Bill Gross: "Wir befinden uns in einem Währungskrieg"

Bill Gross: "Wir befinden uns in einem Währungskrieg"

Quelle:Handelsblatt Online

Er ist einer der bekanntesten Anleihemanager der Welt: Bill Gross, Manager des Pimco Total Return Fund, rechnet für die nächsten drei Jahre mit einer jährlichen Inflation von drei Prozent.

Die großen Wirtschaftsmächte stecken nach Einschätzung des Gründers des weltweit größten Anleihe-Investors Pimco, Bill Gross, mitten in einem Rennen um die billigste Währung, um ihre Exporte zu stützen. "Wir befinden uns in einem Währungskrieg", sagte Gross der "Welt am Sonntag". "Die Situation erinnert an die 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Auch damals gab es einen Abwertungswettlauf." Wer daraus als Sieger hervorgehe, sei dabei noch nicht absehbar

Starkes Wachstum gehört der Vergangenheit an

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Zu der Entwicklung trügen vor allem die Notenbanken bei - mit allen Konsequenzen. "Der allzu großzügige Umgang der Notenbanken mit ihrem Scheckbuch wird unweigerlich zu Preissteigerungen und einer Abwertung der Währungen führen", sagte Gross. Für die nächsten drei Jahre rechne Pimco, das zum Versicherungskonzern Allianz gehört, deshalb etwa für die USA mit einer jährlichen Inflation von drei Prozent.

Teuerung - Inflation wäre ein Irrweg

  • Um was geht es?

    Die Liquiditätsschwemme, mit der die EZB das Bankensystem stabilisiert hat, schürt in Deutschland die Angst vor einer steigenden Inflation. Zwar gibt es kurz- und mittelfristig keine Anzeichen für einen starken Preisanstieg. Dennoch mahnen Deutschlands Wirtschaftsvertreter Politik und EZB zu Wachsamkeit.

  • Martin Wansleben, Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages

    „Mehr Inflation wäre ein Irrweg.“
    „Noch nie in der Geschichte hat ein großer Preisauftrieb nicht am Ende doch Einkommen und Ersparnisse der Menschen deutlich entwertet.“

  • Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken

    „Bei einer Erholung der Euro-Konjunktur könnte der Prozess schnell außer Kontrolle geraten.“

  • Jörg Asmussen, EZB-Direktor

    „Die Inflationserwartungen im Euro-Raum sind auch nach den außergewöhnlichen Maßnahmen der EZB stabil.“
    „Die Sondermaßnahmen sind befristet. Die EZB kann jederzeit aussteigen, wenn Preissteigerung droht.“

  • Georg Fahrenschon, Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes

    „Die Unabhängigkeit der EZB und ihre Freiheit von Interessenkonflikten müssen gestärkt werden.“

Trotz der Bemühungen gehöre ein Wachstum von mehr als zwei Prozent aber "in vielen Ländern der Vergangenheit an", sagte Gross. "Auch wenn es noch so bitter ist, am Sparen führt angesichts der hohen Schuldenberge kein Weg vorbei - weder in den Vereinigten Staaten noch in Europa."

US-Fiskalpolitik bedroht Preisstabilität

Investoren sollten außerdem die langfristigen Inflationsgefahren im Auge behalten. Diesen Rat hatte Bill Gross, Manager des größten Anleihefonds bei Pacific Investment Management Co. (Pimco), zu Beginn des neuen Jahres gegeben. Als Risiko für die Preisstabilität betrachtet der Manager der Allianz-Tochter die Geld- und Fiskalpolitik, insbesondere in Amerika.

Die US-Notenbank Fed hat mehrere Programme aufgelegt, die sogenannte quantitative geldpolitische Lockerung (QE). „Schlussendlich werden staatliche Finanzierungs-Systeme wie das heutige QE (…) schlecht enden”, schrieb der Manager in seinem jüngsten Investment-Ausblick. Wegen seiner herausragenden Anlageergebnisse wird er im Anleihenhandel auch Bondkönig genannt.

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Das Risiko der insgesamt 6.000 Milliarden Dollar umfassenden Bilanzausweiterung bei den sechs größten Zentralbanken der Welt durch Anleihekauf-Programme seit Anfang 2009 „zeigt sich in der Form von Inflation und der Entwertung von Währungen - entweder in Relation zueinander oder zu Rohstoffen” wie Öl oder Gold, erklärte der Anleihen-Experte.

Sein Rat: Investoren sollten länger laufende Anleihen vermeiden, denn die inflationären Effekte der von der US-Notenbank Federal Reserve ergriffenen Maßnahmen würden sich wahrscheinlich erst in vielen Jahren zeigen. Er rät stattdessen zu kurz- bis mittelfristigen Papieren, die von den Zentralbank-Aktionen eher profitieren dürften.

Quelle:  Handelsblatt Online
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