Deutsche Bank: Gemeinsam zahlen

Deutsche Bank: Gemeinsam zahlen

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Die Fondstochter der Deutschen Bank, DWS Investments, hat wegen des Vorwurfs der Kurskosmetik zum Nachteil von Anlegern Ärger mit der polnischen Finanzmarktaufsicht KNF (Komisja Nadzoru Finansowego).

von Heike Schwerdtfeger

Der seit September amtierende Chef des Asset&Wealth Managements der Deutschen Bank, Michele Faissola, muss sich mit Problemen der Fondstochter DWS in Polen herumschlagen, die er von seinem Vorgänger geerbt hat.

Der seit September amtierende Chef des Asset&Wealth Managements der Deutschen Bank, Michele Faissola, muss sich mit Problemen der Fondstochter DWS in Polen herumschlagen, die er von seinem Vorgänger geerbt hat. Die Fondsgesellschaft hat wegen des Vorwurfs der Kurskosmetik zum Nachteil von Anlegern Ärger mit der polnischen Finanzmarktaufsicht KNF (Komisja Nadzoru Finansowego). Vor zehn Jahren war die DWS wegen ähnlicher Vorwürfe bereits mit der Luxemburger Fondsaufsicht aneinandergeraten. Derivatespezialist Faissola dürfte als Investmentbanking-Wegbegleiter des Co-Vorstandschefs Anshu Jain einen guten Einblick in die Geschäfte haben, aufgrund derer die DWS zu einem Bußgeld von umgerechnet 192.000 Euro verdonnert wurde und die Deutsche Bank als Depotbank rund 84.000 Euro zahlen soll. Es sind mit die höchsten Bußgelder, die die KNF je verhängt hat. Und dahinter stehen schwerwiegende Vorwürfe. Als Kapitalanlagegesellschaft ist die DWS als Treuhänder für das Vermögen ihrer Kunden zuständig und muss als solcher ausschließlich in deren Interesse und unabhängig handeln.

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DWS-Fondsmanager hatten für drei polnische Rentenfonds strukturierte Anleihen gekauft, die von Offshore-Gesellschaften emittiert wurden, hinter denen die Deutsche Bank steht. Die Anleihen tragen Fantasienamen wie Eirles Three und Earls Eight und setzen Ideen aus dem Londoner Investmentbanking um. Tranchen der Papiere mit ähnlichem Namen steckten auch in den in Deutschland verkauften Fonds. Es sind aber nach Angaben der DWS nicht die Papiere, um die es in Polen ging.

Worauf Anleger achten sollten

  • Solarfonds

    Einspeisevergütungen könnten gekappt werden - wie zuletzt in Spanien. Anleger sollten nachhaken, was Rückgänge für die Rendite bedeuten würden.

  • Windfonds

    Windstärken sind schwer vorherzusagen. Fonds sollten mehrere Gutachten eingeholt und mit der niedrigsten Windprognose kalkuliert haben.

  • Biogasfonds

    Eine Gefahr sind steigende Preise für Materialien wie Holz oder Mais. Anleger sollten die Kalkulation prüfen, indem sie die prognostizierten Einkaufspreise mit den aktuellen Preisen vergleichen.

  • Genussrechte

    Wer sich per Genussrecht an Projekten beteiligt, wird im Pleitefall erst nach den Gläubigern bedient. Dies relativiert die üppigen Zinsversprechen in der Werbung.

Bei den Preisen der Anleihen und bei der Berechnung der Fondspreise hätten DWS und Deutsche Bank von September 2008 bis März 2009 gegen die Interessen der polnischen Anleger gehandelt und gegen das Gesetz verstoßen, so die Begründung der Aufsichtsbehörde KNF. Damals gab es durch die Finanzkrise bei vielen strukturierten Produkten Probleme, die Preise zu ermitteln. Über Monate wurden bei den Fonds Wertzuwächse ausgewiesen, die aber auf einen Schlag um bis zu elf Prozent reduziert wurden. Eine Klage der DWS gegen das Bußgeld wurde im Herbst 2012 vom Warschauer Verwaltungsgericht abgeschmettert (Aktenzeichen VI SA/Wa 995/11). Zum laufenden Verfahren will sich die Fondsgesellschaft nicht äußern, teilt aber mit, dass sie bereits im Mai 2009 "auf eigene Initiative und vollständig alle Anleger entschädigt" habe.

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Allerdings bemängelte die KNF in der Bußgeldsache auch eine ungleiche Behandlung der Anleger bei der Entschädigungszahlung. Der Warschauer Rechtsanwalt Wojciech Andrzejczak, der die Verfahren angestoßen hatte, erklärt, dass sein Mandant nach der Entschädigung noch einen Verlust von rund 240.000 Euro habe. "Für viele Fondsgesellschaften war Polen der wilde Osten, wo alles möglich war", sagt Andrzejczak. Die polnische Aufsicht sei anfangs nicht sehr stark gewesen und die Finanzbranche habe das ausgenutzt.

Die DWS hat sich schon 2011 aus dem Land zurückgezogen und ihre polnische Tochter an die Investor Holding verkauft, die jetzt den Vertrieb der DWS-Fonds in Polen übernimmt.

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