
Vorsicht lautet die Devise erfolgreicher Vermögensmanager - angesichts des Höhenflugs der Aktienkurse. Zwar halten einige von ihnen die Dividendentitel noch immer für relativ günstig bewertet, erkennen aber am Horizont jede Menge Unbill für die Finanzmärkte. Daher raten die Geldmanager ihren Kunden, ihre Depots mit Aktien solider Weltkonzerne, alternativen Strategien und bestimmten Anleihen wetterfest zu machen.
Einen "defensiven Kurs" empfiehlt Peter Reichel, Leiter private Vermögensberatung der Hamburger Privatbank Berenberg, jetzt seinen Kunden. Seit sich etwa der deutsche Leitindex Dax über die psychologisch wichtige Marke von 7 000 Punkten gehievt hat, positioniert er die Vermögen seiner Kunden "immer vorsichtiger", wie er sagt. "Wir haben einen Teil der Aktien verkauft, um Kursgewinne zu sichern", meint auch Achim Lange, Leiter Portfoliomanagement der Hamburger Sparkasse. Auch bei der Noch-Deutsche-Bank-Tochter BHF-Bank versilbert Chefanlagestratege Marcel Lähn, für Kunden erzielte Gewinne.
Die drei Banken werden seit Jahren von der Redaktion "Elite Report" als beste Vermögensverwalter ausgezeichnet. Demnach konnten diese Geldmanager die oft Millionen-Euro schweren Depots ihrer Kunden in den vergangenen schwierigen Börsenjahren vor allem relativ gut vor Verlusten schützen und überzeugten mit sorgfältiger Beratung. Das Handelsblatt kooperiert als Medienpartner mit dem "Elite Report" bei der jährlichen Auszeichnung der besten Geldmanager. Dem Schutz des Kundenvermögens gelten derzeit sämtliche Anstrengungen der Banker: Ein Viertel des Depots sollte wegen der immer schwerer absehbaren weiteren Entwicklung der europäischen Schuldenkrise in Währungen außerhalb des Euros gehalten werden, rät Haspa-Mann Lange: "Das ist wie eine Feuerversicherung fürs Haus - sie kostet, schützt aber, wenn es notwendig wird". In Fremdwährungen wie Schweizer Franken und US-Dollar investiert er für seine Kunden über Aktien und Anleihen. Demnächst will er in Währungen investieren, deren Staaten relativ wenig verschuldet und deren Inflationsrate moderat sind. Als Beispiele nennt er Norwegen, Schweden, Neuseeland oder Australien.
Sicherheit erreicht man nach Ansicht der Banker nur durch ein breit aufgestelltes Depot. "Wer jetzt glaubt, Risiken vermeiden zu können, indem er sein Geld auf Konten parkt, steht im Risiko", sagt Lange. Zwar umgeht ein Anleger damit Schwankungen an den Börsen. Aber wegen der extrem niedrigen Zinsen verliert er nach Steuern und Inflation Geld. Es gilt in verschiedensten Anlageklassen die stabilsten Titel zu finden.
Aktien stecken aktuell eher wenig in den Depots. Sie dürfen aber als Sachwertanlage, die vor Geldentwertung schützt, nicht fehlen. So empfiehlt Berenberg-Mann Reichel etwa ein knappes Viertel weniger Aktien als in normalen Zeiten. Für Anleger mit mittlerer Risikoneigung - also Kunden, die mit den Schwankungsrisiken der Börsen leben können, aber keine heißen Reifen fahren wollen - machen Dividendentitel bei den Geldmanagern aktuell ein gutes Drittel aus (Grafik). Bei der BHF-Bank gehören Aktien weiterhin zur bevorzugten Anlageklasse. Allerdings denkt Lähn über eine "defensivere Ausrichtung im Aktiensegment" nach. Das bedeutet für ihn eine Ausrichtung an vergleichsweise stabilen Branchen wie Verbrauchsgütern und Konzernen, die etwa den Großteil ihrer Gewinne außerhalb der Euro-Krisenzone in Schwellenländern verdienen.
Schwerpunkt bei Aktien liegt auf Europa
Aktien weltweit aktiver Konzerne mit guten Geschäftsmodellen, starken Bilanzen und guten Dividenden sind für Haspa-Mann Lange ein Puffer gegen regionale Krisen. Auch Berenberg-Mann Reichel setzt derzeit auf große Firmen mit mehreren Produktserien, die weniger anfällig für Probleme einzelner Sparten seien. Der Schwerpunkt bei Aktien liegt auf Europa, so auf den relativ stabilen Ländern Deutschland, Großbritannien und der Schweiz. Als Sektoren nennen sie Konsum- oder Pharmawerte. Die Experten halten auch Liquidität zum Nachkaufen. "Die nächste Unruhe an den Börsen ist angesichts der vielen anstehenden Entscheidungen zur Bewältigung der Schuldenkrise absehbar", sagt Lange.
Relativ stark gewichtet sind alternative Strategien. So will Reichel von Berenberg Ruhe ins Depot bringen mit Hilfe von Gold, Fonds mit Strategien, die in jeder Marktphase gut abschneiden, sowie Tagesgeld und Katastrophenbonds. Haspa-Mann Lange setzt außer auf Gold auf Aktienanleihen und Discount-Zertifikate.
Den größten Teil in den Depots machen verschiedenste Anleihen aus. Berenberg setzt rund ein Fünftel des Vermögens auf Anleihen fernab des Euros, rund ein Sechstel auf Firmenbonds, kleinere Anteile in Staatsanleihen und Pfandbriefe. Bei der Haspa steckt ein knappes Viertel in Anleihen mit Inflationsschutz, die mehr Rendite bringen als Bundesanleihen. Wegen des Risikos steigender Zinsen liegt ein Großteil des Anleihekapitals in kurzlaufenden Papieren. BHF-Bank-Mann Lähn zieht ebenfalls Firmenbonds gegenüber den teuren Staatsanleihen vor.
Falls sich die Krise doch weniger dramatisch entwickelt als befürchtet, sieht Berenberg-Mann Reichel "Potenzial für positive Überraschungen" an den Börsen. Denn Firmen verbuchten mindestens stabile Margen. Und die großen Notenbanken hätten noch jede Menge Möglichkeiten und Willen, Geld in die Wirtschaft zu pumpen.






















