Blockchain: Erste Anwendungen in drei bis fünf Jahren

Blockchain: Erste Anwendungen in drei bis fünf Jahren

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Festplatten in einem Serverraum.

von Sebastian Kirsch

Das digitale Register Blockchain soll die Finanzbranche revolutionieren. Bislang testen Banken aber nur neue Anwendungen. In den nächsten Jahren wird sich das ändern, prophezeit eine neue Studie.

In drei bis fünf Jahren dürften wir die ersten Blockchain-Anwendungen auf dem Markt sehen. Das erwarten Experten der Unternehmensberatung Roland Berger in einer neuen Studie zu Anwendungsmöglichkeiten der Blockchain in der Finanzindustrie.

In der Blockchain, dem digitalen Register, das ursprünglich für die Abwicklung der Kryptowährung Bitcoin erdacht wurde, erhalten Teilnehmer über eine Software Zugang zu einem Netzwerk, in dem sie Informationen austauschen. Das Besondere: Statt einer zentralen Stelle hält jeder Teilnehmer eine Kopie des Registers, in dem Informationen und Transaktionen gespeichert werden. Weil alle neuen Eintragungen in das Register gemeinsam verifiziert werden müssen, ist die Blockchain besonders sicher vor Fälschungen. Versucht ein Teilnehmer etwa Einträge in seinem Register zu manipulieren, fällt dies beim Abgleich mit den Kopien anderer Teilnehmer auf.

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Ein Blockchain-Netzwerk kann weltweit für alle Interessenten offen sein (wie beim Bitcoin) oder nur bestimmten Teilnehmern Zugang gewähren.

"Blockchain wird die Art, wie weltweit Geschäfte gemacht werden, verändern", sagt Wolfgang Hach, Partner von Roland Berger. "Die Technologie und ihre breiten Einsatzmöglichkeiten erlauben es, etwa bei Handelstransaktionen oder Vertragsabschlüssen auf vermittelnde Institutionen oder Treuhänder zu verzichten.“

PremiumBlockchain Wie Konzerne mit Blockchain experimentieren

Hinter der Digitalwährung Bitcoin steckt die Blockchain-Technologie – nach der einige deutsche Konzerne plötzlich völlig verrückt sind. Experten versprechen sich Großes von der Technik.

Konzerne experimentieren mit der hinter Bitcoin stehenden Technologie. Quelle: dpa

Laut einer Studie des World Economic Forum aus dem Jahr 2015 könnten in zehn Jahren schon zehn Prozent der weltweiten Wertschöpfung (Bruttoinlandsprodukt) über eine Blockchain laufen.

Und neben der Finanzbranche könnten auch alle anderen Wertschöpfungsketten von der neuen Technologie profitieren.

Wo bereits Anwendungen über eine Blockchain gestetet werden

  • Konsum

    Hat die Waschmaschine kein Spülmittel mehr im Tank, kann sie eigenständig nachbestellen. IBM und Samsung haben in einem Test gezeigt, dass die Waschmaschine eine Kaufanfrage an einen Onlinehändler senden kann und anschließend das Waschmittel bezahlt.

  • Elektromobilität

    Dank Blockchain könnte das Laden von Elektroautos für die Fahrer viel einfacher werden. Um den verbrauchten Strom abzurechen, schließen E-Auto und Ladesäule einen eigenen Vertrag – und zahlen automatisiert. RWE testet das bereits mit dem Start-up Slock.it.

  • Behörden

    Schwedens Liegenschaftsverwaltung Lantmäteriet testet die Blockchain, um Grundbucheinträge zu digitalisieren. Der Kommunikationskonzern Telia ist mit zwei Start-ups an dem Projekt beteiligt. Klassische Notardienstleistungen, die zur Abwicklung der Verträge benötigt wurden, fallen in der Blockchain weg.

  • Energie

    Statt überschüssigen Strom ihrer Solaranlage ins öffentliche Netz einzuspeisen, verkaufen einige New Yorker ihn an ihre Nachbarn. Sie sind Teil des Brooklyn Microgrid, in dem Teilnehmer über sogenannte Smart Contracts ihren Energieverbrauch mit dem Nachbarn abrechnen und direkt digital bezahlen.

Durch die Blockchain ließen sich nicht nur bestehende Geschäftsmodelle schneller und günstiger umsetzen. Die neue Technologie könnte dazu führen, dass sich ganz neue Geschäftsmodelle entwickeln, schreiben die Analysten von Roland Berger.

Unternehmen sollten deshalb möglichst schnell Versuche mit der Blockchain starten, um ihr Geschäft auf die neue Technologie vorzubereiten und Anwendungsbeispiele zu finden.

Für einige Unternehmen dürfte das ein Weckruf sein. Doch die Deutschen verschlafen die Blockchain keineswegs:  In einer Umfrage des Internetverbands Eco und dem Forschungsinstitut Yougov Anfang 2017 sagten bereits 15 Prozent der befragten deutschen Mittelständler, dass sie sich in ihrem Unternehmen mit der Blockchain beschäftigen.

Die größten Anstrengungen sind aber in der Tat in der Finanzbranche zu erkennen, möglichst bald Prozesse über die Blockchain abzuwickeln.

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