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Bankenskandal: Spaniens Sparer haben schon verloren

von Stefanie Claudia Müller

Ein Anleihen-Skandal in Spanien zeigt: Von der Rettung der Banken mit Steuergeldern profitieren die Kunden nicht. Die Sparer haben zum Teil schon viel Geld verloren.

Quelle: dapd
Quelle: dapd

Antonio Pérez* ist Taxifahrer. Die Zahl seiner täglichen Fahrten in der galizischen Hafenstadt La Coruña hat sich in den vergangenen Monaten halbiert. Aber das ist nicht sein wirkliches Problem. Der 58-Jährige hatte schon lange geahnt, dass die Boom-Jahre der spanischen Wirtschaft irgendwann vorbei sein würden. Womit er jedoch nicht gerechnet hatte: „Dass ich die für diese Zeit angesparten 40.000 Euro jemals verlieren könnte.“

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Pérez hat sein Geld in Anleihen der Novagalicia Banco gesteckt. Eigentlich eine sichere Sache. Doch nun, da eine Bank nach der anderen über die Klinge springt, erweist sich die Investition als hochriskant. Denn sein Geld hat Pérez in Bank-Hybrid-Papieren geparkt. In den vergangenen Jahren wurden die komplexen Finanzprodukte von spanischen Banken im großen Stil beworben und in die Anlegerdepots gedrückt, obwohl sich die Probleme im Bankensektor da schon längst abgezeichneten.

Spanien hat wie die anderen südeuropäischen Euro-Länder von den niedrigen Zinsen in der Währungsunion profitiert und einen kräftigen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Ähnlich wie in Irland bildete sich eine Immobilienblase, die mit einem lauten Knall platzte: Der Bausektor fiel in sich zusammen, die Arbeitslosigkeit stieg rasant.

Bild: REUTERS

Das Wasser bis zum Hals

Banken und Sparkassen verkauften die Mischprodukte ihren Kunden dennoch als eine sichere Festgeldanlage, bei der das investierte Kapital nach Ablauf einer Frist wieder ausbezahlt werden würde. Die erst 2010 gegründete Bankia drehte insgesamt 92.000 Anlegern die Papiere an; im Durchschnitt investierten diese 30.000 Euro. Landesweit überredeten die Berater von mehr als 50 Banken rund 700.000 Kunden, ihr Sparkonto in ein sogenanntes „Vorzugskonto“ mit Hybrid-Anleihen umzuwandeln – vielen Geldinstituten stand da schon das Wasser bis zum Hals.

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Um die Liquiditätsprobleme zu lösen, lockten die Banken und Sparkassen Interessenten mit großzügigen Konditionen: Statt nur zwei Prozent auf Spareinlagen sollte Pérez von seiner Hausbank sechs Prozent Zinsen für die Hybrids bekommen. Was sein Berater jedoch verschwieg: Die Dividendenzahlungen wurden nicht garantiert, und die Laufzeit der Anleihen war oft nicht fixiert, teilweise überleben sie ihre Besitzer.

*Name von der Redaktion geändert

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.08.2012, 12:17 UhrLilly

    @pulpazos ..."meine Familie hat auch Ihr erspartes verloren."

    Das tut mir sehr leid für Sie und Ihre Familie. Sind zur Zeit nicht einige Banker der "Bankia" vor Gericht bzw. angeklagt. Jedenfalls habe ich davon gelesen.

    Anderes Thema, vielleicht schauen Sie sich einmal den Bericht der Süddeutschen Zeitung an, Zitat:

    "Reiche Südeuropäer ziehen seit Monaten ihr Vermögen aus der Heimat ab. Allein aus Spanien verschwanden im ersten Quartal dieses Jahres lautlos 163 Milliarden Euro. Das spüren vor allem die klammen Finanzminister."

    und weiter: ...

    "Reiche Bürger aus Südeuropa ziehen seit Monaten lautlos ihre Ersparnisse vom heimischen Konto ab. Sie deponieren das Vermögen in anderen, sicheren Teilen Europas. Griechen, Spanier und Italiener bringen ihr Geld in die Schweiz - oder zumindest nach Deutschland und in andere Staaten, die als Hort der Stabilität gelten. Sie lagern es dort, wo ein hoffentlich werthaltiger Nord-Euro eingeführt wird, wenn alles schiefgegangen ist und die gemeinsame Währung zerbricht."

    Hier der Link:
    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/euro-krise-reiche-suedeuropaeer-bunkern-ihr-geld-im-norden-1.1429224

  • 03.08.2012, 11:23 UhrJerryKraut

    Das blüht den deutschen Sparern auch noch. Anstatt die Bänkster zu retten, sollte man den spanischen Taxifahrern etc. Ihre Einlagen ersetzen. Damit wäre mehr für die Ankurbelung der Wirtschaft getan.

  • 03.08.2012, 10:04 UhrSpanishu

    Das Problem ist nicht nur bei den Banken sonder auch generell in der Wirtschaft. So steht immer noch im Vordergrund "Wen ich kenne" und nicht "Was ich kann" wenn positionen besetzt werden. Das Leute sich "blind" in Angebote der Banken gestürzt haben ist sicherlich eine Schande aber alle sind mindestens 18 Jahre alt gewesen und sollen lesen können. Dort wahren viele der Punkte die heute kritisiert werden aufgestellt (wie z.B. das die Anleihen Lebenslänglich sind). Desweiteren ist es auch kurios das Leute aufschreien wenn sie in Banken investiert haben und wir seit mehr als 4 Jahren in eine Bankenkrise leben.
    Ähnlich wäre es wenn man nun sagt das man verluste beim Lotto oder Roulette spielen vom Staat wieder haben will. Bezüglich der Kurse... vielleicht einmal Bankia Aktien vor 2 wochen mit dem heutigem Stand vergleichen. Es gibt da Leute die viel Geld mit nichts verdient haben.
    Das die schuldigen in den Knast müssen ist richtig. Das braucht das Volk um auch Gerechtigkeit zu spüren. Aber es sind an alle dem nicht nur die Bänker schuld. Es wurde keiner Gezwungen an dem Wahnsinn der Inmobilien mit zu machen....

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