Bankenpanik: Pleitegeier über China

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Bankenpanik: Pleitegeier über China

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Um die Ängste der Sparer vor einer Bankenpleite zu zerstreuen, stapelte der Direktor der Jiangsu Sheyang Rural Commercial Bank 100-Yuan-Noten hinter den Fensterscheiben

von Philipp Mattheis

Zwar droht China trotz vereinzelter Pleitegerüchte keine Bankenpanik, dennoch vertrauen die Sparer lieber auf Gold. Warum es in Chinas Finanzsystem in den nächsten Monaten turbulent zugehen wird.

Wie sicher ist mein Geld? Das fragten sich vergangene Woche viele chinesische Sparer in Yancheng. In der Stadt in der Provinz Jiangsu nördlich von Shanghai kam es am Montag vergangener Woche zu einer Bankpanik. Hunderte von Sparern marschierten vor dem Bankgebäude auf und verlangten nach Geld.

Der Bankdirektor der Jiangsu Sheyang Rural Commercial Bank stapelte daraufhin 100-Yuan-Noten hinter den Fensterscheiben, ließ die Schalter rund um die Uhr geöffnet und versicherte, die Regierung stehe hinter der Bank. Nach drei Tagen schließlich beruhigte sich die Menge. Erst im Januar war es in derselben Stadt zu einem ähnlichen Vorfall gekommen: Eine Volksbank für Bauern war das Geld ausgegangen und schloss vorübergehend die Türen.

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Auslöser der Panik dieses Mal waren Gerüchte, wonach die Bank einem Kunden die Auszahlung von 200.000 Yuan, rund 25.000 Euro, verweigert hätte. Viele der Kunden sind Geringverdiener und Bauern. An anderer Stelle hieß es gar, die Bank sei zahlungsunfähig. Die Meldungen erwiesen sich später als falsch. Der Urheber der Gerüchte wurde noch in derselben Woche verhaftet. Die chinesische Bankenvereinigung verkündete daraufhin, dass es für die Sheyang Bank kein Bankrott-Risiko gebe.

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Quelle: rtr

Daran gibt es zunächst wenig zu zweifeln: Chinas Regierung hat genug Geld und Willen, um Banken, die in eine Schieflage geraten sind, mit Kapital zu versorgen. Für die vier großen Staatsbanken, Industrial and Commercial Bank of China, Bank of China, China Construction Bank und die Agricultural Bank of China, hat die Regierung eine implizite Garantie ausgegeben. Die Institute werden wenn nötig vom Staat gerettet.

Die Mini-Panik in Yancheng ist also nicht der Auftakt zu einer landesweiten Sparerpanik. Aber sie offenbart wieder einmal die Unausgereiftheit des chinesischen Finanzsystems.

Für chinesische Sparer ist die Lage alles andere als erfreulich. Die staatlich festgelegten Zinsen gleichen kaum die Inflation aus. Der Aktienmarkt in China hat nach etlichen Skandalen einen sehr schlechten Ruf. So suchen Chinesen, die im Schnitt rund 30 Prozent ihres Einkommens zurücklegen, ständig nach alternativen Anlageformen. Ein Grund für die hohe Sparquote sind fehlende soziale Sicherungssysteme. Chinesen legen einerseits Geld zurück, um ihre Eltern zu versorgen, andererseits, um ihren Kindern Ausbildung und Wohneigentum zu finanzieren.

Lange Zeit floss das Geld der chinesischen Sparer in den Immobilienmarkt und heizte dort die Preise immer weiter an. Seitdem die Regierung den Kauf von Häusern und Wohnungen für Privatpersonen erschwert hat, wird Gold immer attraktiver. Im vergangenen Herbst hat die Regierung angekündigt, den Golderwerb für Banken und Einzelpersonen zu vereinfachen - bisher dürfen nicht mehr als 200 Gramm aus dem Ausland eingeführt werden. Zahlen veröffentlicht die Regierung nicht, aber laut der World Gold Association ist China seit letztem Jahr der größte Gold-Importeur der Welt. 1100 Tonnen importierte das Land 2013 - ein Drittel mehr als im Jahr zuvor.

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