 Prozent gefallen und gleichzeitig die Verbraucherpreise für Kraft- und Schmierstoffe um 0,4 Prozent gestiegen. Anders als in Frankreich und Italien. „Ein Teil des Anstiegs ist nur so zu erklären, dass fallende Rohstoffpreise nicht eins zu eins auf Verbraucherebene weitergegeben wurden“, heißt es in der Mitteilung der Stiftung. Die Branche bestreitet das: „Der harte Wettbewerb der Tankstellen in Deutschland sorgt dafür, dass der gesunkene Ölpreis über niedrigere Benzin- und Dieselpreise auch bei den Verbrauchern ankommt“, sagte ein Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) in Berlin.

  • Werden Ölprodukte in der nächsten Zeit noch billiger?

    Das kann niemand sagen. Schon bislang ist der Preisrückgang gebremst worden, weil der Euro gegenüber dem Dollar an Wert verloren hat. Für einen Euro bekommt ein Ölimporteur nur noch 1,28 Dollar, das sind 10 Cent weniger als vor ein paar Monaten. Deshalb braucht er mehr Euro, um die gleiche Menge Dollar für den Ölkauf aufzubringen. Fällt der Euro noch weiter, ist das schlecht für den Autofahrer. Der Ölpreis selbst hat nach unten vielleicht weniger Luft als nach oben. Gibt die Opec bei ihrer nächsten Sitzung im November ein klares Signal, dann kann der Preis auch schnell wieder in den alten Preiskorridor oberhalb von 100 Dollar zurückkehren, meint Ölexperte Bukold.

Flucht vor Regulierung

Mit Einführung des Kapitalanlagengesetzbuches im Juli 2013 wurden geschlossene Fonds deutlich stärker reguliert. So müssen die Emissionshäuser eine Bank oder einen Treuhänder als unabhängige Verwahrstelle für Gelder der geschlossenen Fonds engagieren. Die Verwahrstelle prüft alle Geschäftsvorgänge. Zudem benötigen die Emittenten eine Zulassung der Finanzaufsicht BaFin. Folge: Es wurden deutlich weniger geschlossene Fonds aufgelegt. Anbieter von Öl- und Gasbeteiligungen wichen auf weniger regulierte Anlagevehikel aus, etwa auf stille Beteiligungen oder Namensschuldverschreibungen, spezielle nicht handelbare Kreditpapiere. Die haben diverse Nachteile:

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  • Bei Namensschuldverschreibungen haben Anleger überhaupt nichts mehr zu melden, sie bekommen nur Zinsen. Im Prospekt der „US Öl und Gas NSV 6“ des Emittenten ECI steht, dass der Anleger „nicht Gesellschafter der Emittentin wird“. Deshalb nehme er auch nicht an Gesellschafterversammlungen teil und habe kein Stimmrecht.
  • Inhaber stiller Beteiligungen haben nur Anspruch auf einen Anteil am Gewinn und nach Laufzeitende auf ihren Einsatz nach Kosten. Bei Insolvenz gibt es den erst nach Abzug des auf den Kapitalgeber entfallenden Anteils am Verlust. Im schlimmsten Fall bekommt er nichts. Bei Texxol sind Anleger mit 75 Prozent am Gewinn und Verlust beteiligt.
  • Auch Inhaber von Namensschuldverschreibungen können ihren Einsatz verlieren. Besonders riskant sind nachrangige Schuldverschreibungen wie sie ECI für „US Öl und Gas NSV 6“ aufgelegt hat: Anleger müssen sich in der Schlange der Gläubiger ganz hinten einreihen.
  • Stille Beteiligungen und Schuldverschreibungen werden nicht öffentlich gehandelt. Vorzeitig verkaufen geht nicht.

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Anbieter sagen oft, dass die Anlegergelder mit Sachwerten gesichert seien, etwa mit Immobilien. Das hilft aber nur, wenn Anleger direkten Zugriff auf Immobilien, Flugzeuge oder Förderrechte haben.

Bei ECI sind die Anleger über die Namensschuldverschreibung lediglich an der Deutschen Oel & Gas beteiligt und nicht direkt an den Förderrechten für Öl. Dass Anleger im Ernstfall auf die Ölquellen zugreifen und Öl verkaufen können, ist unrealistisch.

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