Bild: dpa„Wir sind bereits in einer sehr extremen Dehnung des europäischen Rechtes, um das mal gelinde zu sagen.“
Der ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Jürgen Stark, ist von den Plänen, den Rettungsschirm ESM mit einer Banklizenz auszustatten, nicht begeistert. Für Stark wäre die Umsetzung ein klarer Verstoß gegen europäisches Recht – und nicht einmal der erste.
Bild: Reuters„Innerhalb unseres Mandats ist die EZB bereit, alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, das wird ausreichen."
EZB-Chef Mario Draghi am 26.07.2012 auf einer Investorenkonferenz in London.
Bild: Reuters„Wir werden sehr viel Geduld haben müssen, bevor wir das Gefühl haben, wieder in normalen Zeiten zu arbeiten.“
Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen am 28.6.2012 in Frankfurt.
Bild: AP„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es.“
EZB-Präsident Mario Draghi nach seiner ersten Zinsentscheidung am 3.11.2011 auf die Frage, ob die Europäische Zentralbank gezwungen sei, weiterhin Staatsanleihen seines Heimatlandes Italien zu kaufen.
Bild: dapd„Wenn die EZB so weitermacht, kauft sie bald auch alte Fahrräder auf und gibt dafür neues Papiergeld heraus.“
Der FDP-Finanzpolitiker Frank Schäffler am 9.8.2011 auf „Handelsblatt Online“ zu den umstrittenen Staatsanleihekäufen der Europäischen Zentralbank.
Bild: Reuters„Es wird keine Pleite geben.“
Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker am 3.6.2011 nach einem Treffen mit Griechenlands damaligem Premier Giorgios Papandreou in Luxemburg.
Bild: dapd„Was wir in diesen Zeiten aufwenden, bekommen wir um ein Vielfaches zurück.“
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 21.7.2011 nach einem Krisengipfel in Brüssel über Chancen und Risiken der milliardenschweren Griechenland-Rettung.
Bild: dapd„Das ist es. Punkt, Aus, Schluss, Basta!“
Der Sprecher von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU, Foto), Martin Kotthaus, versichert am 19.10.2011 in Berlin, dass beim Euro-Rettungsschirm EFSF nicht an der deutschen Haftungsobergrenze von 211 Milliarden Euro gerüttelt wird.
Bild: Reuters„Die nächsten Blasen werden noch gefährlicher werden. Wir können es uns nicht leisten, Krise über Krise zu finanzieren.“
Der als Krisenprophet bekanntgewordene New Yorker Ökonom Nouriel Roubini am 28.5.2010 in Frankfurt.
Bild: Reuters„Sicher ist, dass wir ohne den geplanten Rettungsschirm den Euro nicht verteidigen können. Die nächste Krise wäre dann nicht mehr nur eine Krise des Finanz- und Wirtschaftssystems, sondern auch eine Krise des politischen Systems.“
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am 23.5.2010 in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.
„Wir sind bereits in einer sehr extremen Dehnung des europäischen Rechtes, um das mal gelinde zu sagen.“
Der ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Jürgen Stark, ist von den Plänen, den Rettungsschirm ESM mit einer Banklizenz auszustatten, nicht begeistert. Für Stark wäre die Umsetzung ein klarer Verstoß gegen europäisches Recht – und nicht einmal der erste.
Werner Schulte* ist gut 1,90 Meter groß, mindestens zwei Zentner schwer. Ein Hüne, Nordhesse, Landwirt von Beruf. Sein Leben lang hat er schwer arbeiten müssen für sein Geld. Im nächsten Jahr soll Schluss sein mit der Plackerei. Schulte geht in Rente. Eine Lebensversicherung wird im Februar fällig, über viele Jahre angespart. Von dem Geld will er die letzten Jahre seines Lebens bestreiten. Vor nicht allzu langer Zeit hat er noch gedacht, es würde locker reichen. Mittlerweile ist Schulte sich aber nicht mehr sicher. Zum ersten Mal in seinem Leben, sagt er, verspüre er so etwas wie Zukunftsangst. Die niedrigen Zinsen, die Euro-Krise, drohende Inflation. Schulte ahnt – das Geld aus der Lebensversicherung wird nur reichen, wenn ein großer Teil davon trotz Ruhestand noch weiter arbeitet, sich also vermehrt.
Mit seinen Nöten und Sorgen ist Werner Schulte nicht allein. Vom Kleinanleger bis zum Großinvestor stellen sich alle dieselbe Frage: Wohin mit dem Geld? Das Sparbuch bringt es nicht, auch Tages- und Festgeld werfen wenig ab, Bundesanleihen sowieso nicht. Allein an der Börse ließ sich in diesem Jahr ordentlich verdienen. Der Deutsche Aktienindex (Dax) legte um mehr als 20 Prozent zu. Das ist Schulte nicht entgangen. Jeden Abend schaut er abends die Tageschau und zuvor den Börsenbericht. Er überlegt, ob er sein Geld nun in Aktien stecken soll – zum ersten Mal in seinem Leben.
