Denkfabrik: Reales Rezessionsrisiko durch Ölpreishoch

Denkfabrik: Reales Rezessionsrisiko durch Ölpreishoch

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Weil die Energieintensität in den USA deutlich höher ist als in Europa, schlagen steigende Ölpreise dort stärker auf die Konjunktur durch – mit negativen Folgen auch für Deutschland und Europa. Eine Kompensation der Bürger über die Lohn- und Steuerpolitik macht dennoch keinen Sinn.

Können steigende Ölpreise die Konjunktur einbrechen lassen? In den Siebziger- und Achtzigerjahren haben zwei Ölpreisschocks in Deutschland zu einer Rezession bei gleichzeitig steigenden Inflationsraten geführt. Damals stieg der Ölpreis zunächst von drei Dollar je Barrel auf über zwölf Dollar, später dann auf 40 Dollar. Aus heutiger Sicht und einem aktuellen Ölpreis um die 105 Dollar (WTI) und 123 Dollar (Brent) klingt das wenig dramatisch. Wenn man aber den allgemeinen Anstieg des Preisniveaus mit einbezieht, so zeigt sich, dass sich die Entwicklungen damals und heute vergleichen lassen – und der Ölpreis 1980 real etwa auf dem Niveau von heute lag.

Große Schwankungen gab es immer: In den Achtzigerjahren sank der Ölpreis zwischenzeitlich deutlich, dann blieb er lange konstant, bis er zwischen 2005 und 2008 einen erneuten Höhenflug startete und in der Spitze bei über 145 Dollar notierte. In der Weltwirtschaftskrise 2008/09 krachte der Ölpreis dann wieder auf unter 40 Dollar je Barrel herunter. Und seit 2011 geht es nun wieder steil nach oben.

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Michael Bräuninger Quelle: Pressebild

Michael Bräuninger ist Forschungsdirektor am Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) und Professor an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg. Er ist federführend bei der HWWI-Konjunkturprognose, wobei sein besonderes Augenmerk den Energie- und Rohstoffmärkten gilt.

Bild: Pressebild

Rezessionsgefahr?

Vor dem Hintergrund der derzeit labilen konjunkturellen Lage stellt sich daher die Frage, ob steigende Ölpreise nun erneut zu einer Rezession führen können. Vergleicht man die Wirkungen der Ölpreissteigerungen in der Vergangenheit, so muss zunächst beachtet werden, dass diese unterschiedliche Ursachen hatten. In den Siebziger- und Achtzigerjahren trieb die künstliche Angebotsbeschränkung der OPEC die Preise nach oben.

Zwischen 2005 und 2008 hingegen war es die stark gestiegene Nachfrage aus den aufstrebenden Schwellenländern. Dabei hatte das Wirtschaftswachstum der Schwellenländer positive Effekte auf die Konjunktur in den Industrieländern, die den negativen Effekt durch höhere Ölpreise zumindest teilweise kompensieren konnten.

Grafik Erdölpreis für ein Barrel

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In der aktuellen Situation ist weniger die steigende Nachfrage als die politische Krise im Nahen Osten und die daraus resultierenden befürchteten Angebotsverknappungen die Ursache für den steigenden Ölpreis. Dabei wirkt die Spekulation sicherlich verstärkend. Folglich bergen die aktuellen Ölpreissteigerungen erhebliche konjunkturelle Risiken.

Mit den Ölpreisen steigen die Energiekosten für Haushalte und Unternehmen. Die Unternehmen geben diese über die Produktpreise weiter; somit steigen auch die Güterpreise. Dies führt zu geringerer Kaufkraft, die Realeinkommen und der Konsum gehen zurück, und die Nachfrage wird gedämpft. Zwar ist dieser Effekt geringer als in den Siebzigerjahren, weil die Energieintensität der Produktion zurückgegangen ist. Dennoch kommt es zu geringerem Wachstum und zu tendenziell steigender Arbeitslosigkeit.

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