Bankenregulierung: Vom Bankberater verabschieden und Vermögen aufbauen

Bankenregulierung: Vom Bankberater verabschieden und Vermögen aufbauen

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Die Finanzmarktregulierung sorgt dafür, dass Anleger kaum noch individuelle Wertpapierberatung erhalten, sondern nur angeboten bekommen, was regelkonform und unbürokratisch ist

von Stefan Hajek

Politiker wollten Auswüchse wie Lehman-Zertifikate für Rentnerinnen und überteuerte Fonds verhindern. Doch die komplexe Welt der Finanzmärkte lässt sich nicht in Paragrafen und Formulare pressen. Wer chancenreich anlegen will, muss sich von den unter neuen Regeln ächzenden Banken und Beratern befreien.

Kennen Sie den? Kommt ’n Mann zur Bank...“ Es klingt wie ein Witz, ist aber bierernst, was sich in deutschen Banken täglich abspielt. Rolf Wagner hat es erlebt. Ein Depot hatte er geerbt: drei Aktienfonds, ein Mischfonds, zwei Rentenfonds, ein paar Pfandbriefe und Anleihen, ein Immobilienfonds und – weil sein Opa dort ein Leben lang gearbeitet hatte – ein großer Posten Aktien eines Dax-Konzerns. Wagner, Naturwissenschaftler „mit wenig Spaß an der Lektüre von Anlageratgebern und Börsenbüchern“, rief seine Bank an. Er wollte sich beraten lassen, ob das Depot okay sei oder ob er umschichten solle.

Er bekam zwar sofort einen Termin, der aber lief etwas anders als erwartet. Der Berater runzelte die Stirn, murmelte etwas von „sehr hohem Aktienanteil“, „breiterer Risikostreuung“ und „subjektiver Risikotoleranz“. Als Wagner nachfragte, welche Papiere er denn nun behalten und welche er verkaufen solle, schaltete der Berater auf stur. Zu einzelnen Wertpapieren könne er gar nichts sagen, „da müssten Sie sich dann in der Presse oder im Internet selbst eine Meinung bilden“. Wagner war perplex; die Neuordnung seines Erbes hat er erst mal aufgeschoben, „auf unbestimmte Zeit“.

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Beratung ist gefährlich und teuer für die Bank

Dass der Banker nicht wollte, wundert Uwe Eilers nicht: „Ein solches Depot hätte einige Stunden Verwaltungsaufwand gekostet“, sagt der Gründer und Chef des Vermögensverwalters Geneon aus Königstein. „Zu jeder einzelnen Aktie, zu jedem Fonds und zu jeder Anleihe muss der Berater den Kunden über alle möglichen Risiken aufklären und danach ein jeweils sieben- bis neunseitiges Protokoll erstellen.“

Wenn dann am Ende eine Aktienposition und ein Fonds ausgetauscht werden, hat die Bank ein paar Hundert Euro draufgezahlt; und sie macht sich juristisch angreifbar, wenn sie schlampig beraten hat.

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Die Finanzkrise hat einen Regulierungsschub ausgelöst: Seit 2010 müssen Berater minutiös dokumentieren, was sie mit ihren Kunden besprechen; für jeden Fonds, jedes Zertifikat und jede Aktie müssen sie ein „Produktinformationsblatt“ aushändigen. Mehrere Rundschreiben der Aufsicht BaFin regeln bis in Detail, wie und was der Banker empfehlen darf – und was nicht.

„Die Folge ist, dass sich immer mehr freie Berater, aber auch kleinere Banken, Sparkassen und Fondsboutiquen ganz aus der Anlageberatung zurückziehen“, sagt Eilers. „Der bürokratische Aufwand im Verhältnis zum Ertrag ist zu groß; für ein Depot mit 10 bis 20 Wertpapieren kommt schnell ein Kostenaufwand von etwa 1000 Euro im Jahr zusammen.“

Regulierung soll Transparenz schaffen

Sicher: Die Politik musste die Anlageberatung härter regulieren. Wer älteren Damen hochriskante Schiffsfonds mit 20 Prozent Nebenkosten als „schwimmenden Pfandbrief“ oder Lehman-Zertifikate als Sparbuchersatz andreht, braucht sich nicht zu beschweren, wenn ihm der Regulierer stärker auf die Finger schaut.

„Regulierung ist immer dort gut, wo sie mehr Transparenz schafft, zum Beispiel bei den Kosten“, sagt Markus Sievers, Geschäftsführer des Fondsanbieters Apano in Dortmund, „was früher nicht so selten war, etwa Vermittler, die einen geschlossenen Fonds mit verdeckten Kosten von bis zu 20 Prozent als günstig verkauften, das geht heute zum Glück nicht mehr.“

Niemand will zurück in die fast unregulierten Kapitalmärkte vor 1998, als schwarze Schafe fast im rechtsfreien Raum agieren konnten. Doch hat der Staat unter dem Etikett Verbraucherschutz ein Bürokratiemonster geschaffen, das oft das genaue Gegenteil dessen bewirkt, was es fördern sollte: unabhängige kompetente Beratung.

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