Behavioral Finance: Wie der Mandelkern unsere Investments beeinflusst

Behavioral Finance: Wie der Mandelkern unsere Investments beeinflusst

Liquidität, Risikoneigung, Inflationsängste, Sparziele - unser Anlageverhalten wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Auch eine kleine Region im Gehirn spielt eine entscheidende Rolle und sorgt dafür, dass Anleger gerade bei Aktieninvestments schnell den Schwanz einziehen.

Spätestens seit der Finanzkrise wissen die meisten, dass die wenigsten von uns immer rational handeln. Das gilt auch für unsere Anlageentscheidungen. Ob wir eher in Autoaktien investieren oder auf einen steigenden Dollar wetten, ist auch oft eine Frage der Gefühle. Zumindest unterbewusst werden diese Entscheidungen gesteuert. Und obwohl uns das Dilemma bewusst ist, treffen wir trotzdem oft die falschen, irrationalen Anlageentscheidungen. Doch woran liegt das? In einem aktuellen Aufsatz analysieren die Anlageexperten von Franklin Templeton Investments, wie uns bestimmte Regionen unseres Gehirns eine Falle stellen und zu falschen Anlageentscheidungen verführen.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

  • Eigene Strategie festlegen

    Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

  • Widerstandskraft zeigen

    Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

  • Richtig mischen

    Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

  • Barrieren einbauen

    Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

  • Herdentrieb beobachten

    Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

  • Risiko rausnehmen

    Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

  • Insidern folgen

    Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

  • Geopolitische Ereignisse beachten

    Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie aktuell zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Entscheidende Wahlen wie jüngst in Russland und in diesem Jahr noch in Frankreich und den USA sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

  • Auf reale Werte setzen

    Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

  • Moden misstrauen

    Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Schuld an allem ist demnach der Mandelkern, der sich im limbischen System des Gehirns befindet. Hier werden nicht nur Emotionen verarbeitet, auch der Antrieb für bestimmte Handlungen wird unter anderem von hier gesteuert. Der Mandelkern gilt dabei als eine Art Frühwarnsystem für drohende Gefahren. Wenn es brenzlig wird, meldet sich die Region im Gehirn und sendet Warnhinweise.

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Das Fatale: Auch wenn keine reale Bedrohung existiert, fokussiert sich der Kern auf potenzielle Gefahren durch abstraktere Ursachen. Dazu gehören neben Stress und schlechten Nachrichten auch fallende Börsenkurse. Auf diese Weise werden auch pessimistische Erwartungen an den Börsen schnell zu einer realen Gefahr.

Die Analysten von Franklin Templeton haben fünf typische Verhaltensweisen von Anlegern identifiziert, bei denen der Mandelkern stark auf die Entscheidungen des Anlegers einwirkt:

  • Erstens die sogenannte Verlustaversion. Die beiden Verhaltensforscher Daniel Kahneman und Amos Tversky haben anhand von Experimenten herausgefunden, dass Menschen sich über Verluste mehr ärgern, als dass sie sich über Gewinne freuen. Dieses Phänomen hält gerade in der aktuellen Niedrigzinsphase viele Investoren vom Aktienmarkt fern - die Angst vor Verlusten wiegt zu schwer, lieber geben sich die Anleger mit niedrigen Zinsen bei sicheren Investments wie Anleihen zufrieden.
  • Alte Verhaltensweisen beibehalten. Kommt es am Markt zu Kursschwankungen, wird die Mehrheit der Investoren nervös. Das liegt laut den Untersuchungen von Dan Ariely, Professor der Psychologie an der Duke University daran, dass wir uns auf frühere Entscheidungen verlassen: Was einmal gut ging, muss auch beim nächsten Versuch funktionieren. Die tatsächliche Marktsituation spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Wer dann eine negative Überraschung erlebt, reagiert verunsichert.
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