Börsengehandelte Fonds: Indexfonds sind populär, aber gefährlich

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KommentarBörsengehandelte Fonds: Indexfonds sind populär, aber gefährlich

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Blick in den Handelssaal der Börse in Frankfurt am Main (Hessen).

von Martin Gerth

Börsengehandelte Fonds, sogenannte ETFs, sind nahezu gebührenfrei, transparent und deshalb beliebt. Derlei Indexfonds machen die Börse für Anleger aber unberechenbarer, weil sie Übertreibungen verstärken.

Börsengehandelte Indexfonds, kurz ETFs, bewegen die Börse, weil sie inzwischen mehrstellige Milliardenbeträge verwalten. Die bis 2011 laufende Goldhausse wurde zuletzt vor allem von milliardenschweren Indexfonds aus den USA getragen, die physisches Gold halten. Allein der SPDR Gold Trust hatte 2011, auf dem Zenit der Goldrally, knapp 60 Milliarden Dollar im Kreuz. Als Anleger massenhaft aus den Gold-Indexfonds ausstiegen, bröckelte der Goldpreis. Der SPDR Gold Trust verwaltet derzeit noch etwa 26 Milliarden Dollar.

Eigentlich sollen ETFs Aktien- oder Anleihemärkte kostengünstig abbilden. Anleger können mit ihnen unabhängig vom Geschick eines Fondsmanagers oder Vermögensverwalters von Erträgen an den Finanzmärkten profitieren. In den USA basieren viele der betrieblichen Sparpläne zur Altersvorsorge auf Indexfonds. Millionen von Sparern schwimmen so mit dem Markt.

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Inzwischen haben sich einige dieser ETFs jedoch zu Zockerprodukten entwickelt. Sie sind riskant, weil sie ein Vielfaches des Index, den sie abbilden, gewinnen, aber eben auch verlieren können. Dazu nutzen sie spekulative Papiere. Bisher waren solche Indexfonds ein Nischenprodukt.

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Dax-Verlauf am 15. Oktober 2015 Quelle: REUTERS

Das könnte sich ändern. In Japan beispielsweise sammelte der ETF Next Funds Nikkei 225 Leveraged Index seit August mehrere Milliarden Euro ein. Der Indexfonds fährt an einem Handelstag doppelt so hohe Gewinne und Verluste wie der Nikkei ein. Dass der Indexfonds in den vergangenen drei Monaten 18 Prozent einbüßte, schadet seiner Popularität nicht. Pro Tag wird an Japans Börse drei Mal so viel Geld mit dem ETF umgesetzt wie mit der Aktie des Autokonzerns Toyota.  Inzwischen ist der Indexfonds so groß, dass die Fondsgesellschaft Nomura Asset Management keine weitere Anlegergelder annehmen will. Es sei schwierig, ausreichend spekulative Papiere zu dem Preis zu kaufen, der nötig wäre, um den Index sauber abzubilden, so Nomura.

Statt mit dem Markt zu schwimmen, bestimmen die Indexfonds zunehmend die Kurse. Wenn große ETFs, wie im Fall des Next Funds, über spekulative Derivate gehebelt sind, schwanken sie logischerweise auch doppelt so stark wie der Markt. Verlieren Anleger dann die Nerven, müssen die Indexfonds verkaufen, um diese Anleger auszahlen zu können. In der nächsten Welle werden Stop-Loss-Marken gerissen, bei deren Durchbrechen Aktien automatisch verkauft werden – eine Art Sicherungssystem, das aber nun die Abwärtsspirale verschärft.

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Wie schnell sich eine Verkaufswelle aufbauen kann, zeigte sich am 24. August. An den US-Börsen musste in 1200 Fällen der Handel mit einzelnen Aktien und ETFs kurzzeitig ausgesetzt werden, weil sie binnen fünf Minuten mehr als fünf Prozent verloren. An einem normalen Handelstag kommt so etwas vielleicht vier- bis sechsmal vor. Was war passiert? Es fing harmlos an, mit Kursverlusten einzelner Aktien. Diese rissen eine Vielzahl von ETFs nach unten, die diese Einzelwerte hielten. ETF-Anleger stiegen aus, auch Aktionäre anderer US-Unternehmen verkauften. ETFs und Aktien rutschten weiter ins Minus. Die Börsen mussten immer öfter eingreifen.

Nur weil Indexfonds immer populärer werden, wird die Börse für Anleger nicht berechenbarer – im Gegenteil. Weil es immer weniger Investoren gibt, die gegen den Strom schwimmen, verstärken sich vorherrschende Trends und damit auch Übertreibungen. Für Anleger wird es schwerer, einzuschätzen, wann es Zeit ist, sich von Aktien zu trennen oder in den Markt einzusteigen.

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