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Börse: Bauern zocken mit Termingeschäften

von Martin Gerth und Gregor Neumann

Statt gegen Spekulanten zu wettern, sichern sich Bauern auf Terminmärkten kalkulierbare Erlöse. Eine Landpartie.

Bauern können ihre Ernte auf Terminmärkten als Geldanlage nutzen. Quelle: dpa
Bauern können ihre Ernte auf Terminmärkten als Geldanlage nutzen. Quelle: dpa

Wären da nicht die Fingerkuppen, würde Christian Miesen als Junior-Geschäftsführer eines Mittelständlers durchgehen. Der 26-Jährige spricht über betriebliche Kennzahlen und Maschineneffizienz, analysiert Trends an den Börsen und schwärmt vom Trainee-Programm, das er nach dem Bachelor-Studium durchlaufen hat. „Es ist wichtig, seinen Beruf auch aus einer anderen Perspektive erlebt zu haben“, sagt er.

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Sein Beruf? „Landwirt“, sagt er, und streckt dabei leicht die kräftigen Finger, die von der Arbeit auf dem Feld erzählen.

Im Sommer hat er von seinem Vater den Hof mit rund 80 Hektar Anbaufläche im Bergischen Land bei Düsseldorf übernommen. Auf dem schweren Lößlehm-Boden wachsen Raps, Weizen, Gerste und Kartoffeln. Letztere kann man direkt auf seinem Hof kaufen. „Wir versorgen die Bevölkerung seit fünf Generationen mit Lebensmitteln aus der Region“, sagt Miesen und wuchtet einem älteren Kunden einen 25-Kilo-Sack in den Kofferraum.

Internationale Konkurrenz

Das Gros der Getreideernte geht an Genossenschaftslager und Mühlen in der Gegend. Selten liefert er an den Duisburger Hafen, „weil die hohen Transportkosten die Marge komplett auffressen“.

Die Margen sind knapp, aktuelle Preise wichtig. Die checkt er täglich, an den Rohstoffbörsen in Chicago und Paris. Was aber hat ein mittelgroßer Bauernhof aus Mettmann an internationalen Rohstoffbörsen zu suchen? „Wir leben in globalisierten Märkten“, antwortet Miesen, „und konkurrieren mit Erzeugern in den USA, Frankreich oder der Ukraine. Seitdem die staatliche Marktintervention zurückgenommen wurde, richten sich unsere Preise nach dem Weltmarkt.“

Während Bauern bis in die Neunzigerjahre durch von der EU gestützte Preise bis auf wenige Pfennige wussten, wie viel sie im Herbst pro Tonne Weizen verdienen würden, muss ein Betrieb heute die Preisentwicklung täglich im Auge behalten.

Das richtige Timing bei Einkauf und Verkauf macht für einen Hof in dieser Größe den Unterschied zwischen Gewinn und Verlust. „Innerhalb von ein paar Wochen kann der Preis um 10 bis 20 Prozent schwanken“, erklärt Miesen, „und die verschiedenen Rohstoffe korrelieren miteinander. Wird das Rohöl teurer, steigen auch die Düngerpreise, und der Rapspreis zieht bald nach.“

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 30.11.2011, 15:55 Uhrwiwoberater

    Keine Spekulation mit Lebensmitteln
    Während Spekulanten, Banken und Investmentgesellschaften mit Lebensmitteln Kasse machen, steigt die Zahl der Hungernden weltweit! Dagegen protestiert die Initiative handle-fair.de!

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