Beteiligungsfonds: Blaues Wunder für Private-Equity-Anleger

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Beteiligungsfonds: Blaues Wunder für Private-Equity-Anleger

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Investoren wie HgCapital, die 2006 den Schlumpf-Hersteller Schleich kauften, steigern die Rendite auf ihr Kapital, indem sie Übernahmen zum Großteil über Schulden finanzieren. Oft muss die dann das Unternehmen abzahlen. Was genau bei den Schlümpfen lief, ist unklar. Fest steht: Die Verbindlichkeiten von Schleich stiegen nach dem Einstieg von HgCapital von gut 2,9 Millionen auf bis zu 162 Millionen Euro.

von Christof Schürmann

Mehr als elf Milliarden Euro haben Privatanleger in Unternehmensbeteiligungsfonds gesteckt. Die einst geweckten hohen Renditeerwartungen hat kein Anbieter erfüllt. Über welche Fallstricke Investoren stolpern können, wie die Branche trickst, welche Anlagen sich lohnen.

Sie sollten längst eine neue Heimat gefunden haben, eigentlich: Doch Papa Schlumpf, Schlumpfine, der Dichterschlumpf und ihre Verwandten und Freunde müssen weiter ausharren in Schwäbisch Gmünd. Seit sieben Jahren sind sie ausgerechnet fest in der Hand von Gestalten, die Ex-SPD-Chef Franz Müntefering einst als Heuschrecken bezeichnete: 2006 kaufte der Finanzinvestor HgCapital gut drei Viertel an dem Spielzeughersteller Schleich, die gleichnamige Gründerfamilie aus dem Schwäbischen behielt den Rest an den weiß-blauen Freunden.

Finanzinvestoren sind keine Gefährten auf ewig. Deshalb wurden im vergangenen Herbst Investmentbanken, darunter auch Goldman Sachs, damit beauftragt, einen Käufer für den Spielwarenhersteller Schleich zu finden. Vor Monatsfrist ist dieses Projekt vorerst gescheitert. HgCapital soll 200 Millionen Euro gefordert, Interessenten schlumpfige 160 Millionen Euro geboten haben – fünf Millionen Euro weniger, als der Wert, den HgCapital noch in seiner Bilanz für seine drei Viertel an Schleich stehen hat.

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Dem HgCapital-Engagement beim schwäbischen Mittelständler dürfte damit bestenfalls ein überschaubarer Erfolg beschieden sein. Und es zeigt exemplarisch, dass es für Vertreter der oft mystifizierten Private-Equity-Branche alles andere als ein Selbstläufer ist, ordentliche Renditen einzufahren. Private-Equity-Fonds stellen Unternehmen Kapital zur Verfügung. Die Kapitalanteile werden aber, anders als Aktien, nicht öffentlich an Börsen gehandelt – sind deshalb „privat“.

Klassische Private-Equity-Fonds wie die von HgCapital, KKR, Blackstone oder 3i sind in der Regel nur institutionellen Investoren oder Multimillionären zugänglich. Um auch durchschnittlichen Privatanlegern etwas bieten zu können, konstruieren findige Finanzvertriebe Dachfonds, die Geld einsammeln und in größeren Paketen an Private Equity (PE) weiterreichen.

Für Privatanleger stehen vier Wege für ein Investment in Private Equity zur Wahl:

  • geschlossene Fonds, meist kostenintensive Dachfonds, die erst nach Ende ihrer Laufzeit Geld zurückzahlen;
  • Investmentfonds mit Aktien von Private-Equity-Unternehmen;
  • Zertifikate und börsengehandelte Fonds (ETF) auf Aktienindizes, die Kurse von Private-Equity-Unternehmen abbilden;
  • Aktien von Private-Equity-Unternehmen selbst.

Bei Letzteren gibt es wiederum verschiedene Klassen: solche, mit denen sich Anleger direkt in die Beteiligungen an Portfoliounternehmen einkaufen (zum Beispiel die deutschen Werte Aurelius und GBK), und solche, die Erträge aus dem Management von Private-Equity-Fonds versprechen, wie etwa die Aktien der US-Größen Blackstone und KKR.

Worauf Anleger bei Private Equity-Fonds achten sollten

  • Kosten

    Einmalige Gebühren sollten nicht mehr als zwölf Prozent betragen. Das heißt andersherum formuliert, dass der Fonds wenigstens 88 Prozent des zur Verfügung gestellten Nominalkapitals von 100 Prozent investieren sollte. Auf das Nominalkapital schlagen die Fonds ohnehin regelmäßig zu Anfang ein Agio von fünf Prozent drauf. Jährliche zusätzliche Kosten von mehr als zwei Prozent sind nicht akzeptabel. Diese sollten nur auf das bereits abgerufene Kapital bezogen werden, auf keinen Fall auf das avisierte Fondsvolumen. Anleger sollten den Prospekt zudem von einem Experten, etwa einem Steuerberater, prüfen lassen.

  • Mindestverzinsung

    Der Fonds sollte dem Anleger eine Mindestverzinsung von acht Prozent geben, bevor das Management erneut zulangt. Die darüber hinausgehende Gewinnbeteiligung (Carried Interest) des Fondsmanagements sollte nicht mehr als 20 Prozent an der über die acht Prozent hinaus erwirtschafteten Rendite betragen. Besser ist eine Gewinnbeteiligung von nur zehn Prozent. Dann bleiben für den Anleger acht Prozent plus 90 Prozent von jedem weiteren Prozentpunkt Rendite.

  • Mindestinvestition

    Dachfonds sollten ein Mindestzeichnungsvolumen von 25 Millionen Euro haben. Darunter ist eine adäquate Risikostreuung nicht gewährleistet. Schafft der Fonds nicht genügend Kapital herbei, sollten Anleger Abstand von den vertraglichen Vereinbarungen nehmen können. Ausnahme: Investiert der Fonds mit einem großen institutionellen Anbieter als Co-Fonds, ist das Mindestzeichnungsvolumen zu vernachlässigen.

  • Maximalanlage

    Anlagen in Private Equity sollten, wenn überhaupt, maximal zehn Prozent des Gesamtvermögens ausmachen. Denn das Kapital ist langfristig, etwa 10 bis 14 Jahre, gebunden. Ein Zweitmarkt für den vorzeitigen Ausstieg existiert so gut wie nicht.

Wer Letztere kauft, sollte sich auf starke Schwankungen einstellen. Beteiligungen über geschlossene Fonds wiederum sind nur etwas für erfahrene Investoren, die einige Faustregeln beachten sollten. Sie bekommen die Schwankungen in den Portfolios der Private-Equity-Gesellschaften zwar nicht mit – müssen sich aber zehn Jahre oder länger gedulden, um zu sehen, ob ihre Rechnung tatsächlich aufgeht.

Denn auch ausgewachsene Heuschrecken greifen kräftig daneben. Laut einer Untersuchung des New Yorker Datenspezialisten Preqin von Mitte Juni stecken in Private-Equity-Fonds weltweit 116 Milliarden Dollar in wahrscheinlich unverkäuflichen Beteiligungen fest. Zombie-Fonds nennt Preqin diese Investments. Auch deutsche Privatanleger dürften daran beteiligt sein – wenn auch meistens wohl ohne ihr Wissen.

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