Experten prophezeien neue Höchststände an den Aktienmärkten. Selbst Schätzungen, die bis vor kurzem kaum einer zu äußern gewagt hätte, scheinen inzwischen salonfähig zu sein. Dax 10.000. Dabei steckt die Welt immer noch in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit den 1930er-Jahren. Die Banken kämpfen auch im fünften Jahr der Finanzkrise mit dem Schrott in ihren Bilanzen, die Staaten der westlichen Welt stecken tief im Schuldensumpf, das Wachstum der Weltwirtschaft lässt nach. Doch der Aufschwung an den Börsen geschieht nicht trotz der Krise, sondern gerade deswegen.
Das Phänomen ist nicht neu. Der österreichische Ökonom Ludwig von Mises (1881 bis 1973) beschrieb bereits Anfang des 20. Jahrhunderts, was passiert, wenn zu viel billiges Geld in die Märkte strömt. Er nannte es die „Katastrophenhausse“. Mises war ein radikaler Liberaler und wichtiger Vertreter der Österreichischen Schule. Selbst Hayek und Friedman nannte er einen „Haufen von Sozialisten“.
Der künftige europäische Rettungsfonds ESM
Wann kommt der ESM?
Der geplante dauerhafte Rettungsschirm ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus) soll nach den neuesten Plänen der Euro-Länder Mitte 2012 starten und damit ein Jahr früher als bisher geplant. Der ESM löst den Rettungsschirm EFSF ab.
Wie sieht die Finanzstruktur aus?
Der ESM soll über eine effektive Darlehenskapazität von 500 Milliarden Euro verfügen. Bei diesem maximalen Darlehensvolumen soll es unabhängig von den Verpflichtungen des auslaufenden Rettungsfonds EFSF bleiben. Um das Volumen tatsächlich zu erreichen, soll der ESM mit 700 Milliarden Euro ausgestattet sein. Davon entfallen 80 Milliarden Euro auf Bareinlagen und 620 Milliarden auf abrufbares Kapital in Form von Garantien. So soll die Bestnote bei der Kreditwürdigkeit („AAA-Rating“) garantiert sein.
Wie viel muss Deutschland zahlen?
Deutschland springt nicht mehr nur als Bürge ein: Berlin steuert rund 21,7 Milliarden Euro Bareinlagen und 168,3 Milliarden Euro an Garantien bei. Bisher soll die Bareinlage in fünf gleichen Raten von je rund 4,3 Milliarden Euro gezahlt werden. Wegen des früheren ESM-Starts wird die erste Rate aber schon Mitte 2012 fällig. Dafür muss Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) einen Nachtragshaushalt für 2012 vorlegen. Die erste Rate könnte auch weit höher ausfallen, sollte der ESM rascher aufgefüllt werden. Einige Euro-Staaten könnten ihren gesamten - weit geringeren - Betrag für den Kapitalstock auf einen Schlag schon 2012 einzahlen. Im Extremfall kann der Bundesetat mit 190 Milliarden Euro belastet werden.
Wie werden die Gläubiger beteiligt?
Private Geldgeber und Inhaber von Staatsanleihen wie Banken und Versicherer sollen an Rettungsmaßnahmen nach den Regeln des Internationalen Währungsfonds (IWF) beteiligt werden. Es geht um Praktiken, die die Märkte und Mitgliedstaaten kennen. Auf schärfere Vorgaben wurde verzichtet. Die Umschuldungsklauseln in Staatsanleihen der Euro-Länder (Collective Action Clauses/Cacs), sollen weiter in den ESM eingebracht werden. Die Entschuldung Griechenlands mit einem freiwilligen Verzicht der Gläubiger auf ihre Forderungen soll aber ein Einzelfall bleiben.
Welche Mehrheiten gelten für Beschlüsse?
Ist die Finanzstabilität der Eurozone bedroht, kann der ESM mit einer Mehrheit von 85 Prozent des Kapitalschlüssels entscheiden. (Quelle: dpa)
Vereinfacht gesagt geht es bei der „Katastrophenhausse“ um Folgendes: Weil die Zentralbanken immer mehr Geld drucken, verliert das Geld, das sich im Umlauf befindet, an Wert. Die Anleger und Sparer bekommen es mit der Angst zu tun. Sie wollen ihr Geld in Sicherheit bringen und flüchten in Sachwerte. Dies treibt wiederum die Preise für Aktien, Immobilien oder Gold in die Höhe - aber nur so lange, bis die Blase endgültig platzt.
Das historische Beispiel, das immer wieder zitiert wird, ist die Zeit der Hyperinflation im Deutschen Reich. Zwischen Oktober 1922 und Dezember 1923 schoss der damalige Aktienindex von 2062 auf unglaubliche 171.300.000.000 Punkte. Die Inflationsrate lag seinerzeit bei 50 Prozent - pro Woche. Die Staatsschulden stiegen rasant. Am Ende stand eine Währungsreform.
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