
FrankfurtEs ist der übliche Automatismus an den Börsen: Werden die, wie schon so oft in der europäischen Schuldenkrise, von der Politik bestimmt, dann schwanken die Kurse weit mehr als in Marktphasen, in denen Unternehmensnachrichten die Kurse treiben. Das ist auch in diesen Tagen so: Der VDax, der speziell für den Derivatehandel die täglichen Schwankungen an den Börsen misst und damit so etwas wie ein Nervositäts-Barometer darstellt, ist seit Anfang April vom damals noch unbedenklichen Wert um 20 auf bedenkliche Höhen weit jenseits der 30 angestiegen.
Die Worte von EZB-Präsident Mario Draghi, bereitzustehen, sollte die Krise sich verschärfen, haben den VDax zuletzt zumindest wieder auf 28 Zähler gebracht. "Das aktuelle Angstniveau zeigt an, dass schon ein hohes Maß an Unsicherheit am Aktienmarkt eingepreist ist", heißt es von der genossenschaftlichen DZ Bank.
Für Anleger heißt das, kaufen und halten ist derzeit wohl die falsche Strategie. Wer im kräftigen Auf und Ab des täglichen Handels mit kurzfristigen Orders seine Chance sucht, der kann mit einem gewissen Risiko durchaus einen schnellen Euro machen. "In den nächsten Wochen könnten sich Gelegenheiten für opportunistische Anleger ergeben", sagt Christian Gattiker, Chefstratege beim Schweizer Bankhaus Julius Bär. Statt "buy and hold" sollte man dann die sogenannten "mean reversion" wählen. Fachleute an den Finanzmärkten verstehen darunter die aktuellen Übertreibungen, die sich aber im Lauf der Zeit immer wieder korrigieren.
Entscheidend wird für Anleger, welche Einflussfaktoren Tag für Tag den Handel bestimmen. Sind es die reinen Konjunkturfaktoren quer über den Erdball, dann zeigen die im Moment zwar alle miteinander deutliche Bremsspuren. Gattiker ist sich jedoch sicher, dass die Talsohle erreicht ist. So wachsen die USA zwar langsamer als vor einem Jahr, dafür nachhaltiger. Und China, der zweite große Einflussfaktor auf die Welt, hat Ende vergangener Woche erstmals seit rund vier Jahren wieder die Leitzinsen gesenkt. "Das ist positiv, weil die Politiker damit demonstrieren, dass sie proaktiv auf das langsamere ökonomische Wachstum reagieren", sagt Gigi Chan, Fondsmanagerin beim globalen Fondshaus Threadneedle. Der Abschwung könnte damit vorüber sein, ehe er so richtig begonnen hat.
Gute Zeit, um Geld zu verdienen
Ebenfalls positiv stimmt viele Börsianer, dass zuletzt die Zentralbanken weltweit mehr oder weniger deutlich signalisiert haben, mit weiteren Stützungsmaßnahmen bereitzustehen, sollte dies die Krise erfordern. Dies und die zuletzt deutlich gefallenen Rohstoffpreise könnten sich schon bald positiv auf die Kurse auswirken.
Der wesentliche Punkt, der dem Ganzen im Moment im Weg steht, ist die Politik. "Der Aktienmarkt bleibt in diesen Tagen ein Spielball der politischen Entscheidungen", sagt Daniel Schnär von der Berliner Weberbank. Fundamentale Faktoren wie Gewinnsituation, Bewertung oder Dividendenrendite sind zu nachrangigen Themen geworden. Die Wahlen in Griechenland und Frankreich in diesem Monat mit ihrem unsicheren Ausgang, dazu die ständig neuen Hiobsbotschaften aus Spanien belasten dagegen die Stimmung vehement. Abstürze mit zwei bis drei Prozent pro Tag bei den Leitindizes sind deshalb immer wieder möglich, werden aber vermutlich in den Tagen darauf schon wieder aufgeholt.
Für Anleger heißt das, sie sollten positioniert sein, gegen den Strom schwimmen und vor allem eine feste Meinung zur gesamtwirtschaftlichen Lage haben. "Die Anleger sollten etwas Bargeld beiseitelegen für Zeiten, in denen politische Entscheide und globale Wachstumsaussichten wieder positiv überraschen", sagt Christian Gattiker. Dann sollte man schnell sein, jedoch nach kurzem Anstieg auch schnell wieder verkaufen.
Wie lange diese Phase anhalten wird, darüber sind sich die Experten im aktuellen Umfeld uneins. Bis zum Ende der Sommerferien, die in manchen Bundesländern bis Mitte September dauern, könnte es so weitergehen. Bis dahin gibt es für Anleger an der Börse viel Geld zu verdienen. Besonders für die, die aktiv auf die täglich veränderte Situation eingehen und die entsprechenden Schwankungen nutzen.




















