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Ansgar Guseck: „Folgen Sie dem Fondsmanager“

von Dörte Jochims Quelle: Handelsblatt Online

„Verkaufen“ lautet die klare Strategie der Sauren Dachfonds, wenn bei einem Fonds im Portfolio der Manager geht. Macht er sich dann mit einem eigenen Fonds selbstständig, stehen die Dachfondsverantwortlichen bei Sauren in den Startlöchern. Vorstand Ansgar Guseck erläutert, was von Managerwechseln zu halten ist.

Börse in Frankfurt. Auf den richtigen Fondsmanager kommt es an. Quelle: dpa
Börse in Frankfurt. Auf den richtigen Fondsmanager kommt es an. Quelle: dpa

Handelsblatt Online: Herr Guseck, im Juli hat beim Aktienfonds Fidelity European Growth der Fondsmanager gewechselt. Haben Sie sich bereits eine Meinung zu Mark Siddle bilden können?

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Ansgar Guseck: Ein Kollege hat mit dem neuen Manager gesprochen und sich ein Bild gemacht. Ich konnte aber den Bericht noch nicht lesen, da ich heute erst aus dem Urlaub zurückgekehrt bin. Mit unseren Dachfonds investieren wir ohnehin selten in derart große Portfolios. Wir sind also vom Wechsel nicht direkt betroffen.

Sauren Research bewertet keine  Fonds, sondern Fondsmanager. Nur wer dauerhaft einen Mehrwert gegenüber der Benchmark erzielen kann, erhält Goldmedaillen.  Ihre Dachfonds investieren dann in die Besten der Klasse. Ist damit Ihre Anlagestrategie richtig beschrieben?

Grundsätzlich ja. Als wir 2002 unser Fondsmanager-Rating ins Leben gerufen haben, gab es nur quantitative Ratings auf den Markt. Doch das reichte uns nicht. Wir haben uns gefragt, was die wichtigsten Erfolgskriterien bei Fonds sind. Stets beeinflussen mehrere Faktoren die Performance eines Fonds. Aber letztlich ist es der Fondsmanager, der die entscheidende Rolle spielt. Denn er übernimmt die Verantwortung für ein Portfolio. Bei erfolgreichen Managern versuchen wir dann einzuschätzen, ob er seinen Erfolg wiederholen kann. Dazu wollen wir wissen, wie die Manager ticken, woher die Performance kommt und was sie anders machen als andere.

Wenn nun bei einem Fonds, in den Sie investiert haben, der Manager geht; steigen Sie aus?

Ja. Bisher sind wir nur einmal investiert geblieben, weil wir rechtzeitig informiert wurden und die Nachfolgerin bereits sehr gut kannten. Aber grundsätzlich ziehen wir nach dem Weggang eines Managers die Reißleine. Wir warten auch keine Gespräche mit dem neuen Verantwortlichen ab. Denn unser Hauptgrund zu investieren, ist die Qualität des Fondsmanagers. Die Fondsgesellschaften wissen aber, dass wir in solchen Fällen aussteigen.

Muss denn ein Fondsmanagerwechsel für Anleger grundsätzlich schlecht sein?

Jein: Ist der Manager, der das Portfolio vorher verwaltet unterdurchschnittlich, kann es für Anleger durchaus positiv sein, wenn er ersetzt wird. Ist der Manager jedoch top –dann ist ein Weggang problematisch.

Gab es Situationen, wo es für Sie nachteilig war, auf Grund eines Wechsels auszusteigen?

Wenn wir verkauft haben, beobachten wir die Fonds nicht mehr systematisch. Schließlich  haben wir nach dem Verkauf bessere Optionen, um  Geld zu investieren. Aber wir hatten vor einiger Zeit tatsächlich so einen Fall. Wir hatten Kapital abzogen, weil es bedeutende Veränderungen auf Ebene der Fondsgesellschaft gab und es unklar war, was mit dem Fondsmanager passieren würde. Doch dann entwickelte sich alles zum Besseren und die neuen Rahmenbedingungen sind mindestens gleichgut. Wir sind dann wieder eingestiegen.


Große Gesellschaften haben es leichter

Sind Managerwechsel bei großen Gesellschaften ungefährlicher?

Es gibt in der Tat einige Beispiele, wo Wechsel gut aufgefangen wurden. Denn großen Gesellschaften fällt es oft leichter, Ersatz in den eigenen Reihen zu finden oder anzuwerben. Bei Fondsboutiquen sind dagegen die Auswirkungen meist dramatischer.

Sie setzen oft auf Fonds, die Starmanager nach dem Weggang bei einer großen Gesellschaft in Eigenregie neu auflegen. Das war auch bei Graham Clapp der Fall, dem ehemaligen Manager des Fidelity European Growth. Warum?

Dann ist die Situation für uns oft optimal. So fiel uns Graham Clapp bereits auf, als er noch Fondsmanager bei Fidelity war. Er konnte selbst bei der Vielzahl von Fondspositionen überzeugend erklären, warum er in dem jeweiligen Titel investiert ist. Das Besondere bei Clapp waren nicht die 50 Analysten, auf die er bei Fidelity zurückgreifen konnte, sondern das er es sehr genau versteht die entscheidenden zwei bis drei Erfolgsfaktoren bei einem Unternehmen einzuschätzen. Auf den Erfahrungsschatz von über 10.000 Unternehmensgesprächen kann Clapp auch heute noch zurückgreifen, da er sämtlichen Notizen  mitnahm, als er den neuen Fonds bei der neu gegründeten Gesellschaft Pensato auflegte. Wir trafen ihn, als die Büromöbel noch nicht geliefert waren und haben am ersten Tag investiert. Es lief hervorragend. Da wir Manager wir Clapp mitunter zu einem sehr frühen Zeitpunkt unterstützen haben wir dann einen direkten Draht  zu ihm. Das ist bei sehr großen Gesellschaften in der Regel kaum möglich.

Wie genau beobachten Sie nach einem Wechsel den Manager?

Sehr genau. So muss  der Fondsmanager oft in einem völlig anderen Umfeld zurechtkommen. Wir schauen uns daher genau an, ob die Infrastruktur stimmt.  Wie ist beispielsweise der Handel organisiert, wer ist die Depotbank und sind gute Leute im Team. Es ist wichtig, dass sich der Manager auf sein Portfolio konzentrieren kann. Gerade wenn sich ein Fondsmanager, der zuvor bei einer großen Gesellschaft war, selbstständig macht, muss das Geschäftsmodell stimmen und die Firma ausreichend kapitalisiert sein

Hat der Trend zu Fondsmanagerwechseln eigentlich zugenommen?

Es haben zwar gerade die Fondsverantwortlichen bei einigen prominenten Portfolios gewechselt. Doch unterm Strich passiert seit der Finanzkrise eher weniger. Wir beobachten derzeit aber das viele Bankenteams sich selbstständig machen und Hedgefonds auflegen.

Vielen Dank für das Interview.

Ansgar Guseck ist seit 14 Jahren im Investmentgeschäft und Vorstand der Sauren Fonds-Research AG. Dort ist er mitverantwortlich für mehrere Dachfonds. Das Haus setzt bei allen Investments vor allem auf die Qualität der Fondsmanager. Mit Erfolg: Von neun Dachfonds, die von der Ratingagentur Morningstar bewertet werden, halten sieben Spitzennoten.

 

 

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