Anleihegläubiger: Windreich-Anleger müssen zusammen kämpfen

Anleihegläubiger: Windreich-Anleger müssen zusammen kämpfen

von Kerstin Dämon

Die Anleihegläubiger des insolventen Unternehmens Windreich müssen jetzt aktiv werden und sich mit anderen Anlegern zusammen schließen. Einzelne Anleger haben kaum Chancen ihr Geld wiederzusehen.

Im September hat der Windpark-Entwickler Windreich Insolvenz in Eigenverantwortung angemeldet. Seitdem ist der Kurs der Anleihe regelrecht abgestürzt. Die Anleger zittern nun, ob sie ihr Geld wiedersehen oder ob die Insolvenz droht und sie nehmen müssen, was von der Konkursmasse übrig bleibt. In diesem Fall können sie höchstens mit 15 bis 20 Prozent des investierten Geldes rechnen, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Zuerst wird die Bank ausbezahlt, dann die offenen Rechnungen und zum Schluss kommen die Anleihegläubiger." Sie werden also nachrangig behandelt. Sollte das Unternehmen fortgeführt werden, haben die Anleger also bessere Chancen mehr zurückzubekommen.

Was ändert sich am Insolvenzrecht?

  • Was ändert sich für Gläubiger?

    Die Gläubiger sollen mehr Rechte bekommen und so beispielsweise Einfluss auf die Auswahl des Insolvenzverwalters bekommen. Auch bei der Anordnung der Eigenverantwortung soll ein Gläubigerausschuss mitbestimmen können. Die Meinung des Gläubigerausschusses soll unter gewissen Umständen für den Richter bindend sein.

  • Was ändert sich für Schuldner?

    Nach neuem Recht hat ein Schuldner eine dreimonatige Schonfrist, bevor der Kuckuck anklopft. Sobald die Zahlungsunfähigkeit am Horizont auftaucht, kann der Schuldner unter Aufsicht eines vorläufigen Sachverwalters in Eigenverwaltung einen Sanierungsplan ausarbeiten. Anschließend kann der Plan als Insolvenzplan umgesetzt werden. In dieser Zeit ist der Schuldner vor seinen Gläubigern geschützt, Gerichte sollen eventuelle Zwangsvollstreckungen vorläufig einstellen können. So soll der Schuldner die Chance bekommen, sein Unternehmen zu sanieren, ohne dass ihm schon die Maschinen aus der Fabrik getragen werden.

  • Wer ist zuständig?

    Dank der Gesetzesreform soll sich künftig nur noch ein Insolvenzgericht pro Landgerichtsbezirk mit den Unternehmens- und Verbraucherinsolvenzen beschäftigen.

  • Wer kümmert sich ums Geld?

    Damit auch bei Insolvenz Finanztransaktionen ordentlich zu Ende gebracht werden, soll die Rolle von Clearinggesellschaften gestärkt werden. Solche Clearinghäuser sind dafür zuständig, im Finanzsektor gegenseitige Forderungen und Verbindlichkeiten festzustellen und Wertpapiertransaktionen zu verbuchen. Ihnen kommt eine Art Treuhänderfunktion zu.

  • Wo erfahre ich, wer insolvent ist?

    Die Insolvenzstatistiker sollen mehr Rechte bekommen: Künftig stehen der Ausgang von Insolvenzverfahren sowie belastbare Angaben über die finanziellen Ergebnisse in der Statistik. Dazu gehören zum Beispiel die Zahl der erhaltenen Arbeitsplätze und die Höhe der Gelder, die die Gläubiger bekamen.

Dafür sollten sie sich auf jeden Fall mit anderen Betroffenen zusammenschließen, rät die DSW. Nach dem neuen Insolvenzrecht haben sie die Möglichkeit, ihre Interessen im vorläufigen Gläubigerausschuss zu vertreten. "Die Anleger müssen sich in irgendeiner Form zusammenschließen", rät Kurz. So vertritt beispielsweise Klaus Nieding von der Frankfurter Anwaltskanzlei Nieding + Barth Anleihebesitzer im Gläubigerausschuss. Betroffene können sich aber auch an die DSW wenden. Nur vom Alleingang rät der Experte dringend ab. "Einzelanleger haben kaum Chancen, ihre Interessen zu vertreten, dafür haben sie zu wenig Gewicht."

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Schließlich müsse man auch bedenken, dass nicht alle Gläubiger ein Interesse daran haben, dass Windreich sich noch einmal erholt. "Wenn unter den Gläubigern Hedgefonds sind, die die Anleihe für 15 oder 20 Euro gekauft haben, profitieren die von einer Regelinsolvenz." Deshalb sei es so wichtig, dass Privatanleger mit einer Stimme sprechen - und sich nicht irgendeinem Anwalt anschließen, der ein oder zwei Betroffene vertritt. Allerdings lohnt sich die Mühe nicht für alle Anleger, weiß Kurz. Wer nur eine geringe Summe in Windreich-Anleihen investiert hat, verzichte erfahrungsgemäß eher auf langwierige Verfahren. Dementsprechend sollten Gläubiger gut überlegen, ob sie den möglichen Verlust verkraften können und wollen. Wer dagegen für sein Geld kämpfen will, muss jetzt aktiv werden.

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