Warum die Deutschen nicht auf Scheine und Münzen verzichten

Die deutsche Liebe zum Bargeld: Warum die Deutschen nicht auf Scheine und Münzen verzichten

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ARCHIV - Eine Kassiererin in einem Supermarkt zählt am 04.02.2016 an ihrer Kasse in Nürnberg (Bayern) das Wechselgeld. Bargeld bräuchten Verbraucher in Deutschland rein technisch längst nicht mehr. Doch die Bundesbürger hängen an Scheinen und Münzen. (zu dpa «Die deutsche Liebe zum Cash: Nur Bares ist Wahres?» vom 02.01.2018) Foto: Daniel Karmann/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Bargeld bräuchten die Deutschen rein technisch längst nicht mehr. Doch man hängt an dem "echten Geld". Ist die bargeldlose Welt andernorts fast Realität, bleibt sie für die Deutschen noch Zukunftsmusik.

Den Einkaufskorb im Supermarkt per Smartphone bezahlen, den Cappuccino im Café per App und Restaurants, in denen Bargeld längst verboten ist: Was viele Bundesbürger für Zukunftsmusik halten oder vehement ablehnen, ist vielerorts schon Wirklichkeit. Gerade in Skandinavien, angelsächsischen Staaten oder den Schwellenländern wächst das bargeldlose Zahlen rasant.

In Indien etwa werde das digitale Zahlen 2022 Scheine und Münzen ablösen, sagt die Beratungsgesellschaft BCG voraus. Und Deutsche-Bank-Chef John Cryan hat eine andere „Zahlungsfrist“ für Bargeld vor Augen: Binnen zehn Jahren werde es verschwinden, da es „fürchterlich teuer und ineffizient“ sei.

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Doch die Deutschen lieben Bargeld. Als der damalige Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) Obergrenzen für Bares gegen Kriminalität ins Spiel brachte, schlugen die Wellen hoch. Einige fürchteten gleich die Abschaffung - allen Dementis zum Trotz.

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500-Euro-Scheine Quelle: REUTERS

In kaum einer anderen Nation wird so gerne mit Münzen und Scheinen bezahlt wie in Deutschland. Nur rund jede zwanzigste Zahlung werde hierzulande per Kreditkarte abgewickelt, so die Beratungsfirma Barkow Consulting. Statistisch gesehen lagere jeder Bundesbürger 2200 Euro im Sparstrumpf, sagt Firmengründer Peter Barkow. Die Angst vor Dieben schreckt offenbar kaum ab. Und laut einer Studie der Europäischen Zentralbank (EZB) trugen die Deutschen 2016 im Schnitt 103 Euro im Geldbeutel mit sich - im Mittel der Eurozone waren es nur 65.

Wegen der Liebe zum Cash hinkt Deutschland auch beim bargeldlosen Zahlen hinterher. Zwischen 2010 und 2016 stiegen die bargeldlosen Zahlungen nur um 7 Prozent der Transaktionen pro Kopf, wie jüngst eine Studie von BCG zeigte. Damit zähle Deutschland selbst in der Gruppe der „Cash-Loyalisten“ zu den Nachzüglern nach Portugal (9,8 Prozent) und Österreich (8,2). Nur Italien und Spanien liegen noch weiter hinten.

„Restaurantbesuche und Lebensmittel werden in Deutschland mehr als doppelt so oft bar bezahlt wie im europäischen Durchschnitt“, sagt BCG-Experte Holger Sachse. Zudem hätten viele Verbraucher Bedenken bei neuen Verfahren. „Nur ein Viertel der Verbraucher glaubt, dass bargeldlose Zahlungen sicher sind“, erklärt er.

In den USA, Großbritannien und Skandinavien sind Kreditkarten indes selbst für kleine Beträge üblich. Statt Geldbörse haben die Leute ein flaches Visitenkartenetui in der Tasche. Darin: nur Führerschein und Geldkarte. In Schweden wurde 2015 nur jeder fünfte Einkauf im Laden mit Bargeld bezahlt. Auf die Frage „Wie hast du zuletzt bezahlt?“ antworteten in einer Umfrage der Reichsbank zuletzt 70 Prozent mit „Karte“ (EC- und Kredit-) und nur 15 Prozent mit „cash“. Einige Restaurants akzeptieren gar kein Bargeld mehr - im Gegenteil etwa zu Berlin, wo es bei vielen Cafés und Bars „Cash only“ heißt. Doch nicht nur auf der Karte des hippen Burgerladens „Flippin' Burgers“ in Stockholm steht: „We are a cash free restaurant.“ Für Gäste kein Problem. Nur Touristen seien manchmal überrascht.

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