Bill Ackman: So tickt der Störenfried der Wall Street

Bill Ackman: So tickt der Störenfried der Wall Street

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Bill Ackman ist der erfolgreichste Hedgefondsmanager der Welt. Hat er sich diesmal verzockt?

von Martin Seiwert

Er ist der erfolgreichste Hedgefondsmanager der Welt – und einer der streitlustigsten. Zuletzt stieg er bei Mondelez ein, zudem wettet er auf den Untergang von Herbalife. Gewinnt er den Deal seines Lebens?

Ein platter Autoreifen. Für Lawrence Ackman eine gute Gelegenheit, seinen 14-jährigen Sohn Bill an die Dinge heranzuführen, die ein Mann können muss. „Du wechselst den Reifen“, sagt er zu Bill. Der jedoch ist skeptisch, denn das Auto steht an einer abschüssigen Straße. Ist es nicht zu riskant, hier den Wagen aufzubocken? Der Vater duldet keinen Widerspruch. Bill schnappt sich den Wagenheber, stemmt das Auto in die Höhe, schraubt das Rad ab – und wird dann um ein Haar unter dem herabstürzenden Wagen begraben. Wegen des Gefälles ist das Auto vom Heber gerutscht.

Bill Ackman hat an diesem Tag vor 35 Jahren nicht nur etwas über Reifenwechsel gelernt. „Es war einer der bedeutendsten Momente in meinem Leben“, sagt er. „Ich habe verstanden: Ich muss meine eigenen Entscheidungen treffen. Sogar wenn ich dabei meinem Vater widerspreche.“ Und das ist eine Lehre, die Ackman in den folgenden Jahrzehnten eindrucksvoll in Erfolg ummünzte: Ackman wurde einer der konfliktfreudigsten Investoren, die Amerika je gesehen hat; und einer der erfolgreichsten. Ackmans Hedgefonds Pershing Square Capital steigt bei angeschlagenen Unternehmen als Großaktionär ein, ändert den Kurs der Firmen und verkauft nach geglückter Sanierung die Anteile mit Gewinn.

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Mit riskanten Wetten setzten Hedgefonds auf sinkende Kurse. Quelle: Getty Images

Der riskanteste Deal seiner Karriere

Bei der Gründung im Jahr 2004 verwaltete Ackmans Hedgefonds 54 Millionen Dollar, heute sind es 18 Milliarden. Im zurückliegenden Jahr vermehrten Hedgefonds das Vermögen ihrer Kunden um durchschnittlich drei Prozent. Ackman schaffte 40 Prozent. Schöner Nebeneffekt: Sein Privatvermögen wuchs auf rund 2,5 Milliarden Dollar. Stellt ihn das zufrieden? Mitnichten. Denn ausgerechnet nun, auf dem vorläufigen Höhepunkt seiner Investorenkarriere, setzt Ackman zu seinem vielleicht riskantesten Deal an: Macht ihn der noch reicher – oder kostet ihn der am Ende womöglich die Freiheit?

Ackman ist so oder so eine Ausnahmeerscheinung. Nicht nur weil er einen von etwa 100 Hedgefonds weltweit führt, die anders als die meisten der weltweit 11.000 Hedgefonds, die Anlagen von insgesamt drei Billionen Dollar aktiv verwaltet. Sondern auch, weil Ackman anders als erfolgreiche Kollegen seine Reichtümer nicht unter karibischen Palmen verprasst. Stattdessen steuert der Vater von drei Töchtern, der seit 20 Jahren mit einer Landschaftsarchitektin verheiratet ist, nun auf die aufreibendsten Monate seines Lebens zu. Denn Ackman hat rund eine Milliarde Dollar aus dem eigenen Vermögen und dem seiner Hedgefondskunden auf den Absturz des Unternehmens Herbalife verwettet.

Mit FBI, Staatsanwalt und Gesundheitsbehörden gegen Herbalife

Die Firma aus Los Angeles, die Diätprodukte im Direktvertrieb verkauft, betreibe ein kriminelles Schneeballsystem, argumentiert Ackman seit nunmehr zweieinhalb Jahren und spornt FBI, Staatsanwaltschaften und Gesundheitsbehörden an, gegen Herbalife vorzugehen – damit die Aktie abstützt und er Kasse macht. Zwar gibt es inzwischen Ermittlungen, doch sie sind zäh. Und sie könnten auch ergeben, dass bei Herbalife rechtlich alles im Lot ist. Diese Hoffnung hat Hedgefondsgrößen wie Carl Icahn, George Soros und Dan Loeb auf den Plan gerufen. Sie haben einen nie da gewesenen Titanenkampf unter New Yorker Investoren angezettelt: Sie stellten sich gegen Ackman und investierten in Herbalife, was der Aktie mächtigen Auftrieb verlieh.

Aus Ackmans Sicht muss die Aktie unter 35 Dollar notieren, sonst verliert er wegen seiner Milliardenwette Tag für Tag Unsummen; sein persönliches Risiko beträgt mehrere 100 Millionen Dollar.

Am liebsten wäre ihm ein Absturz der Aktie auf null Dollar. Stattdessen steht das Papier – nicht zuletzt wegen der Einmischung seiner Konkurrenten – nun bei 51 Dollar. Außerdem haben die Strafverfolger, die Ackman mit Informationen über Herbalife gefüttert hat, womöglich nun auch ihn ins Visier genommen. Sollten sie ihm vorwerfen, dass er mit seiner Negativkampagne gegen Herbalife den Kurs der Aktie rechtswidrig manipuliert hat, drohen ihm hohe Geldbußen, womöglich sogar eine Haftstrafe.

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