Börsenprofessor Max Otte: “Das Ganze hat einen gewissen Endspielcharakter!”

Börsenprofessor Max Otte: “Das Ganze hat einen gewissen Endspielcharakter!”

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Max Otte, Ökonom und Professor für internationale Betriebswirtschaftslehre, warnt vor der großen Krise.

von Andreas Toller

Max Otte hat den Crash 2008 vorhergesagt. Seit Monaten warnt der Professor, Buchautor und Fondsmanager vor der nächsten, viel schärferen Krise. Im Gespräch erläutert er, warum – und was Anleger 2015 tun können.

Herr Otte, 2014 war ein bewegtes Börsenjahr. Wie fällt ihre Bilanz zum Jahresende aus?
Max Otte: Insgesamt war das Börsenjahr okay, ich würde sagen, die Bilanz ist verhalten positiv. Was unsere eigenen Fonds angeht, die ja wachstumsorientiert ausgerichtet sind, ist die Bilanz verhalten negativ.

Wo lief es gut, wo eher schlecht?
Wir waren sportlich unterwegs, haben auch in Südeuropa und im Rohstoffbereich investiert - und in diesen Sektoren leider eins drauf bekommen. Aber Qualität hat sich behauptet: Nestlé, Fuchs Petrolub oder Novartis waren schon gut bewertet, haben sich im Absturz aber auch gut behauptet. Im Moment strebt alles zur Qualität. Die ist nun nicht mehr billig, aber es gibt auch noch keine Blase.

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Zur Person

  • Max Otte

    Max Otte, Jahrgang 1964, ist ein deutsch-amerikanischer Ökonom, der durch sein 2006 erschienenes Buch „Der Crash kommt“, in dem er die Finanzkrise vorhersagte, national wie international große Bekanntheit erlangt hat. Er ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Worms und war Professor für Unternehmensanalyse und -diagnose an der Universität Graz. Der Vertrag mit der Uni Graz ist inzwischen ausgelaufen ist, die Lehrtätigkeit in Worms ruht. Otte ist Leiter des 2003 von ihm gegründeten Instituts für Vermögensentwicklung (IFVE) sowie unabhängiger Fondsmanager. Zwei Investmentfonds für Privatanleger, die nach der Strategie von Max Otte seit 2008 und 2013 anlegen, basieren auf seinen Anlageentscheidungen. Otte ist Herausgeber des Börsenbriefs "Der Privatinvestor", hat zahlreiche Bücher zu verschiedensten Wirtschafts- und Anlagethemen veröffentlicht und ist gern gesehener Gast auf Vortragsveranstaltungen, in Talkshows und in Expertengremien.

Ist der Dax nach der jüngsten Rekordjagd nicht schon zu hoch bewertet?
Im Dax haben wir neue Höchststände gesehen. Dass die 10.000 Punkte erreichbar sind, habe ich schon im Frühjahr 2013 vorhergesagt – da stand der Dax bei 7600 Punkten, inzwischen haben wir diese Hürde schon zweimal genommen. Wenn die Situation politisch stabil bleibt, kann der Dax im kommenden Jahr auch noch auf 11.000 bis 12.000 Punkte steigen. Die 30 Unternehmen im Dax haben seit dem Jahr 2000 im Durchschnitt ein Umsatz- und Gewinnwachstum von 5,5 Prozent pro Jahr erreicht. Daran gemessen ist der Dax mit 9500 Punkten fair bewertet. Insofern mache ich mir wegen der Bewertung noch keine Sorgen. Viele Aktienmärkte sind sogar geradezu billig. Der Sturm auf Aktien wird anhalten.

Auch wenn die ersten Zinserhöhungen der Notenbanken seit Ausbruch der Finanzkrise bevorstehen, bleiben Aktien alternativlos?
Wir haben nun mal die schleichende Entwertung beim Geldvermögen. Wir haben zwar einen Mischfonds, konzentrieren uns aber nach wie vor auf Aktien. Wir würden uns mit Anleihen beschäftigen, wenn es dort vernünftige Chance-Risiko-Verhältnisse gäbe. Aber davon sind wir weit entfernt. Die Verwerfungen im Markt drücken die Renditen von Anleihen derzeit auf ein grotesk niedriges Niveau. Das ist den Aufwand nicht wert. Im Moment konzentrieren wir uns auf reines Stockpicking und ein bisschen Cash.

Sie haben auch große Positionen an Energiewerten und Minenaktien in Ihrem Portfolio. Ist das nicht sehr gewagt?
Wir haben zehn Prozent Goldminen in unseren Fonds, seit eineinhalb Jahren. Bei Goldminen gibt es inzwischen null Prozent Bullen. Für einen Value-Investor ist das eine gute Sache, weil sich das irgendwann ändern muss. Aber man muss die Geduld haben, das ein bis zwei Jahre auszusitzen. Nach eineinhalb Jahren könnte jetzt langsam mal was passieren. Wir springen nicht auf Züge auf, sondern setzen auf das, was gerade schwach ist. Da muss man dann durch.

Andererseits hält der Russland-Ukraine-Konflikt die Börse weiter in Atem.
Über den Wirtschaftskrieg der USA gegen Russland, vor allem seit dem Frühsommer, bin ich sehr erschrocken und enttäuscht. Das Streben der USA nach Dominanz in der Region erzeugt eine sehr instabile Situation.

Sagen Sie das mit Blick auf den Ölpreis, der durch die OPEC und das amerikanische Fracking-Öl gerade künstlich niedrig gehalten wird, um Russland in die Knie zu zwingen?
Die ganze Welt ist doch mittlerweile kartellisiert. Goldman Sachs und Blackrock allein haben in der Finanzwelt einen Rieseneinfluss, auch bei Flugzeugbauern gibt es ein Duopol. Selbst in der Informationstechnik sind es auch nur die Giganten mit Microsoft, Google, Apple und IBM. Wir haben doch keine freien Märkte. In vielen Märkten steht letzten Endes Amerika dahinter. Beim Öl haben wird die Fracking-Förderung in den USA intensiviert, was wiederum Saudi-Arabien und die OPEC anspornt. Solche Preiskämpfe und der Wirtschaftskrieg gegen Russland sind einige der Gefahren. So etwas kann auch zum Absturz führen.

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