Börsenbewertung: Der Dax hat noch viel Potenzial

11. Februar 2012, aktualisiert 11. Februar 2012, 13:47 Uhr
Dax-Kurve an der Frankfurter Börse. Quelle: dapdBild vergrößern
Dax-Kurve an der Frankfurter Börse. Quelle: dapd
von Ulf Sommer Quelle: Handelsblatt Online

Anleger sollten weniger darauf schauen, wie stark der Dax schon gestiegen ist. Wichtiger ist, wie teuer Aktien sind - gemessen am Gewinn der Unternehmen und deren Vermögen. So betrachtet hat der Dax noch viel Luft nach oben.

DüsseldorfSind Aktien jetzt bei einem Dax-Niveau von 6800 Punkten teuer? Der Verdacht liegt nahe. Noch vor sechs Wochen gab es die Aktien der 30 größten Konzerne in Deutschland rund 13 Prozent billiger. Ende Dezember kosteten sie sogar 20 Prozent weniger.

Anzeige

Ob teuer oder preiswert leitet sich aber nicht daraus ab, wie stark die Kurse gestiegen sind. Viel wichtiger ist, wie hoch die Aktienkurse in Relation zu den Gewinnen der Unternehmen und deren Vermögen notieren.

Konkret bedeutet das: Die 30 Dax-Konzerne kosten derzeit im Schnitt zehnmal so viel, wie sie im abgelaufenen Jahr verdient haben – und wie sie voraussichtlich auch in diesem Jahr verdienen werden. Ihr Kurs-Gewinn-Verhältnis beträgt damit zehn.

Einige Aktien sind deutlich teurer, am teuersten Beiersdorf. Für den Markenhersteller bezahlen Anleger derzeit den 23-fachen Jahresgewinn. Auch Lufthansa, Infineon und Thyssen-Krupp sind mit einem KGV von 19 recht hoch bewertet.

Doch viele andere Aktien sind immer noch billig – trotz der gestiegenen Kurse. Für die Deutsche Bank und die Commerzbank bieten Anleger nur den siebenfachen Jahresgewinn. Ursache sind große Zweifel am Geschäftsmodell der Finanzbranche und die Sorge vor weiteren Abschreibungen, etwa auf griechische Staatsanleihen. Deshalb sind auch Münchener Rück und Allianz preiswert zu haben.

Kaufenswert sind solche Aktien für Anleger, die die Staatsschuldenkrise für beherrschbar und möglichst rasch lösbar halten. Denn die niedrige Bewertung bleibt nur dann niedrig, wenn die Banken und Versicherungen auch künftig viel verdienen und nicht etwa Anleihen hoch verschuldeter Staaten im großen Stil abschreiben müssen.

Der erste preiswerte Industriekonzern ist Volkswagen. VW ist deshalb preiswert, weil viele skeptische Anleger davon ausgehen, dass die Autmobilkonjunktur künftig nicht mehr so stark boomt wie derzeit – dass VW also weniger verdienen wird als bislang angenommen. Sinkende Gewinne würden die Bewertung erhöhen, das KGV steigt.


Banken und Versicherungen stechen hervor

Insgesamt sind die 30 Dax-Konzerne im Schnitt um 20 Prozent billiger als im Mittel der vergangenen 50 Jahre. Anders ausgedrückt: Um so viel zu kosten wie im langjährigen Durchschnitt, müsste der Dax um 25 Prozent steigen. Er stünde dann nicht bei 6800, sondern bei 8500 Punkten.

Doch Aktien sind noch aus einem anderen Grund billig. Gestiegene Firmengewinne bei schwacher Börsenentwicklung in den vergangenen Jahren haben die Marktkapitalisierung bei sieben der 30 Dax-Firmen unter ihren Buchwert sinken lassen. Volkswagen kostet aktuell genauso viel, wie es dem Buchwert des Unternehmens entspricht, das KBV liegt bei eins (siehe Glossar).

Auch hier stechen die Banken und Versicherungen hervor. Sie kosten weniger als sie an Vermögensgegenständen abzüglich der Verbindlichkeiten in ihrer Bilanz ausweisen. Der Grund: Anleger misstrauen dem Buchwert, sie fürchten Abschreibungen, wodurch sich der Buchwert verringern würde.

Fazit: Richtig ist zwar, dass Aktien nicht dann steigen, wenn sie unterbewertet sind, sondern nur, wenn die Nachfrage größer als das Angebot ist. Schließlich waren Aktien 2011 noch mehr unterbewertet als jetzt – dennoch fielen sie lange Zeit, weil es mehr Pessimisten als Optimisten gab.

Aber: „Langfristig profitieren Anleger davon, wenn sie dann Aktien kaufen, wenn sie unterdurchschnittlich bewertet sind“, sagt Jeff Hochman von der internationalen Fondsgesellschaft Fidelity. Statistiken für die Wall Street seit dem 19. Jahrhundert belegen, dass Aktien sich mittelfristig auf Sicht von zwölf Monaten oder langfristig über einen Zeitraum von fünf Jahren überdurchschnittlich gut entwickelten, wenn sie unterbewertet waren.

Umgekehrt fuhren Anleger über einen längeren Zeitraum immer dann schlecht, wenn die Bewertungen hoch waren – so wie zuletzt in den Jahren 1999/2000. Im folgenden Jahrzehnt traten die Aktienkurse unter großen Schwankungen nur auf der Stelle. Unterbewertete Aktien geben keine Gewissheit für steigende Kurse. Doch sie sind die beste Voraussetzung dafür, dass sich solch ein verlorenes Jahrzehnt nicht wiederholen wird.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.